In der Nordsee, besonders in der Deutschen Bucht, zeigen aktuelle Studien aus dem Jahr 2026, dass Offshore-Windparks die natürlichen Strömungen deutlich verändern und damit die Sedimentablagerung großräumig verschieben. Forscher des Helmholtz-Zentrums Hereon analysierten Messdaten und Modellrechnungen. Sie stellten fest, dass die Fundamente der Anlagen den Transport von feinkörnigem Material und organischem Kohlenstoff beeinflussen. Auslöser ist die Umleitung von Strömungen durch die Bauwerke. Die Folgen reichen über einzelne Standorte hinaus. Betroffen sind Meeresboden, Lebensräume und zentrale Stoffkreisläufe. Besonders kritisch ist die Veränderung der Kohlenstoffspeicherung im Sediment.
Studien zeigen großräumige Umlagerung von Sedimenten
Die aktuelle Veröffentlichung in Communications Earth & Environment liefert konkrete Zahlen, jedoch zeigen sie vor allem die Dimension des Eingriffs. Offshore-Windparks verlagern jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen feinen Schlamm auf dem Nordsee-Schelf. Diese Umlagerung betrifft nicht nur den unmittelbaren Bereich der Anlagen. Sie verändert auch weiter entfernte Regionen.

Zugleich wird organischer Kohlenstoff verschoben, während er normalerweise im Sediment gebunden bleibt. Die Forscher betonen, dass sich dadurch die Verteilung von Nährstoffen und Energie im Ökosystem verändert. Das betrifft die gesamte Nahrungskette. Besonders relevant ist dabei, dass diese Prozesse dauerhaft wirken und sich mit jedem neuen Windpark verstärken.
Strömungsänderungen als zentraler Auslöser
Eine zweite Studie zeigt, dass Offshore-Windparks die Strömungsgeschwindigkeit lokal deutlich reduzieren. In einigen Bereichen messen Forscher Veränderungen von bis zu 20 Prozent. Diese Verlangsamung beeinflusst direkt, wo Sedimente absinken oder erneut aufgewirbelt werden.
Deshalb entstehen neue Ablagerungszonen, während andere Bereiche Material verlieren. Diese Verschiebung verändert die Struktur des Meeresbodens. Zugleich greifen diese Prozesse in die natürliche Dynamik der Nordsee ein. Die Wechselwirkungen zwischen Strömung, Sediment und Bodenformen werden dadurch komplexer und schwerer vorhersehbar.
Auswirkungen auf Ökosysteme und Kohlenstoffkreislauf
Sedimente erfüllen im Meer eine zentrale Funktion, jedoch wird diese Rolle durch die Eingriffe verändert. Sie speichern organisches Material und sichern Lebensräume für viele Arten. Wenn sich die Ablagerung verschiebt, ändern sich diese Bedingungen grundlegend.
Einige Arten verlieren ihren Lebensraum, während andere sich ausbreiten. Dadurch verschiebt sich die Artenzusammensetzung. Gleichzeitig verändert sich die Speicherung von Kohlenstoff im Meeresboden. Die Studie zeigt, dass Offshore-Windparks jährlich rund 0,006 Millionen Tonnen organischen Kohlenstoff umverteilen. Das entspricht etwa 1,5 Prozent des natürlichen Eintrags aus Flüssen.
Ausbau verstärkt die Effekte weiter
Die Ausbaupläne für Offshore-Windenergie erhöhen die Relevanz dieser Ergebnisse deutlich. Bereits heute sind große Kapazitäten installiert, während weitere Projekte vorbereitet werden. Mit jedem zusätzlichen Windpark nimmt der Einfluss auf Strömungen und Sedimenttransport zu.
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Nordsee ein empfindliches System ist. Veränderungen wirken nicht isoliert, sondern greifen ineinander. Deshalb fordern sie genauere Modelle und langfristige Beobachtungen. Nur so lassen sich die Folgen für Ökosysteme und Kohlenstoffkreisläufe verlässlich abschätzen. (KOB)
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