Novo Energy sollte für Volvo ab 2026 in Göteborg Batteriezellen produzieren und damit den Kernbaustein für die Traktionsbatterien künftiger Elektroautos liefern. Geplant war eine eigene Batteriefabrik, die zunächst die Werke in Göteborg und Gent versorgen und später auch für den Konzernverbund interessant werden sollte. Doch nach der Insolvenz von Northvolt fand Volvo keinen neuen Technologiepartner, deshalb legt der Autobauer das Projekt vorerst auf Eis und trennt sich von den letzten Beschäftigten (fokus: 15.01.26).
Batteriezellen: Warum Volvo ohne Partner nicht starten kann
Nach der Northvolt-Insolvenz übernahm Volvo das Unternehmen vollständig, jedoch blieb die entscheidende Technologiefrage ungelöst. Eine Batteriefabrik braucht eingespielte Prozessketten, stabile Zellchemie und eine belastbare Industrialisierung. Genau diese Kompetenz sollte ursprünglich Northvolt liefern, während Volvo den Standort und die Finanzierung absicherte. Ohne diesen Unterbau kann der Autobauer den Hochlauf nicht seriös verantworten.

Die Personalseite zeigt die Eskalation besonders deutlich, denn bereits im Mai 2025 strich Novo Energy 150 Stellen, als sich kein Partner abzeichnete. Jetzt entlässt Volvo auch die letzten 75 Beschäftigten, sodass das Projekt nur noch als Warteschleife existiert. Das Unternehmen betont: „Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen, ist jedoch angesichts der aktuellen Situation notwendig.“
Göteborg als Knotenpunkt: Kapazität, Lieferziele und Zeitplan
Die Planungen zielten auf industrielle Größenordnung, außerdem sollte der Standort die europäischen Werke stärker absichern. Nach Angaben des Portals Electrive sollte die Batteriefabrik ab 2026 bis zu 50 GWh pro Jahr liefern. Volvo wollte damit vor allem Göteborg und Gent versorgen, damit der Konzern weniger abhängig von externen Zelllieferanten bleibt. In der Praxis rückt dieser Zeitplan nun in weite Ferne, weil Batteriezellen nicht ohne erprobte Partnertechnologie aus der Serie kommen.
Auch die Konzernlogik spielte eine Rolle, denn die Kapazität war groß genug für mehr als eine Marke. Neben Volvo galt eine Belieferung weiterer Einheiten des Geely-Verbunds als Option, wodurch sich Skaleneffekte ergeben hätten. Diese Perspektive bleibt bestehen, aber sie hängt an einem Vertrag, den Volvo bislang nicht schließen konnte.
Northvolt, Geely und die regionale Dimension des Stopps
Volvo beschreibt die Partnersuche als intensiv, trotzdem blieb sie ohne Ergebnis. Das Unternehmen erklärte, man habe „im Laufe des letzten Jahres intensiv nach einem neuen Partner gesucht“. Für Northvolt als früheren Zellhersteller-Eckpfeiler entsteht damit ein sichtbarer Nachhall, weil dessen Ausfall nicht nur Zulieferketten trifft, sondern auch Industrieprojekte ausbremst. In der Folge bleibt die Batteriefabrik in Göteborg vorerst ein Rohbau der Strategie.
Die Gewerkschaft sieht wenig Anlass für Optimismus, denn mit jedem Monat ohne Partner sinkt die Chance auf einen sauberen Neustart. Katarina Atterström von der Schwedischen Ingenieursgewerkschaft sagte gegenüber SVT: „Wir hatten gehofft und darauf vertraut, dass die Angelegenheit geklärt wird, daher ist es wirklich traurig.“ Sie ergänzt: „Auch für Göteborg und Westschweden ist es ein Verlust, dass dieser Teil der Geschichte nun abgeschlossen ist.“
Für Volvo und den Konzern bleibt damit eine unbequeme Erkenntnis, denn Batteriezellen sind ein Schlüsselteil der Wertschöpfung, aber die Umsetzung verlangt mehr als Kapital. Selbst wenn Geely den strategischen Willen stützt, braucht Volvo ein Zellwerk mit Partner-DNA, sonst bleibt der Schritt zu eigenen Akkuzellen ein Versprechen ohne Produktionslinie.
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