Im Persischen Golf spitzt sich die LNG-Krise binnen weniger Tage zu. Die letzten vor den Angriffen ausgelaufenen Tanker aus der Golfregion sollen ihre Häfen in den nächsten zehn Tagen erreichen, während die Straße von Hormuz durch den Krieg faktisch blockiert ist und Katar seine LNG-Produktion bereits gestoppt hat. Das trifft einen Schlüsselanbieter des Weltmarkts, denn Katar steht für rund 20 Prozent des globalen LNG-Angebots, außerdem gehen mehr als 80 Prozent der katarischen Lieferungen nach Asien. Der entscheidende Risikofaktor liegt deshalb im physischen Ausfall von Mengen und nicht nur in höheren Preisen. Die Folgen reichen von ersten Engpässen über ausbleibende Ersatzlieferungen bis zu Stromrisiken und Produktionsproblemen in Industrie und Versorgung. (ft: 22.03.26)
Bangladesch und Pakistan melden erste Engpässe
Pakistan gehört zu den verwundbarsten Abnehmern in Asien. Reuters berichtete bereits Anfang März, dass Pakistan zusammen mit anderen Käufern in der Region nach Ersatzladungen sucht, weil der Krieg die Lieferungen aus Katar gestört hat. Inzwischen gilt das Land als besonders gefährdet, zudem verweisen aktuelle Berichte darauf, dass fast das gesamte pakistanische LNG im vergangenen Jahr aus Katar kam. Damit wird aus einer Marktstörung sehr schnell ein Versorgungsproblem (reuters: 03.03.26).

Bangladesch steckt ebenfalls schon tief in der Krise. Nach Reuters treffen Stromausfälle und Dieselknappheit bereits Fabriken, während die Regierung nur begrenzte Zusatzmengen organisieren konnte. Andere aktuelle Berichte melden außerdem, dass Universitäten früher schließen und vier von fünf staatlichen Düngemittelfabriken stillstehen, weil Gas in Kraftwerke umgeleitet wird. Das zeigt, wie rasch eine LNG-Knappheit nicht nur den Energiesektor, sondern auch Industrie und Alltag trifft. In beiden Ländern werden Engpässe damit längst im realen Betrieb sichtbar.
Taiwan hat nur wenige Tage Reserve, Japan setzt auf Atomkraft
Taiwan wirkt auf den ersten Blick besser vorbereitet, bleibt jedoch hochgradig abhängig. Nach Angaben des Atlantic Council deckte Taiwan 2025 rund 95 Prozent seines Energiebedarfs durch Importe, zudem kamen vor dem Krieg mehr als 38 Prozent seiner Gasversorgung aus dem Nahen Osten. Die Regierung hat zwar LNG-Lieferungen bis Ende April gesichert, doch die Insel verfügt nur über 11 Tage Gasreserven. Steigt der Strombedarf im Sommer stark an, drohen deshalb schwere Engpässe. Das hätte globale Wirkung, weil Taiwan für die internationale Halbleiterkette zentral ist (atlanticcouncil: 19.03.26).
Japan reagiert dagegen mit einer strukturellen Ausweichbewegung. Reuters meldete bereits im Januar den Neustart eines Reaktors im Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in Niigata, dem größten Atomkraftwerk der Welt. Zugleich suchen asiatische Käufer laut Reuters nach Ersatzladungen auf dem Spotmarkt, während der Wettbewerb um freie Mengen zunimmt. Japan verschafft sich damit etwas Luft, doch der Druck auf den regionalen LNG-Markt sinkt deshalb nur begrenzt.
Ras Laffan bleibt auf Jahre geschwächt
Die eigentliche Schwere der Krise liegt in Katar selbst. Reuters berichtet, dass iranische Angriffe 17 Prozent der katarischen LNG-Exportkapazität ausgeschaltet haben, weil zwei von 14 LNG-Zügen in Ras Laffan beschädigt wurden. Betroffen sind 12,8 Millionen Tonnen pro Jahr, außerdem rechnet Katar mit rund 20 Milliarden Dollar Umsatzverlust pro Jahr. Die Reparatur soll drei bis fünf Jahre dauern, während QatarEnergy bereits höhere Gewalt bei langfristigen Lieferverträgen erklärt hat. Damit endet die Krise nicht mit den letzten Tankern. Sie geht erst dann in ihre harte Phase über.
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