Der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich schließt ein deutsches Werk und streicht hunderte Stellen. Hintergrund ist ein massiver Preisangriff asiatischer Anbieter auf dem Weltmarkt. Dennoch trifft es ausgerechnet eine Produktion, die als profitabel gilt (bild: 14.02.26).
Werk-Aus bis März 2027: Lüneburg verliert Fertigung, Stellen bleiben nur teilweise
Spätestens Ende März 2027 endet die Produktion im Werk Lüneburg. Dort verlieren 160 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, jedoch bleibt der Standort nicht völlig leer. Konstruktion und Verwaltung sollen mit 125 Stellen weiterlaufen.

Der Schnitt fällt größer aus, weil Jungheinrich nicht nur in Niedersachsen reduziert. „Rund 1000 Stellen werden weltweit abgebaut. Davon etwa die Hälfte in Deutschland“, so ein Sprecher. Am stärksten trifft es Lüneburg und Norderstedt, außerdem fallen Jobs in der Zentrale in Hamburg und in der Vertriebsorganisation weg.
Weltweiter Abbau bei Jungheinrich – Deutschland besonders stark betroffen
Die Kürzungen ziehen sich durch die gesamte Struktur des Konzerns. An den Werken Lüneburg und Norderstedt gehen jeweils Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich verloren, während Hamburg und der Vertrieb ebenfalls Federn lassen. „Die anderen rund 500 Stellen verteilen sich auf die 41 Auslandsorganisationen“, so der Sprecher.
Für die Beschäftigten in Lüneburg steht inzwischen ein Sozialplan, und damit endet zumindest das Ringen um die Absicherung. Abfindungen sind vereinbart, zudem soll eine Transfergesellschaft den Übergang in neue Jobs erleichtern. Ein Sprecher von Jungheinrich nennt die Einigung eine „sozialverträgliche Lösung“.
Sozialplan ja, Werk-Schließung nein – IG Metall greift die Strategie an
Jungheinrich verkauft den Abschluss zugleich als Etappe im Umbau. Der Abschluss sei „ein wichtiger Schritt“ im Transformationsprogramm. Trotzdem bleibt die Werksschließung der Kern des Konflikts.
Die IG Metall bewertet den Sozialplan als Ergebnis harter Verhandlungen, aber sie akzeptiert die Entscheidung nicht. „Wir sprechen bei Jungheinrich in Lüneburg nicht über einen Sanierungsfall, sondern über die Aufgabe einer profitablen Produktion“, sagte Lennard Aldag von der IG Metall Celle-Lüneburg. Damit steht im Raum, dass nicht Verluste den Ausschlag geben, sondern eine neue Konzernlogik.
Gewinnzahlen, Wachstumsziel und ein Streik mit klarer Botschaft
Die Geschäftszahlen liefern dem Streit zusätzlichen Zündstoff, weil Jungheinrich nicht als Krisenfall auftritt. 2024 erzielte die börsennotierte Jungheinrich AG einen Überschuss von 289 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 5,4 Milliarden Euro. Bis 2030 will das Unternehmen den Umsatz auf zehn Milliarden Euro steigern, trotzdem sinkt die Zahl der Jobs.
Die Belegschaft setzte bereits ein Zeichen, und zwar mit einem langen Arbeitskampf. Seit dem 20. November befanden sich die Produktionsbeschäftigten laut Gewerkschaft im unbefristeten Streik. Über 80 Tage stand die Fertigung immer wieder still, wodurch der Konflikt für Kunden und Lieferketten spürbar wurde.
Preisdruck aus China und eine Partnerschaft, die den Markt dreht
Der Auslöser liegt im Wettbewerb, denn viele Käufer schauen zuerst auf den Preis. Produkte chinesischer Anbieter sind technisch zwar nicht vergleichbar, aber deutlich günstiger. Im mittleren Einsatzsegment kosten Gabelstapler aus Asien nur etwa die Hälfte der Jungheinrich-Modelle, deshalb geraten selbst starke Marken unter Zugzwang.
Gleichzeitig geht Jungheinrich einen ungewöhnlichen Weg und holt die Billigschiene teilweise ins eigene Angebot. In einem Gemeinschaftsunternehmen mit EP vertreiben die Hanseaten seit Herbst in Europa Fahrzeuge des drittgrößten chinesischen Herstellers. Damit verschiebt sich der Fokus, während traditionelle Kapazitäten in Deutschland zurückgebaut werden.
Lesen Sie auch:
- Werksschließung in Lüneburg – Jungheinrich streicht 380 Stellen
- Deutschland verliert die Automobilindustrie – wenn Fertigung abwandert kommt sie nicht mehr zurück
- Mittelstand attackiert Kanzler Merz – „Blankes Entsetzen“ über die Wirtschaftspolitik
- Deutschlands gescheitertes Vorzeigeprojekt – vom Klimavorreiter direkt in die Wirtschaftskrise
