Der Discounter KiK fährt seinen Filialausbau zurück und schließt bis Ende 2026 europaweit rund 300 Filialen, während zugleich nur 75 neue Standorte hinzukommen. In Deutschland sinkt die Zahl der Filialen um 135 auf etwa 2.200, europaweit um 225 auf gut 4.000. Auslöser ist vor allem eine zu dichte Expansion mit teils weniger als einem Kilometer Abstand zwischen einzelnen Filialen, weshalb das Unternehmen sein Netz nun auf rentable Standorte konzentriert. Einige Schließungen sind bereits erfolgt, weitere folgen in den kommenden Monaten. Für die rund 32.000 Beschäftigten, davon 19.000 in Deutschland, sollen nach Angaben der Führung keine Kündigungen anstehen. Dennoch zeigt der Schritt, wie stark sich der Druck im stationären Handel durch die anhaltende Konsumflaute, hohe Preissensibilität und wachsende Konkurrenz verschärft hat (welt: 24.03.26).
KiK korrigiert seine frühere Expansionsstrategie
Der Discounter baut sein Filialnetz gezielt zurück, weil das bisherige Wachstum aufgrund der Konsumflaute nicht den erhofften Effekt gebracht hat. Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel sagte: «Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität». Zugleich räumte er ein, dass zusätzliche Filialen nicht automatisch zu entsprechend mehr Kundschaft geführt hätten.

Besonders problematisch war die hohe Dichte mancher Standorte. Teilweise lagen mehrere Filialen in kurzer Distanz zueinander, weshalb sich die Geschäfte gegenseitig Konkurrenz machten. Kümmel formulierte es so: «Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück.» Nach Unternehmensangaben arbeiten jedoch alle verbleibenden Filialen profitabel.
Viele Details bleiben offen
Eine vollständige Übersicht der betroffenen Standorte liegt bislang nicht vor. Außerdem sind offenbar zahlreiche Beschäftigte noch nicht über die konkreten Schließungen informiert worden. Das sorgt vor allem dort für Unsicherheit, wo Geschäfte bereits aufgegeben wurden oder die Schließung kurz bevorsteht.
Das Unternehmen kündigt dennoch an, Mitarbeiter aus betroffenen Läden möglichst in andere Filialen zu übernehmen oder anderweitige Lösungen zu finden. Kündigungen seien nicht vorgesehen. Gleichzeitig schließt KiK weitere Bereinigungen des Netzes in den kommenden Jahren nicht aus, weshalb die jetzige Runde nicht zwingend das Ende des Sparkurses sein muss.
Konkurrenzdruck und Konsumflaute belasten das Geschäft
Der Händler hatte bereits im September 2025 angekündigt, unrentable Standorte zu streichen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Schon zum Jahresende wurden erste Geschäfte geschlossen. Neu ist nun vor allem das Ausmaß der Korrektur, denn früher wurden zwar regelmäßig rund 100 Filialen pro Jahr aufgegeben, zugleich kamen jedoch meist mehr neue Standorte hinzu.
Am Geschäftsmodell hält das Unternehmen fest. Rund 60 Prozent des Sortiments entfallen auf Textilien, während der Rest aus Haushaltswaren, Deko und anderen Non-Food-Produkten besteht. Kümmel betont zwar: «Unsere loyale Kundschaft wächst.» Zugleich merkt KiK deutlich, dass viele Kunden Einkäufe verschieben, streichen oder stärker auf Preise achten. Dazu kommt der wachsende Wettbewerb mit Woolworth, NKD und Action sowie mit Plattformen wie Shein und Temu.
Filialabbau passt zum Trend im Einzelhandel
Der Rückzug des Discounters steht nicht isoliert, sondern passt in eine breitere Entwicklung im deutschen Handel. Während der Onlinehandel weiter Marktanteile gewinnt, leidet der stationäre Vertrieb unter schwacher Konsumstimmung und sinkender Kundenfrequenz. Deshalb dürfte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr auf unter 300.000 fallen. Ende 2015 lag sie noch bei rund 372.000.
Auch die wirtschaftliche Lage vieler Händler hat sich verschärft. Nach Angaben von Allianz Trade erreichte die Zahl der Insolvenzen in der Branche 2025 mit 2.571 Fällen den höchsten Stand seit zehn Jahren. Das 1994 gegründete Unternehmen ist in 14 europäischen Ländern vertreten und setzte 2024 rund 2,4 Milliarden Euro um. Zugleich ordnet der Konzern seine Führung neu, denn nach dem Abgang von Patrick Zahn soll Ulrich Hanfeld zum 1. Juni die Nachfolge antreten.
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