Nach Dezember-Schock – Destatis veröffentlicht keine vorläufigen Insolvenzzahlen mehr

Das statistische Bundesamt (Destatis) stellt die Veröffentlichung der vorläufigen Insolvenzzahlen ein. Der schnelle Überblick verschwindet, die amtliche Gesamtsicht kommt deutlich später. Das erhöht die Unsicherheit in einer Phase, in der Insolvenzanträge, Unternehmensinsolvenzen und die Konjunktur besonders eng beobachtet werden (destatis: 12.01.26).


Was Destatis konkret streicht

Das Statistische Bundesamt stoppt die vorläufigen Monatswerte zu Regelinsolvenzen aus den Insolvenzbekanntmachungen der Amtsgerichte, weil Destatis diese Reihe nicht als voll amtlich belastbar einstuft. Die Insolvenzstatistik bleibt zwar erhalten, jedoch verliert der Markt ein kurzfristiges Signal. Viele Beobachter, wie Banken, müssen Trends nun später einordnen, denn die Veröffentlichung folgt künftig den endgültigen Daten.

Destatis stoppt Veröffentlichung der Vorab-Insolvenzzahlen - Deutschland verliert den schnellen Alarm, während Insolvenzzahlen steigen
Destatis stoppt Veröffentlichung der Vorab-Insolvenzzahlen – Deutschland verliert den schnellen Alarm, während Insolvenzzahlen steigen

Destatis hält an den finalen Ergebnissen fest, aber diese Daten erscheinen mit Verzögerung. Das verschiebt die Debatte, während sich das Tagesgeschäft oft nach Wochen und nicht nach Quartalen richtet. Auch die Kommunikation wird härter, denn ohne schnelle Insolvenzzahlen dominieren Schätzungen und Einzelfälle.

„Experimentelle Daten“ als Qualitätsargument

In der Begründung verweist das Amt auf Methodik und es nutzt dafür klare Formulierungen. Die vorläufigen Monatsangaben hätten „noch nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken“ und zählten „daher zu den experimentellen Daten“. Das klingt nach Qualitätssicherung, zugleich wirkt der Schnitt in einer fragilen Wirtschaftslage wie ein Risiko für Transparenz.

Gerade die Konjunktur reagiert empfindlich auf Signale, denn Kreditlinien, Zahlungsziele und Auftragsvergaben hängen an Erwartungen. Wenn amtliche Einordnungen später kommen, steigt der Druck auf private Frühindikatoren. Das kann die Stimmung zusätzlich belasten, weil Unsicherheit selten neutral bleibt.

Zeitversatz bei Insolvenzanträgen wächst

Insolvenzanträge erscheinen statistisch erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts, weshalb die amtliche Erfassung ohnehin Zeit benötigt. Fällt die Vorabmeldung weg, wird der Abstand größer zwischen dem Zeitpunkt, an dem Insolvenzen tatsächlich passieren und dem Zeitpunkt, an dem die Zahlen öffentlich erscheinen. Viele Unternehmen orientieren sich dann an Insolvenzanmeldungen aus ihrem Umfeld, obwohl diese nur Ausschnitte zeigen.

Das Problem verschärft sich, wenn Lieferketten reagieren, bevor Zahlen nachziehen. Banken und Versicherer kalkulieren Risiken fortlaufend, daher kann ein fehlender Monatsimpuls zu vorsichtigeren Annahmen führen. Die Folge sind strengere Bedingungen, während Betriebe eigentlich Planungssicherheit brauchen.

Dezember 2025 liefert den letzten schnellen Impuls

Der letzte vorläufige Monat setzt einen harten Akzent, denn Destatis meldete für Dezember 2025 ein Plus von 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Diese Zahl bleibt als Referenz stehen, obwohl danach keine neuen Vorabwerte folgen. Für die Konjunktur ist das heikel, weil negative Schlagzeilen oft länger wirken als eine spätere Korrektur.

Zugleich zwingt der Stopp dazu, Unternehmensinsolvenzen stärker über spätere Enddaten zu bewerten. Das verändert den öffentlichen Takt, denn zwischen Insolvenzanträgen und veröffentlichten Summen liegt künftig mehr Zeit. Damit steigt die Gefahr, dass Diskussionen ohne frische Insolvenzstatistik auskommen müssen.


Endwerte zeigen Struktur statt Tempo

Für Oktober 2025 liegen endgültige Daten vor, und sie zeichnen ein differenziertes Bild. Die Amtsgerichte registrierten 2.108 Unternehmensinsolvenzen, das entspricht einem Plus von 4,8 Prozent gegenüber Oktober 2024. Gleichzeitig beziffert Destatis die Forderungen der Gläubiger auf rund 2,6 Milliarden Euro, während es im Vorjahr etwa 3,8 Milliarden Euro waren.

Die sinkende Summe trotz mehr Insolvenzanträge deutet auf andere Fallgrößen hin, daher lohnt der Blick hinter die Kulissen. Große Insolvenzen verzerren Forderungssummen schnell, während viele kleinere Fälle vor allem Liquidität im Mittelstand treffen. Auch hier helfen frühe Insolvenzzahlen, weil sie Richtung geben, bevor Details verfügbar sind.

Branchenrisiken und Stimmung im Land

Im Oktober 2025 lag die Insolvenzhäufigkeit bei 6,1 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen, wobei Verkehr und Logistik deutlich heraussticht. Das Gastgewerbe folgt und auch das Baugewerbe bleibt auffällig. Solche Muster erhöhen die Nervosität, denn Firmenpleiten verbreiten sich über Aufträge, Personal und Finanzierung.

Wenn die Wirtschaftslage schwach bleibt, reagieren Betriebe mit Sparprogrammen und Verschiebungen. Das dämpft die Konjunktur weiter, während neue Insolvenzanträge schneller entstehen können. Genau deshalb wirkt der Wegfall der Vorabwerte wie ein Rückschritt, weil Destatis die öffentliche Orientierung verlangsamt.

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