Mainzer Solar-Slapstick: Prestigeprojekt für Solarstrom bleibt ohne Anschluss

In Mainz-Mombach steht seit März 2025 ein einstiges Prestigeprojekt für nachhaltige Sportstätten ohne nutzbaren Stromanschluss. Auf dem Dach der neuen Tribüne installierte die Stadt Photovoltaikmodule mit 60 Kilowatt-Peak Leistung. Laut Planung könnten sie jährlich rund 55.000 Kilowattstunden Solarstrom bereitstellen. Allerdings fehlt dafür bis heute der vorgesehene Verbraucher beziehungsweise eine wirtschaftlich vertretbare Netzanbindung. Das geplante Multifunktionsgebäude als Stromabnehmer wurde nach dem Abstieg des TSV Schott Mainz nicht gebaut. Für einen nachträglichen Netzanschluss stehen nun rund 82.000 Euro im Raum.


Solarstrom sollte das Mainzer Prestigeprojekt komplettieren

Die neue Tribüne entstand ursprünglich wegen der Anforderungen des höherklassigen Spielbetriebs. Rund 200 Zuschauer finden darunter wettergeschützte Sitzplätze. Zugleich sollte die Konstruktion mehr sein als ein gewöhnliches Tribünendach. Die integrierte Photovoltaik machte das Projekt zum öffentlich präsentierten Beispiel für nachhaltige Sportstätten. In Berichten war sogar von einem Referenzprojekt mit Vorbildcharakter für Rheinland-Pfalz die Rede.

Mainz feierte das Solardach der Sporttribüne in Mombach als Prestigeprojekt. Doch ohne Anschluss bleibt der mögliche Solarstrom ungenutzt
Bild: Ausschnitt YouTube

Das energetische Konzept hatte jedoch eine entscheidende Voraussetzung. Hinter der Tribüne sollte ein Multifunktionsgebäude entstehen, das den Solarstrom vor Ort verbraucht. Nach dem sportlichen Abstieg entfiel allerdings der Bedarf für diesen zusätzlichen Bau. Damit verschwand genau jener Verbraucher, auf den die Stromnutzung zugeschnitten war. Das Prestigeprojekt war fertig, nur sein Energiekonzept hatte plötzlich keinen Abnehmer mehr.

Solarstrom bleibt ohne geschlossenen Stromkreis nur Potenzial

Photovoltaikmodule können unter Sonneneinstrahlung eine elektrische Spannung bereitstellen. Nutzbarer Strom fließt jedoch erst über einen geschlossenen elektrischen Pfad zu einem Verbraucher oder ins Netz. Genau diese Verbindung fehlt in Mombach. Deshalb sind die rund 55.000 Kilowattstunden kein tatsächlich abgegebener Jahresertrag, sondern ein rechnerisches Ertragspotenzial. Auch ambitionierte Klimapolitik kann die Elektrotechnik schließlich nicht per Beschluss außer Kraft setzen.

Ein nachträglicher Netzanschluss wäre technisch möglich, jedoch wirtschaftlich wenig attraktiv. Nach Angaben der Stadt würde die Anbindung rund 82.000 Euro kosten. Dem stünden höchstens etwa 5.000 Euro mögliche Einspeiseerlöse pro Jahr gegenüber. Deshalb hält die Verwaltung den Anschluss derzeit für wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die Reihenfolge ist bemerkenswert: Erst entstand die Solaranlage, dann verschwand ihr geplanter Verbraucher und schließlich erwies sich der Ersatzweg als zu teuer.


Vom Vorzeigeprojekt zum kommunalen Planungslehrstück

Auch bei den veröffentlichten Baukosten ergibt sich kein völlig klares Bild. Bei der Vorstellung der Tribüne im März 2025 war von rund 480.000 Euro städtischer Investitionen die Rede. Neuere Berichte nennen dagegen rund 550.000 Euro. Allerdings lässt sich die Differenz von etwa 70.000 Euro aus den öffentlich zugänglichen Angaben nicht eindeutig nachvollziehen. Für den Netzanschluss würden darüber hinaus nochmals rund 82.000 Euro benötigt.

Währenddessen will Mainz seine kommunale Photovoltaikleistung weiter deutlich ausbauen. Langfristig strebt die Stadt rund 10,4 Megawatt erneuerbare Erzeugungsleistung an. Außerdem sollen jährlich mindestens 1.000 Kilowatt-Peak zusätzliche Leistung entstehen. Das bestehende Prestigeprojekt in Mombach zeigt jedoch, dass installierte Module allein noch keinen nutzbaren Solarstrom ergeben. Dazu braucht es Verbraucher, Anschluss und eine Planung, die auch nach Änderungen noch funktioniert. Die Tribüne erfüllt immerhin zuverlässig ihre klassische Aufgabe: Sie hält Regen von den Zuschauern fern.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: BYC News (08.08.26)Merkurist (27.07.26)NDR (26.07.26)

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