Nachfrageflaute – ZF stellt mehrere E-Auto-Projekte ein

ZF beendet mehrere Projekte rund um Elektrofahrzeuge vorzeitig. Der Zulieferer reagiert damit auf einen langsameren Markthochlauf. Gleichzeitig will das Unternehmen Mittel freisetzen, damit künftige Programme wieder verlässlich Rendite liefern (ntv: 23.01.26).


Warum ZF Projekte mit Kunden früher beendet

ZF beschreibt die Entscheidung als Ergebnis von Abstimmungen mit mehreren Kunden. Dabei geht es um Vorhaben, die bei geringeren Stückzahlen nicht wie geplant rechnen. Deshalb habe sich ZF „mit verschiedenen Kunden darauf geeinigt, mehrere Projekte vorzeitig zu beenden, die aufgrund des langsameren Hochlaufs der E-Mobilität nicht die erwartete Profitabilität erreichen“.

ZF stoppt mehrere E-Auto-Projekte wegen schwacher Nachfrage. 2025 droht ein Bilanzverlust – Konzern plant 14 000 Stellen weniger bis 2028
ZF stoppt mehrere E-Auto-Projekte wegen schwacher Nachfrage. 2025 droht ein Bilanzverlust – Konzern plant 14 000 Stellen weniger bis 2028

Der Schritt zeigt, wie hart der Markt inzwischen kalkuliert. Zudem verschiebt sich der Fokus vieler Hersteller von Tempo auf Kosten und Auslastung. Damit werden Entwicklungsbudgets stärker gebündelt, statt breit über viele Plattformen verteilt zu werden.

Bilanzwirkung 2025 und die Ansage des Finanzvorstands

Für das Jahr 2025 erwartet ZF einen negativen Sondereffekt. Dieser Effekt entsteht, weil abgebrochene Programme bilanziell neu bewertet werden müssen. Dennoch will der Konzern den Einschnitt als Grundlage für bessere Ergebnisse in den Folgejahren verstanden wissen.

ZF-Finanzvorstand Michael Frick formuliert das Ziel deutlich. Die Entscheidung führe „zu einem buchhalterischen Verlust für das Jahr 2025“, sei aber die Basis für „nachhaltig verbesserte Profitabilität in den kommenden Jahren“. Folglich rückt die Messlatte für neue Projekte weiter nach oben, vor allem bei Anläufen mit unsicherem Volumen.

Branchenlage: Nachfrage, Kosten und China als Dauerfaktor

Die Kürzungen fallen in eine Phase, in der deutsche Hersteller und Zulieferer spürbar Gegenwind haben. Einerseits bleibt die internationale Nachfrage in Teilen schwächer als erhofft. Andererseits steigen Kosten in Entwicklung, Energie und Material, was die Marge schnell erodieren lässt.

Hinzu kommt die Konkurrenz aus China, die mit hoher Geschwindigkeit und aggressiven Preisen in zentrale Segmente drängt. Außerdem setzen viele chinesische Anbieter stärker auf vertikal integrierte Strukturen, was Zuliefererketten unter Druck bringt. Dadurch werden Projekte, die nur knapp profitabel wären, schneller zum Risiko.

US-Zölle und Exportdruck verschärfen die Kalkulation

Zusätzlich belastet der Außenhandel, vor allem mit Blick auf die USA. Zuletzt kamen höhere US-Zölle auf Waren aus Deutschland als weiterer Faktor hinzu. Damit steigen Risiken bei exportlastigen Produkten, selbst wenn die Technologie grundsätzlich gefragt ist.

Für Zulieferer wie ZF bedeutet das härtere Verhandlungen über Preise und Lieferumfänge. Zudem werden Programme stärker nach Regionen getrennt geplant, um Zollkosten und Logistikrisiken zu senken. Deshalb wächst die Bedeutung von Standardisierung, weil sie Kosten pro Einheit drückt.


Sparprogramm bis 2028: 14.000 Stellen weniger als Teil der Neuausrichtung

ZF verbindet den Projektstopp mit einem umfassenden Sparprogramm. Das Unternehmen will bis 2028 insgesamt 14.000 Stellen abbauen. Dadurch soll die Kostenbasis sinken, damit schwankende Nachfrage nicht sofort zu Ergebniseinbrüchen führt.

Der Konzern setzt damit ein klares Signal für Priorisierung. Gleichzeitig wird die Organisation auf weniger parallele Projekte ausgerichtet, während Ressourcen in profitablere Felder fließen. Somit wird die E-Mobilität nicht grundsätzlich aufgegeben, jedoch strenger nach Rendite und Skalierung bewertet.

Was der Kurswechsel für die E-Mobilität bei Zulieferern bedeutet

Der Fall ZF zeigt eine zentrale Realität der Transformation. E-Mobilität bleibt ein strategisches Feld, aber der Markt läuft langsamer als viele Planungen vorsahen. Daher gewinnen Projekte mit gesichertem Volumen und klarer Kostenkurve an Gewicht.

Für Hersteller und Zulieferer wird die Auswahl kleiner, aber zielgerichteter. Außerdem dürften neue Kooperationen stärker auf gemeinsame Plattformen und modulare Systeme setzen. Damit erhöht sich die Chance auf stabile Margen, auch wenn 2025 für ZF zunächst einen spürbaren Dämpfer bringt.

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