Christoph Ahlhaus, Vorsitzender des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und CDU-Mitglied, hat Kanzler Friedrich Merz einen Brandbrief geschrieben. In dem Schreiben steht wörtlich „blankes Entsetzen“ über die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Ahlhaus macht damit öffentlich klar, dass der Mittelstand Merz’ Wirtschaftspolitik als gefährlich für Betriebe bewertet (focus: 07.02.26).
Entsetzen über Merz’ Kurs: Der Mittelstand verliert die Geduld
Ahlhaus erinnert daran, dass viele Unternehmer „mit viel Hoffnung“ auf das Ende der Ampel-Regierung geschaut hätten. Außerdem hätten sie auf die „von Merz angekündigte Wirtschaftswende“ gesetzt. Doch die Erwartung sei aus Sicht des Verbands zerbrochen, weil die Lage sich nicht verbessert habe.

In seinem Brief wird Ahlhaus besonders deutlich, denn er setzt einen knallharten Zeitstempel. Er schreibt an Merz: „Nicht einmal neun Monate nach Ihrer Wahl zum Bundeskanzler ist diese Euphorie dem blanken Entsetzen über die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gewichen.“ Damit rückt er Merz nicht in die Rolle des Retters, sondern in die Rolle des Verantwortlichen.
Umfrage-Werte als Misstrauensvotum gegen den Kanzler
Ahlhaus stützt die Attacke auf eine Verbandsumfrage unter 1200 Unternehmen. 64 Prozent gaben an, dass sie nicht mehr daran glauben würden, „dass die angekündigte Wirtschaftswende gelingen werde“. Damit wird Merz’ zentrales Versprechen für viele Betriebe zur leeren Formel.
Noch härter fällt der zweite Wert aus, weil er direkt auf Merz’ Regierungsstil zielt. 79 Prozent erkennen laut Umfrage „nicht einmal mehr ein ‘engagiertes Bemühen’ der Bundesregierung“, Probleme des Mittelstands anzugehen. Ahlhaus schreibt dazu, solche Zahlen „habe man noch nie gemessen“, und das ist ein Entsetzen mit Ansage.
Im Brief greift Ahlhaus auch die politische Show an, weil er Ergebnisse vermisst. Er kritisiert „PR-Gipfel und Placebo-Diskssionsrunden“ und verlangt Entscheidungen, die Betriebe entlasten. Merz müsse seine „Richtlinienkompetenz für dringend notwendige Reformen“ nutzen, und zwar sichtbar im Alltag der Firmen.
ZDF-Auftritt: Loyalitätsformel, aber maximaler Druck
Am Freitag sitzt Ahlhaus im „heute journal“, und dabei wirkt er kontrolliert. „Ich stehe sehr loyal zu dieser Bundesregierung und zum Bundeskanzler“, sagt er, weil es „keine Alternative zum Erfolg dieser Bundesregierung“ gebe. Dennoch begründet er den Brandbrief mit einem Satz, der wie ein politischer Stoß wirkt: „Unter loyalen Freunden muss man auch manchmal ein bisschen schubsen.“
Ahlhaus behauptet, dass die bisherigen Maßnahmen vor allem der Industrie helfen. Für den Mittelstand geschehe „viel zu wenig und viel zu langsam“, sagt er, und damit stellt er Merz’ Prioritäten offen in Frage. Außerdem kündigt er an, weiter „den Finger in die Wunde legen“ zu wollen, damit der Druck nicht verpufft.
Connemann im Visier, VDA kontert scharf
Besonders brisant ist die Passage über Gitta Connemann, die Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand. Ahlhaus schreibt: „Zu Gitta Connemann hat der deutsche Mittelstand … weder ein Mindestmaß an Vertrauen noch ein Rest an Kompetenzvermutung.“ Gleichzeitig fordert er Merz auf, „diese personelle Besetzung kritisch hinterfragen“, weil er die Schnittstelle als blockiert darstellt.
Connemann stand zuletzt im Rampenlicht, als ihre Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Abschaffung der sogenannten „Lifestyle-Teilzeit“ forderte. Doch Ahlhaus zeigt, dass Symboldebatten für ihn nicht reichen, weil Betriebe konkrete Entlastung erwarten. Im ZDF sagt er deshalb auch: „aber es muss jetzt mal losgehen.“
Die VDA-Präsidentin Hildegard Müller reagiert „sehr verwundert“, und sie stellt sich klar hinter Connemann. Der VDA nehme sie „als engagierte und stets an den Herausforderungen des Mittelstandes interessierte Politikerin wahr“. Außerdem heißt es, sie gehöre „mit hoher Kompetenz und positiver Streitbarkeit“ zu den stärksten Vertretern der Bundesregierung und sei eine „wichtige, zuverlässige und vor allem kompetente Ansprechpartnerin.“
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