Mercedes entzieht Rastatt ein Volumenmodell und verlagert Produktion der A-Klasse nach Ungarn

Mercedes verlagert die A-Klasse ab dem zweiten Quartal 2026 nach Kecskemét in Ungarn und damit verliert der Standort Rastatt ein wichtiges Volumenmodell. Der Konzern spricht von notwendigen Flächen, doch die Produktion wandert ins Ausland, während Arbeitsplätze in Deutschland zumindest indirekt unter neuen Druck geraten (reuters: 06.01.26).


A-Klasse und Standortpolitik – warum der Schritt mehr ist als ein Werktausch

Mercedes begründet den Wechsel mit dem geplanten Modellanlauf in Rastatt, denn dort sollen neue Baureihen schneller starten. „Durch die Entscheidung, die A-Klasse ab dem zweiten Quartal 2026 am Standort Kecskemét zu produzieren, schaffen wir die nötigen räumlichen Voraussetzungen für den Anlauf der geplanten Modelle im Werk Rastatt“, sagte ein Sprecher. Das Zitat wirkt eindeutig, jedoch bleibt offen, welche Modelle konkret kommen und wie stabil deren Auslastung wirklich wird.

Mercedes verlagert Produktion der A-Klasse nach Kecskemét in Ungarn - ein Einschnitt in Deutschlands industrielle Wertschöpfung
Mercedes verlagert Produktion der A-Klasse nach Kecskemét in Ungarn – ein Einschnitt in Deutschlands industrielle Wertschöpfung

Für die A-Klasse ist Kecskemét attraktiv, weil das Werk in Ungarn effizienter produziert und die Kalkulation meist günstiger ausfällt. Mercedes gewinnt so Spielraum in der Produktion, während Rastatt den Umbau schultern muss. Diese Logik folgt dem Controlling, doch sie schwächt den Standortgedanken, weil ein Kompaktwagen nicht mehr dort entsteht, wo über Jahre Know-how und Zuliefernetz gewachsen sind.

Produktion wird verschoben, Risiken bleiben in Deutschland

Ein Volumenmodell stabilisiert Takt, Schichten und Zulieferabrufe und genau diese Stabilität verliert der Standort Rastatt mit der Verlagerung. Die Produktion wird dadurch abhängiger von Hochläufen, obwohl Hochläufe erfahrungsgemäß fehleranfällig sind. Zudem bindet ein Umbau Kapital und Aufmerksamkeit, sodass operative Reibung schneller in Stückzahlen und Qualität durchschlägt.

Mercedes betont zwar die Flexibilität des Netzwerks, trotzdem entsteht ein strategischer Zielkonflikt. Wenn die Fertigung nach Kecskemét geht, dann steigt die Komplexität in Transport und Koordination, während Rastatt parallel neue Linien hochzieht. Das senkt nicht automatisch Kosten, denn Störungen in Logistik und Materialfluss können die Rechnung drehen.


Arbeitsplätze im Fokus: Kein Abbau angekündigt, aber neue Unsicherheit

Mercedes kündigt keinen direkten Schnitt bei Arbeitsplätze an, dennoch verändert der Schritt die Dynamik im Werk. Ohne die A-Klasse muss Rastatt schneller beweisen, dass neue Modelle pünktlich und profitabel laufen, weil sonst Auslastungslücken entstehen. Damit wächst der Druck auf Teams und Dienstleister, auch wenn die Belegschaft offiziell bleibt.

Für Arbeitsplätze zählt am Ende die Auslastung und Auslastung hängt an Nachfrage und Modellmix. Wenn Mercedes künftige Einstiegsmodelle anders positioniert, dann kann der Standortwettbewerb härter werden, während die Diskussion um Jobs schnell politisch auflädt. Gleichzeitig wirkt die Verlagerung als Signal an Zulieferer, denn sie müssen Prozesse an Kecskemét anpassen oder Aufträge verlieren.

Fazit: Kecskemét gewinnt, Rastatt muss liefern

Mercedes erreicht mit Kecskemét kurzfristig Planungssicherheit für die A-Klasse, und zugleich schafft der Konzern Platz in Rastatt. Der Preis bleibt jedoch sichtbar, weil Wertschöpfung und Volumen aus Deutschland abfließen, obwohl gerade Volumen die industrielle Basis stützt. Entscheidend wird daher, ob Mercedes die neuen Projekte in Rastatt konkretisiert und ob die Produktion dort dauerhaft stabil läuft, sodass Arbeitsplätze nicht über Umwege ausgedünnt werden.

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