Niedersachsen lässt neue Erdgas-Suche zu – Streit um heimische Förderung flammt wieder auf

Niedersachsen hat zum 1. April drei Erlaubnisfelder zur gewerblichen Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen an Vermilion Energy Germany vergeben. Darunter das Feld „Unterweser I“ in den Landkreisen Osterholz, Rotenburg (Wümme) und Verden östlich von Bremen. Damit startet noch keine Förderung und auch keine Bohrung. Das Unternehmen erhält aber grundsätzlich das Recht, in den Gebieten nach möglichen Erdgasvorkommen zu suchen. Auslöser ist nach Darstellung des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie die geopolitische Lage sowie das Ziel, heimische Rohstoffe stärker zu nutzen (lbeg.niedersachsen: 31.03.26). Zugleich wächst vor Ort der Widerstand, weil Kritiker Gefahren für Natur, Wasser und Landwirtschaft sehen (weser-kurier: 31.03.26). Politisch brisant wird der Schritt außerdem, weil die Suche nach heimischem Gas ausgerechnet in einer Phase ausgeweitet wird, in der Fracking in Deutschland über Jahre als rote Linie galt, während zugleich mehr importiertes LNG ins Land kam.


Nur Suchrechte vergeben, keine Freigabe zur Förderung

Die Entscheidung des LBEG betrifft drei Felder mit zusammen knapp 2.895 Quadratkilometern. Celle I und Uelzen II laufen bis zum 31. März 2029, während Unterweser I bis zum 31. März 2028 befristet ist. Gerade dieses Feld sorgt jedoch im Raum Osterholz, Worpswede und Grasberg für besondere Aufmerksamkeit, weil dort schon jetzt ein Konflikt um mögliche spätere Projekte entsteht.

Niedersachsen weitet die Erdgas-Suche aus. Im Raum Grasberg wächst der Protest gegen die Suche nach möglichen Lagerstätten
Niedersachsen weitet die Erdgas-Suche aus. Im Raum Grasberg wächst der Protest gegen die Suche nach möglichen Lagerstätten

Wichtig ist deshalb die bergrechtliche Unterscheidung. Die nun erteilten Erlaubnisse geben Vermilion lediglich das Recht, die Aufsuchung vorzubereiten und grundsätzlich vorzunehmen. Tatsächliche Aufsuchungshandlungen dürfen jedoch erst beginnen, wenn bergrechtliche Betriebspläne zugelassen sind. Dafür ist ein eigenes Verfahren mit weiterer Beteiligung nötig.

Die politische Sprengkraft liegt tiefer

Das LBEG begründet den Schritt offen mit Versorgungssicherheit und geopolitischer Unsicherheit. Behördenpräsident Carsten Mühlenmeier erklärte, es sei angesichts der Lage sinnvoll, die Suche nach neuen Erdgaslagerstätten wieder zu verstärken. Zudem verweist die Behörde darauf, dass konventionell gefördertes Erdgas aus Niedersachsen noch immer etwa fünf Prozent des deutschen Bedarfs decke und dass rund die Hälfte aller Haushalte weiterhin mit Erdgas heize.

Gerade darin liegt jedoch der politische Widerspruch. Die Debatte über heimische Gasförderung wurde in Deutschland über Jahre besonders scharf geführt, sobald sie mit Fracking verknüpft war. Während die Bundespolitik neue Förderung im Inland immer wieder abgrenzte und Fracking faktisch ausgeschlossen blieb, stieg zugleich die Bedeutung von LNG-Importen. Die niedersächsische Entscheidung rückt deshalb eine alte Frage neu ins Zentrum. Warum gilt heimische Suche politisch als heikel, während importiertes Gas als unvermeidbar behandelt wird? Diese Spannung macht den Fall über die Region hinaus brisant. Die LBEG-Mitteilung selbst spricht dabei ausdrücklich von einer ausschließlich konventionellen Erdgasförderung in Niedersachsen. Sie stellt diese als Beitrag zur Verringerung von Importabhängigkeit dar.


In Grasberg wächst der Widerstand früh

Im Raum Osterholz und Grasberg stößt bereits die Suche nach möglichen Vorkommen auf Widerstand. Der Konflikt beginnt also lange vor jeder denkbaren Förderung, weil viele Anwohner die Erlaubnisvergabe als ersten Schritt in eine spätere industrielle Nutzung werten. Genau deshalb dürfte jede weitere Genehmigungsstufe politisch umkämpft bleiben.

Die eigentliche Nachricht lautet daher nicht, dass Niedersachsen neue Gasfelder öffnet. Die Nachricht ist, dass das Land die Suche nach möglichen Lagerstätten wieder ausweitet. Damit wird ein energiepolitischer Streit neu belebt, der nie wirklich beendet war. Formal geht es zunächst nur um Aufsuchung, politisch jedoch um weit mehr. Denn es geht um die Glaubwürdigkeit der deutschen Energiepolitik, um den Umgang mit heimischen Ressourcen und um die Frage, welche Risiken vor Ort künftig akzeptiert werden sollen.

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