Milliardenloch bei der Pflegeversicherung – jetzt tritt ein wovor Kritiker vor der Einführung warnten

Die Pflegeversicherung erreicht eine kritische Schwelle, weil die Ausgaben schneller wachsen als die Finanzierungsbasis. Der durchschnittliche Eigenanteil im Heim liegt bereits bei über 3000 Euro im Monat und zugleich häufen die Kassen Defizite an. Damit tritt genau das Szenario ein, vor dem Kritiker schon vor 1995 warnten: Ein Teilleistungssystem gerät unter demografischem Druck in eine Kostendynamik, die politisch kaum noch geräuschlos zu bremsen ist (nzz: 02.01.26).


Pflegeversicherung: Warnungen vor 1995 werden Realität

Schon vor dem Start 1995 beschrieben Kritiker eine klare Kettenreaktion, weil ein Teilleistungssystem die Vollkosten nie abdeckt. Sie erwarteten steigende Eigenanteil-Lasten, sobald Löhne, Preise und Pflegebedarf wachsen. Zudem warnten sie vor dem demografischen Effekt, denn immer mehr Leistungsempfänger treffen auf relativ weniger Beitragszahler. Was damals wie Theorie klang, wirkt heute wie eine Gebrauchsanleitung für die Gegenwart. Die Pflegekasse bezahlt, aber die Rechnung bleibt trotzdem oft bei den Betroffenen.

Milliardenloch bei der Pflegeversicherung – Zuzahlungen steigen auf über 3000 Euro - Regierung kann sich nicht über Reform einigen
Milliardenloch bei der Pflegeversicherung – Zuzahlungen steigen auf über 3000 Euro – Regierung kann sich nicht über Reform einigen

Die Zahlen liefern den Beleg, während die Politik noch um Leitplanken ringt. Rund 5,7 Millionen Menschen benötigen bereits Pflege, und bis 2035 sollen es mehr als 6,3 Millionen sein. Dadurch steigt der Finanzdruck, außerdem vergrößert sich der Abstand zwischen Pauschalen und realen Kosten. Kassen melden Defizite, und der Bund musste bereits eingreifen. Das geschieht nicht aus Komfort, sondern aus Notwendigkeit, denn ohne Liquidität stoppt die Auszahlung von Leistungen.

Eigenanteil und Prävention: Wo die Belastung entsteht

Der Eigenanteil trifft Haushalte direkt, weil er Monat für Monat fällig wird. Viele Familien finanzieren die Zuzahlung aus Erspartem und die Rücklagen schrumpfen schnell. Gleichzeitig erhöhen steigende Heimkosten die Lücke, obwohl die Absicherung formell besteht. Diese Dynamik befeuert auch den politischen Konflikt, denn jede Begrenzung des Eigenanteil verschiebt die Last auf Beitragszahler oder den Staat. Prävention könnte das System entlasten, jedoch wirkt sie nur, wenn sie früh beginnt und verlässlich verfügbar ist. Vorbeugung bleibt in vielen Regionen zu schwach, sodass vermeidbare Verschlechterungen häufiger in teure Pflege münden.

In der Koalition prallen Konzepte aufeinander, während die Zeit bis 2027 knapper wird. Die SPD will den Eigenanteil begrenzen, doch die Union hält einen Deckel ohne Gegenfinanzierung für nicht tragfähig. Zugleich steigt der Erwartungsdruck, weil die Pflegereform im Koalitionsvertrag als tiefgreifend angekündigt ist. In der Praxis fehlt aber ein gemeinsames Modell und damit fehlt die Planungssicherheit sowohl für die Kassen, als auch für die Pflegeeinrichtungen und Familien. Das treibt die Debatte in eine harte Verteilungsfrage, denn irgendjemand muss die Lücke schließen.


Pflegereform und Darlehen: Politik kauft Zeit

Der Bund nutzt Darlehen, um akute Finanzlöcher zu schließen, damit Beitragssprünge nicht sofort folgen. Nach 0,5 Milliarden Euro im Vorjahr sollen 2026 weitere 3,2 Milliarden Euro fließen. Damit überbrückt der Staat die nächste Etappe, jedoch ersetzt dieses Instrument keine strukturelle Lösung. Ein Kredit verschiebt das Problem in die Zukunft, und die Zukunft rückt schneller näher als die Reform. Genau deshalb wirkt die Pflegeversicherung heute wie ein System, das sich gegen die eigene Statik stemmen muss.

Eine tragfähige Pflegereform braucht deshalb mehr als eine Problemanalyse, weil die Kostendynamik sonst weiterläuft. Die Politik muss Leistungen genauer am Bedarf ausrichten und sie muss Prävention so ausbauen, dass sie messbar Pflegefälle verzögert. Gleichzeitig braucht es eine Finanzierungsarchitektur, die breiter trägt, damit die Pflegeversicherung nicht dauerhaft auf Darlehen angewiesen bleibt. Das erfordert ein Reformpaket, das Einnahmen stabilisiert und den Eigenanteil begrenzt, ohne neue Ungerechtigkeiten zu schaffen. Gelingt das nicht, dann setzt sich fort, wovor Kritiker bereits vor 1995 eindringlich warnten: Die Kostenexplosion frisst die Reserven und am Ende zahlen Betroffene über immer höhere Zuzahlung.

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