Mahle-Chef schlägt Alarm: EU-Verbrenner-Politik gefährdet Jobs – „E-Auto-Förderung“ verpufft

Der Mahle-Chef Arnd Franz kritisiert im WELT-Interview die EU-Linie zum Verbrenner-Aus ab 2035. Anlass ist ein Brüsseler Vorschlag mit Spielräumen für Hybride und Range Extender, der jedoch aus seiner Sicht keine klare Richtung setzt. Mahle sitzt dabei als Zulieferer aus Stuttgart im Kern der Umstellung, weil viele Produkte am Verbrenner hängen. Franz sieht ein hohes Risiko für Jobs, da Elektrifizierung weniger Personal bindet und der Markt zugleich schrumpft. Die Folgen nennt er konkret: Der Umsatz des Unternehmens sank von 11,7 auf rund 11,3 Milliarden Euro, außerdem strich Mahle in zwölf Monaten weltweit etwa 3500 Stellen, davon rund 600 in Deutschland (welt:21.02.26).


Mahle-Chef fordert einfache Regeln und echte Technologieoffenheit

Franz weist den Brüsseler Ansatz zurück, weil er ihn als „kleinteilig, bürokratisch und schafft keine Klarheit“ beschreibt. Er verlangt klare Leitplanken, statt Unternehmen mit Detailregeln zu beschäftigen. Europa müsse Klimaziele erreichen, jedoch dürfe es nicht nur einen Antrieb bevorzugen. Sonst verliere der Standort im globalen Wettbewerb weiter Boden.

Mahle-Chef kritisiert EU-Verbrennerkurs bis 2035, warnt vor Jobverlusten und zweifelt an der neuen E-Auto-Förderung
Mahle-Chef kritisiert EU-Verbrennerkurs bis 2035, warnt vor Jobverlusten und zweifelt an der neuen E-Auto-Förderung

Für 2035 erwartet Franz keinen vollständigen Durchmarsch der Batterie, währenddessen verweist er auf Grenzen bei Markt und Infrastruktur. Reine Batterieautos erreichen aus seiner Sicht „nicht viel mehr als 50 Prozent Marktanteil“ in Europa. Den Rest sieht er vor allem bei Hybriden mit hohen elektrischen Fahranteilen. Ein starres Prozentziel birgt deshalb für ihn das Risiko, technisch oder beim Kunden zu scheitern.

Verbrenner nach 2035 – Mahle-Chef setzt auf CO₂-freie Kraftstoffe

Franz will reine Verbrenner nicht automatisch verbieten, jedoch knüpft er das an CO₂-Freiheit. Dafür müsse Europa Kraftstoffe „de-fossilisieren“ und Biokraftstoffe sowie synthetische Kraftstoffe schnell in den Markt bringen. Er sieht hier einen Hebel, weil das Tankstellennetz bereits existiert. Zusätzliche Investitionen bleiben nötig, zugleich könne der Gesamtverbrauch sinken, wenn der elektrische Anteil wächst.

Den Infrastruktur-Einwand dreht Franz um, weil er Tankstellen als Vorteil nennt. CO₂-neutrale Kraftstoffe könne man dort mit überschaubarem Aufwand anbieten. Als Beispiel führt er Brasilien an, währenddessen dort „rund 50 Prozent des Pkw-Verkehrs mit Ethanol klimafreundlich unterwegs“ seien. Für ihn zeigt das: Alternativen lassen sich skalieren, wenn Politik und Markt sie zulassen.

Schrumpfmarkt Europa, Wachstum Asien und neue Job-Grenzen

Franz begründet Mahles Kurs mit harten Marktdaten, deshalb investiere der Konzern in Europa nur begrenzt. Europas Fahrzeugmarkt schrumpfte zwischen 2018 und 2024 um ein Drittel. Mahle geht „schon gar nicht in Batteriezellen“, weil das Milliarden bindet. Wachstum sieht Franz in Asien, insbesondere in China, Indien, Korea und Japan.

In Europa sieht Mahle beim Umsatz zwar einen Sockel, jedoch rechnet Franz mit weiterem Druck auf Personal. Er warnt: Öffnet die Politik das Verbrennerverbot nicht stärker, kostet das „noch einmal massiv Arbeitsplätze“. Zwei Drittel der gut 28.000 Beschäftigten in Europa hängen laut ihm am Verbrennergeschäft. Der Mahle-Chef betont zugleich, dass neue Felder nicht jede Stelle auffangen, weil die Beschäftigungsintensität sinkt.


Förderung, Nachfrage und Politikdruck in Baden-Württemberg

Zur neuen E-Auto-Förderung sagt Franz: „Mich würde wundern, wenn das effektiv wäre.“ Den alten Umweltbonus hält er „jedenfalls nicht“ für wirksam, außerdem beobachte er im Handel Abwarten. „Sektkorken knallen da nicht“, sagt er, und er erwartet keinen schnellen Nachfrage-Schub. Mehr Nachfrage entstehe für ihn eher über mehr verfügbares Einkommen, also niedrigere Steuern und Abgaben.

Franz koppelt das an die Landeslage, währenddessen fordert er für Baden-Württemberg „einen Ruck.“ Das Land wachse seit Jahren kaum, und die Auto-Produktion sank seit 2019 um ein Viertel. Sie fiel von 830.000 auf 630.000 Fahrzeuge. Er verlangt ein Konzept für KI, Photonik, Verteidigung, Biotechnologie und Robotik, außerdem wünscht er sich mehr Wirtschaftskompetenz in Regierungen, sagt der Mahle-Chef.

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