Neues Heizkraftwerk nach nur einem Jahr abgebrannt – bis zu 400.000 Euro Schaden

In Straßlach-Dingharting bei München hat am 3. Oktober 2026 ein Brand ein erst ein Jahr altes Heizkraftwerk schwer beschädigt. Ein technischer Zwischenfall in der Abgasreinigung führte zu einem Schwelbrand, dessen genaue Ursache noch ungeklärt ist. Die Reparatur könnte laut Bürgermeister Hans Sienerth zwischen 300.000 und 400.000 Euro kosten. Rund 200 Haushalte bezogen bis dahin Strom und Wärme aus der Anlage. Weil die Hackschnitzelheizung ausfiel, musste eine ölbetriebene Ersatzversorgung die Wärmeversorgung übernehmen. Rund 100 Feuerwehrleute bekämpften das Feuer über mehrere Stunden. Verletzt wurde niemand, jedoch benötigte ein Feuerwehrmann kurzzeitig medizinische Betreuung.

Brand im neuen Heizkraftwerk in Straßlach: 200 Haushalte benötigen Ersatzwärme aus Öl. Die Reparatur könnte bis zu 400.000 Euro kosten
Bild: © Freiwillige Feuerwehr Straßlach

Neues Heizkraftwerk trotz kürzlicher Wartung schwer beschädigt

Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt des Brandes. Das Heizkraftwerk am Mitterstraßweg nahm erst im Oktober 2025 den Betrieb auf. Außerdem hatte der Hersteller die Anlage etwa zwei Wochen vor dem Zwischenfall umfassend gewartet. Bis dahin galt die Energieversorgung nach Angaben der Gemeinde als zuverlässig. Eine konkrete technische Ursache für das Feuer ist bislang nicht bekannt.

Unmittelbar vor der Brandentdeckung hatte es in der Gemeinde einen Stromausfall gegeben. Deshalb kontrollierte der technische Leiter Manuel Kluge die Anlage und bemerkte Funken im Filtersystem. Gegen 11 Uhr alarmierte er die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte mussten anschließend unter schwerem Atemschutz in die Anlage vordringen. Zudem war Löschwasser mit Öl verunreinigt, weshalb Spezialbehälter zum Auffangen erforderlich waren. Ein Zusammenhang zwischen dem Stromausfall und dem Brand ist bislang nicht nachgewiesen.


Heizkraftwerk fällt aus – fossile Ersatzversorgung verhindert Wärmeausfall

Der Brand traf ausgerechnet eine kommunale Energieanlage, die den Einsatz fossiler Brennstoffe verringern soll. Nach dem Ausfall übernahm jedoch ein ölbasierter Reservebetrieb die Wärmeversorgung. Damit konnten die angeschlossenen Haushalte weiterhin Warmwasser und Heizwärme beziehen. Die technische Absicherung verhinderte somit unmittelbare Einschränkungen für die Bewohner.

Allerdings verursacht ein solcher Ersatzbetrieb zusätzliche Abhängigkeiten von Heizöllieferungen und fossilen Brennstoffen. Ob tatsächlich Mehrkosten gegenüber dem regulären Hackschnitzelbetrieb entstanden sind, hängt von Verbrauch, Ölpreis und Ausfalldauer ab. Konkrete Zahlen dazu liegen bislang nicht vor. Auch eine bestätigte Wiederinbetriebnahme der beschädigten Biomasseanlage wurde bis zum 26. Oktober nicht öffentlich bekannt gegeben.

Kommunales Millionenprojekt benötigt deutlich mehr Anschlüsse

Die finanziellen Auswirkungen könnten über die eigentliche Reparatur hinausgehen. Betreiber des Projekts ist die kommunale Infrastrukturgesellschaft Straßlach-Dingharting. Das Wärmenetz befindet sich weiterhin im Ausbau, während die Gemeinde zusätzliche Gebäude anschließen möchte. Nach den ursprünglichen Planungen gelten mindestens 450 angeschlossene Häuser als wirtschaftliche Zielgröße. Bis zum Brand versorgte die Anlage rund 200 Haushalte.

Jährlich kommen nach den bisherigen Ausbauplänen etwa zwei bis drei Kilometer Fernwärmeleitungen hinzu. Damit ist die Investition auf eine langfristig steigende Wärmeabnahme ausgelegt. Größere Reparaturen und längere Betriebsunterbrechungen können jedoch die Wirtschaftlichkeitsrechnung verschlechtern. Entscheidend bleibt, ob Versicherungen oder Hersteller für den Schaden aufkommen. Bislang ist weder eine abschließende Schadenssumme noch eine verbindliche Kostenübernahme öffentlich dokumentiert.

Zweiter Brand in bayerischem Biomasse-Heizwerk innerhalb von drei Tagen

Nur zwei Tage nach dem Feuer in Straßlach kam es zu einem weiteren Brand in einem kommunalen Biomasse-Heizwerk. Im Bad Windsheimer Ortsteil Külsheim geriet am 5. Oktober ein Hackschnitzelbunker in Brand. Die Feuerwehr stellte Glutnester im Bereich einer Förderschnecke fest. Deshalb mussten Einsatzkräfte den Brennstoffbunker teilweise mit schwerem Gerät räumen. Eine erhebliche Rauchentwicklung führte zu einem größeren Feuerwehreinsatz.

Die beiden Ereignisse betrafen unterschiedliche technische Anlagenbereiche. Während in Straßlach die Abgasreinigung beschädigt wurde, lag der Brandherd in Külsheim im Bereich der Brennstoffförderung. Ein gemeinsamer technischer Auslöser ist nicht bekannt. Dennoch zeigen beide Fälle, dass kommunale Wärmeprojekte wirksame Brandschutzkonzepte und ausreichend dimensionierte Ersatzsysteme benötigen. Andernfalls können einzelne technische Schäden große Teile einer örtlichen Wärmeversorgung beeinträchtigen.


Drei Wochen nach dem Brand bleiben entscheidende Angaben offen

Für das Straßlacher Heizkraftwerk fehlen weiterhin öffentlich bestätigte Angaben zum vollständigen Reparaturumfang. Ebenso ist unklar, wann die reguläre Wärmeerzeugung wieder aufgenommen werden konnte oder kann. Die ursprüngliche Schätzung von bis zu 400.000 Euro bleibt deshalb vorläufig. Außerdem gibt es bisher keine veröffentlichten Zahlen zu möglichen zusätzlichen Betriebskosten durch die Ersatzversorgung.

Am 28. Oktober findet die nächste Gemeinderatssitzung in Straßlach-Dingharting statt. Die veröffentlichte Einladung enthält allerdings keinen ausdrücklich ausgewiesenen Tagesordnungspunkt zum Heizkraftwerk. Ob dort neue Informationen zur Schadensregulierung bekannt werden, bleibt abzuwarten. Für die Gemeinde ist vor allem entscheidend, wie sich der Brand auf die langfristigen Kosten und den weiteren Ausbau des Wärmenetzes auswirkt.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Merkur (04.10..26) – Süddeutsche Zeitung (05.10.26) – Freiwillige Feuerwehr Straßlach (05.10.26)

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