Mannheim will das Gasnetz stilllegen – erste Großstadt setzt auf einen radikalen Kurs bis 2035

In Mannheim soll das Gasnetz schrittweise verschwinden, und das trifft laut Berichten rund 25.000 Haushalte. Viele müssen entscheiden, ob Fernwärme verfügbar ist oder ob eine Wärmepumpe praktikabel bleibt, denn ein später Umstieg kann teuer werden. Der CO₂-Preis verteuert Gas zusätzlich, und damit kippen Wirtschaftlichkeitsrechnungen schneller als viele Eigentümer erwarten (zeit: 30.12.25).


Mannheim riskiert Vertrauen, weil der Plan schneller ist als die Absicherung

Mannheim präsentiert sich als Vorreiter, aber die Stadt hat den Kurs lange nur als „Zielkorridor“ kommuniziert und zugleich Erwartungen geweckt. Viele Bürger investierten erst in Gas, und danach hörten sie von 2035 als Ausstiegsmarke. Das erzeugte Wut, weil Planungssicherheit im Heizungskeller zählt und nicht im Rathaus.

Mannheim plant die Stilllegung des Gasnetzes bis 2035 - Risiken, Kosten und Alternativen für rund 25.000 betroffene Haushalte
Mannheim plant die Stilllegung des Gasnetzes bis 2035 – Risiken, Kosten und Alternativen für rund 25.000 betroffene Haushalte

Die Quadratestadt verweist gern auf Klimaziele, aber sie muss auch erklären, wer die Übergangskosten trägt. Technikvorstand Hansjörg Roll sagt: „Wie schnell wir wirklich aus dem Gas aussteigen, entscheiden die Kunden“, und das klingt nach Wahlfreiheit. In der Praxis entsteht jedoch ein Sog, weil steigende Netzentgelte und der CO₂-Preis das Verbleiben im Gasnetz finanziell unattraktiver machen.

25.000 Haushalte als Zahl, aber keine saubere Antwort zur sozialen Härte

Die Stadt benennt die Richtung, aber sie liefert vielen Eigentümern noch keine belastbare Kostenperspektive. Wer in einem unsanierten Haus wohnt, braucht oft erst Maßnahmen an Gebäudehülle oder Heizsystem, und das kostet Zeit sowie Geld. Gerade ältere Eigentümer verlieren den Überblick, obwohl sie schnelle Entscheidungen treffen sollen.

MVV rechnet offen vor, wie der Rückzug wirkt, und Roll warnt: „Und den Letzten beißen die Hunde!“ Das Problem trifft nicht den Betreiber zuerst, sondern die Restkunden, weil sie die Netzkosten des Gasnetzes tragen. Wenn Mannheim die Stilllegung will, dann braucht es mehr als Appelle, und es braucht klare Schutzmechanismen für Härtefälle.

Fernwärme als Lösung, aber nicht als Versprechen für alle

Der Wärmeplan setzt stark auf Fernwärme, und das wirkt in dicht bebauten Gebieten plausibel. Trotzdem bleibt die Abdeckung begrenzt, und in vielen Außenlagen fehlt eine Netzzusage. Die Stadt koppelt Ausbau zudem an Quoten, und damit hängt der Anschluss oft von Nachbarn ab.

Zwar spricht Mannheim von Ausbau, aber die Geschwindigkeit entscheidet über Akzeptanz. Wenn Fernwärme spät kommt, wählen Haushalte Zwischenlösungen, und diese kosten doppelt. Auch hier wirkt der CO₂-Preis, weil Gas in der Übergangsphase teurer läuft, während die endgültige Alternative noch fehlt.


Wärmepumpe als Standard, obwohl Netze und Gebäude nicht überall mitspielen

Außerhalb der Ausbauzonen landet die Debatte schnell bei der Wärmepumpe, und das klingt einfacher als es ist. In manchen Straßen reicht die elektrische Leistung noch nicht, und einzelne Häuser brauchen zusätzliche Sanierung. Die Stadt muss diese Realität offensiver benennen, weil sonst Frust entsteht und Investitionen ins Leere laufen.

Zudem bleibt der Rechtsrahmen für Stilllegungen in Teilen offen, und das ist politisch riskant. Roll betont zwar: „Wir haben eine Versorgungsverpflichtung, der kommen wir auch nach“, aber parallel will Mannheim das Gasnetz zurückbauen. Ohne klare Regeln zur Abwicklung kann das Erdgasnetz zum Streitfall werden, und dann verlieren alle Beteiligten Zeit.

Was Eigentümer jetzt prüfen sollten, bevor Mannheim Fakten schafft

Eigentümer sollten zuerst klären, ob Fernwärme oder Nahwärme in ihrem Gebiet realistisch ist, und zwar mit konkreten Terminen. Wenn das Netz nicht kommt, sollten sie die Wärmepumpe technisch prüfen, und dabei auch Stromanschluss und Platzbedarf bewerten.

Gleichzeitig sollten Haushalte die Kostenentwicklung ehrlich rechnen, denn der CO₂-Preis wirkt Jahr für Jahr. Die CO2-Abgabe verteuert fossiles Heizen, und sie kann eine vermeintlich günstige Übergangslösung schnell drehen. Mannheim kann diesen radikalen Kurs nur verantworten, wenn die Stadt schneller erklärt, schneller ausbaut und soziale Brüche aktiv verhindert.

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