Bis zu 897 Haushalte in Großkayna und Teilen von Roßbach waren nach einem Brandanschlag auf eine Trafostation ohne Strom. Der Stromausfall traf Sachsen-Anhalt während der Kältewelle. Der Netzbetreiber leitete bei dem betroffenen Umspannwerk um 0:41 Uhr am 10. Januar 2026 eine Notabschaltung ein (welt: 10.01.26).
Brandanschlag legt Netzpunkte lahm – Mitnetz schaltet um
Der Netzbetreiber trennte das zuständige Umspannwerk aus Sicherheitsgründen, daher verloren neben dem Ortsnetz auch 14 weitere Netzpunkte kurzfristig die Versorgung. Für viele Betroffene bedeutete der Stromausfall kalte Räume, allerdings stabilisierten Umschaltungen die Lage schneller als bei einem flächigen Blackout.

Nach etwas mehr als einer Stunde hatten die meisten Bereiche wieder Strom. Die Leitstelle stellte die Versorgung per Umschaltung schrittweise wieder her.. Der Netzbetreiber steuerte die Arbeiten im Hintergrund, weil jede Umschaltung andere Leitungsabschnitte belastet und die Betriebssicherheit im Netz sichern muss.
Kältewelle und Wetterlage verschärfen die Folgen in Sachsen-Anhalt
Der Deutsche Wetterdienst warnte in Teilen von Sachsen-Anhalt wegen der Wetterlage „Elli“. Schnee und Minusgrade verschärften die Lage. Der Stromausfall traf deshalb nicht nur Beleuchtung und Geräte, sondern auch Heizsysteme und Ladeinfrastruktur, wodurch die Kältewelle für Anwohner schneller spürbar wurde.
In solchen Nächten zählt jede Minute, dennoch blieb die Versorgung insgesamt beherrschbar, weil Leitstellen alternative Schaltwege vorhielten. Gerade in Mitteldeutschland hängt die Resilienz oft von wenigen Knoten ab, weshalb ein einzelnes Trafohäuschen im Ernstfall überraschend viele Abnehmer erreicht.
Ermittler rekonstruieren den Ablauf des Brandanschlags
Nach bisherigen Erkenntnissen entfernten die Täter ein Lüftungsgitter. Danach drückten sie Holz und Papier durch die Öffnung in die Station. Anschließend zündeten sie das Material an. Der Brandanschlag verursachte massive Schäden an der Technik. Der Netzbetreiber muss die Station vollständig ersetzen. Solche Komponenten sind zudem nicht kurzfristig verfügbar.
Ein Mitarbeiter des Unternehmens fuhr wegen der Störung zum Umspannwerk, dabei bemerkte er den Brand kurz vor Mitternacht am 9. Januar 2026 und alarmierte die Einsatzkette. Die Polizeiinspektion Halle ermittelt wegen Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe, jedoch nannten die Behörden zunächst keine Schadenssumme.
Was der Vorfall für Netzbetreiber und Versorgungssicherheit bedeutet
Der Brandanschlag zeigt, wie verletzlich Verteilnetze bleiben, obwohl der Netzbetreiber mit Redundanzen plant und Störkonzepte trainiert. Ein Stromausfall kann sich in Sachsen-Anhalt binnen Minuten ausbreiten, wenn Täter gezielt Zugangspunkte nutzen und die Kältewelle gleichzeitig den Verbrauch treibt.
Für die Aufklärung braucht die Polizei Hinweise aus dem Umfeld, außerdem helfen Beobachtungen zu Fahrzeugen oder Personen in Tatortnähe. Je schneller Ermittler die Brandattacke einordnen, desto eher lassen sich Nachahmer abschrecken, und Versorger können zusätzliche Sicherungen an sensiblen Stationen priorisieren.
Konsequenzen nach dem Brandanschlag: Ersatz, Kosten, Schutzkonzepte
Mitnetz muss das Trafohäuschen ersetzen, daher bleibt der Netzbetreiber noch Tage mit Planung und Materiallogistik beschäftigt, bis der betroffene Abschnitt dauerhaft stabil läuft. Der Stromausfall gilt zwar als behoben, doch Sachsen-Anhalt muss den Schaden dokumentieren und die Schutzkonzepte prüfen, weil eine neue Kältewelle jederzeit zurückkehren kann.
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