KI-Boom treibt Preise für Gasturbinen – knappe Verfügbarkeit gefährdet den Bau neuer Kraftwerke

Weltweit verschärft sich der Mangel an Gasturbinen, doch vor allem die explodierenden Preise belasten den Bau neuer Gaskraftwerke immer stärker. Ausgelöst wird diese Entwicklung durch den stark wachsenden Strombedarf von KI-Rechenzentren, zugleich steigt der Verbrauch in Industrie, Verkehr und Gebäuden. Der Markt ist dabei auf nur drei große Hersteller konzentriert: Siemens Energy, GE Vernova und Mitsubishi Heavy. Diese Dominanz verschärft den Engpass zusätzlich. Die Folge ist ein harter Wettbewerb um wenige verfügbare Turbinen, während Lieferzeiten teils über Jahre reichen. Besonders kritisch ist der Kostenschub: Neue GuD-Kraftwerke kosten heute pro Kilowatt ein Vielfaches früherer Werte, außerdem steigen auch die Preise für die Turbinen selbst massiv. Damit geraten selbst bereits geplante Projekte unter wirtschaftlichen Druck, während sich das Risiko von Verzögerungen, Projektabbrüchen und künftigen Stromengpässen erhöht (energycentral: 02.04.26).


Drei Konzerne kontrollieren den Engpass

Der Markt für große Gasturbinen ist extrem konzentriert. Siemens Energy, GE Vernova und Mitsubishi Heavy beherrschen den Großteil der weltweiten Produktion. Diese Technik ist hochkomplex, außerdem dauert die Fertigung viele Monate. Deshalb lässt sich die Kapazität nicht kurzfristig ausweiten. Gleichzeitig geraten auch Zulieferer an ihre Grenzen, während immer mehr Bestellungen eingehen.

Gasturbinen werden knapp, Preise steigen massiv: KI-Boom verteuert neue Kraftwerke und erhöht das Risiko für Stromengpässe
Gasturbinen werden knapp, Preise steigen massiv: KI-Boom verteuert neue Kraftwerke und erhöht das Risiko für Stromengpässe

Dadurch verschiebt sich das Machtverhältnis klar zugunsten der Hersteller. Wer heute ein Gaskraftwerk plant, muss sich sehr früh um einen Produktionsslot bemühen. In vielen Fällen reichen normale Bestellungen längst nicht mehr aus. Entwickler müssen Reservierungsgebühren zahlen, außerdem verlangen Hersteller teils hohe, nicht rückzahlbare Anzahlungen. Der Engpass ist damit nicht nur ein technisches Problem, sondern längst ein Kosten- und Beschaffungsrisiko.

Preise steigen viel schneller als erwartet

Besonders brisant ist der drastische Preisanstieg. Neue GuD-Kraftwerke kosteten vor wenigen Jahren noch deutlich weniger, inzwischen liegen die Baukosten pro Kilowatt um ein Vielfaches höher. Auch die Turbinen selbst werden spürbar teurer. Für Projektentwickler wird das zur zentralen Belastung, weil sich viele Vorhaben mit älteren Kalkulationen kaum noch wirtschaftlich darstellen lassen.

Genau deshalb drohen Verzögerungen und Projektstopps. Wenn Baukosten steigen, geraten Finanzierungen unter Druck. Wenn gleichzeitig Lieferzeiten wachsen, verschieben sich auch Inbetriebnahmen. Beides zusammen macht neue Kraftwerke deutlich riskanter. Der Engpass trifft die Branche also doppelt: Es fehlen Turbinen, und die wenigen verfügbaren Anlagen kosten immer mehr.

KI-Rechenzentren verschärfen die Knappheit

Der stärkste neue Preistreiber kommt aus dem Bereich künstliche Intelligenz. Rechenzentren benötigen rund um die Uhr große Mengen Strom, deshalb setzen viele Betreiber auf verlässliche Kraftwerksleistung. Genau diese Nachfrage trifft auf einen ohnehin angespannten Markt. Vor allem in den USA sichern sich Tech-Konzerne und Versorger frühzeitig Kapazitäten, weil sie neue Projekte schnell ans Netz bringen wollen.

Das verschärft den globalen Verteilungskampf. Große und finanzstarke Abnehmer können hohe Gebühren eher zahlen und Produktionsfenster früher blockieren. Andere Länder geraten dadurch ins Hintertreffen. Besonders problematisch ist das für Staaten, die Kohlekraftwerke ersetzen wollen, dafür jedoch neue Gaskraftwerke als Übergang benötigen. Wenn Turbinen fehlen oder unbezahlbar werden, laufen alte Kohlemeiler länger weiter.


Für viele Länder wird der Mangel zum Energierysiko

Vor allem in Schwellenländern hat die Knappheit weitreichende Folgen. Dort wächst der Stromverbrauch oft stark, während zugleich neue Kraftwerkskapazitäten dringend gebraucht werden. Wenn Projekte wegen fehlender Turbinen verschoben werden, steigt das Risiko von Versorgungsproblemen. Gleichzeitig erschweren die gestiegenen Preise neue Investitionen. Für viele Betreiber wird damit schon die Beschaffung zur Hürde.

Der Engpass bei Gasturbinen entwickelt sich deshalb zu einem zentralen Problem der globalen Stromversorgung. Er bremst nicht nur den Bau neuer Gaskraftwerke, sondern treibt auch die Kosten nach oben und verschärft die Konkurrenz um verfügbare Technik. Solange die Produktion nicht deutlich schneller wächst, dürften höhere Preise, lange Wartezeiten und ein harter Kampf um Turbinen den Markt weiter prägen.

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