Netzbetreiber ziehen Notbremse und stoppen hunderte Batteriespeicher-Anträge

Der Boom bei Batteriespeichern erreicht eine neue Eskalationsstufe, denn die Netzbetreiber sortieren derzeit massenhaft Anträge für einen Netzanschluss aus. TenneT und weitere Übertragungsnetzbetreiber streichen hunderte Projekte aus den Verfahren. Die Zahl der eingereichten Vorhaben übersteigt die real nutzbare Netzkapazität deutlich, weshalb die Betreiber ihre Prüfprozesse verschärfen. Projektentwickler reagieren nervös, aber die Netzseite spricht von einer notwendigen Marktbereinigung.


Netzanschluss nur noch für realistische Speicherprojekte

Die Betreiber ändern ihre Anschlusslogik, weil das bisherige Prinzip nach Eingang der Anträge nicht mehr tragfähig ist. Wer zuerst einreicht, kommt nicht mehr automatisch zuerst zum Zug, sondern nur noch belastbare Projekte erhalten Priorität. Entscheidend sind nun Genehmigungsstand, Finanzierung und technische Planung, damit das Netz nicht durch Platzhalter blockiert wird. Viele eingereichte Speicher existieren nur auf dem Papier, obwohl sie große Anschlussleistung beanspruchen.

TenneT greift durch: Hunderte Anträge für Batteriespeicher werden gestrichen. Künftig zählt Projektreife statt Warteliste
TenneT greift durch: Hunderte Anträge für Batteriespeicher werden gestrichen. Künftig zählt Projektreife statt Warteliste

Entwickler meldeten in kurzer Zeit Kapazitäten im dreistelligen Gigawattbereich an, obwohl der tatsächliche Bedarf deutlich darunter liegt. Dadurch füllen spekulative Reservierungen die Wartelisten, sodass umsetzbare Projekte warten müssen. Netzbetreiber sprechen intern von „Phantomspeichern“, weil zahlreiche Vorhaben nie gebaut werden. Die neue Filterung greift deshalb früh, damit Ressourcen nicht weiter fehlgeleitet werden.

Verfahren zur Bewertung der Anträge wird neu priorisiert statt streng chronologisch

Künftig prüfen die Netzbetreiber strukturierter, denn die Reihenfolge der Anträge allein entscheidet nicht mehr. Projekte mit fortgeschrittener Planung rutschen nach vorne, während unscharfe Konzepte zurückfallen. Dazu zählen gesicherte Flächen, konkrete Bauanträge und belastbare Netzdaten. Ohne diese Nachweise sinken die Chancen auf einen Netzverknüpfungspunkt erheblich.

Gleichzeitig fordern die Betreiber angepasste regulatorische Regeln, damit Batteriespeicher sauber eingeordnet werden. Die bestehenden Anschlussverordnungen stammen aus einer Zeit klassischer Kraftwerke, jedoch passen sie nur begrenzt zu Speichern. Speicher arbeiten flexibel und marktgetrieben, deshalb brauchen sie andere Bewertungskriterien. Behörden und Branche diskutieren bereits neue Standards.

Arbeitslast in den Netzzentralen steigt stark

Die Prüfverfahren binden viel Personal, weil jeder Antrag technisch bewertet werden muss. Netzsimulationen, Lastflussrechnungen und Standortanalysen kosten Zeit. Wenn hunderte Anträge ohne Realisierungschance eingehen, blockiert das die Fachabteilungen. Deshalb löschen Betreiber nun auffällige Anträge aus der Pipeline, bevor tiefe Prüfungen starten.

Parallel wächst der Druck durch den schnellen Ausbau von Wind- und Solarparks, denn diese Projekte benötigen ebenfalls Netzkapazität. Speicher konkurrieren also direkt mit Erzeugungsanlagen um Anschlusspunkte. Ohne Priorisierung drohen Verzögerungen bei systemrelevanten Vorhaben. Die Notbremse soll genau das verhindern.


Speicher bleiben wichtig für Netzstabilität und Stromhandel

Trotz der Streichungen halten die Betreiber am Ausbau von Batteriespeichern fest, denn sie stabilisieren Frequenz und Spannung. Große Speicher puffern Erzeugungsspitzen aus erneuerbaren Anlagen. Außerdem ermöglichen sie Arbitrage im Stromhandel, wodurch sich Preissignale glätten lassen. Der Markt wächst also weiter, aber unter strengeren Zugangsregeln.

Seriöse Projekte profitieren sogar von der Bereinigung, weil sich Warteschlangen verkürzen. Netzanschlüsse gehen schneller an Vorhaben mit echter Umsetzungswahrscheinlichkeit. Entwickler müssen dafür mehr Vorarbeit leisten, jedoch steigt die Planungssicherheit. Der Speichermarkt tritt damit in eine neue, selektivere Phase ein.

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