In den Niederlanden werden die Atompläne jetzt konkret, denn die Regierung hat eigens einen neuen Staatsbetrieb für ihre Umsetzung gegründet. NEO NL soll zunächst zwei Kernkraftwerke planen, bauen und später auch betreiben. Den Haag plant langfristig sogar vier Reaktoren. Der Anlass ist der energiepolitische Kurswechsel hin zu mehr Kernenergie. Für die ersten beiden Anlagen werden 20 bis 30 Milliarden Euro erwartet. Ein Standort steht noch nicht fest und die ersten Reaktoren könnten frühestens in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre ans Netz gehen (rp-online: 09.03.26).
Staatsbetrieb soll das Atomprogramm praktisch umsetzen
NEO NL startete bereits im vergangenen Jahr als Teil des Ministeriums für Klima und Grünes Wachstum, steht inzwischen jedoch auf eigenen Beinen. Das Ministerium bleibt alleiniger Eigentümer, deshalb behält der Staat die volle Kontrolle. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten bereits für den Staatsbetrieb. Das Team soll nach und nach weiter wachsen.

Mit dieser Struktur verlassen die niederländischen Atompläne die reine Ankündigungsphase. Fachleute bereiten die nächsten Schritte bereits vor, sodass aus politischen Beschlüssen ein konkretes Großprojekt wird. Die ersten beiden Reaktoren sollen an einem gemeinsamen Standort entstehen. Wo gebaut wird, ist aber noch offen. Für 2026 hat die Politik zunächst nur eine vorläufige Standortentscheidung angekündigt.
Regierung setzt auf Ausbau mit bis zu vier Reaktoren
Die neue Regierung in Den Haag setzt klar auf Kernenergie. Im Koalitionsvertrag steht deshalb, dass die Niederlande mindestens vier Kernkraftwerke bauen wollen. Damit geht die Planung deutlich über die ersten zwei Anlagen hinaus. Neben klassischen Großreaktoren kommen zugleich auch kleinere modulare Reaktoren, sogenannte SMR, in Betracht.
Die frühere Klimaministerin Sophie Hermans begründete den Kurs mit der Versorgungssicherheit. Sie sagte: „Kernkraftwerke in den Niederlanden tragen zu einer stabilen und zukunftsfähigen Energieversorgung bei, wodurch wir weniger abhängig vom Ausland werden.“ Genau diese geringere Abhängigkeit ist ein Kernmotiv der Strategie, weil Energieimporte politisch und wirtschaftlich stärker ins Gewicht fallen. SMR sollen zwar nur rund 300 Megawatt leisten, während große Atomkraftwerke auf mehr als 1000 Megawatt kommen, doch diese Technik existiert bisher nur in experimenteller Form. Der neue Staatsbetrieb markiert dennoch einen Wendepunkt, weil Den Haag das Atomprogramm jetzt organisatorisch und personell fest verankert.
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