Europa könnte laut einer Studie von JP-Morgan ab dem 10. April in eine kritische Phase bei der Ölversorgung geraten, weil die Straße von Hormus faktisch blockiert ist und dadurch keine neuen Rohöllieferungen mehr aus dem Persischen Golf eintreffen würden. Nach Einschätzung der US-Großbank erreichen die letzten vor Beginn des Krieges im Nahen Osten verschifften Mengen bis zu diesem Datum ihr Ziel, danach droht ein Importstopp. Der Konflikt trifft jedoch nicht nur Europa, sondern auch große Teile Asiens, den Süden Afrikas und später Nordamerika. Besonders heikel ist die Lage, weil neben Rohöl auch Diesel, Kerosin und Naphtha betroffen sind. Das erhöht das Risiko für Störungen im Verkehr, in der Landwirtschaft, beim Heizen sowie im Flugverkehr, während Millionen Barrel bereits auf dem Weltmarkt fehlen (focus: 05.04.26).
Afrika und Asien laut JP-Morgan zuerst im Krisenmodus
Noch stärker als Europa leiden laut der Studie Asien und der Süden Afrikas unter den Folgen der Krise. In diesen Regionen sollen seit dem 1. April die meisten Lieferungen ausfallen, während der südliche Teil Afrikas schon seit dem 15. März mit sinkenden Importmengen zu kämpfen hat. Das verschärft die Lage, weil dort viele Staaten stark auf laufende Lieferketten angewiesen sind.

Besonders kritisch ist die Situation für China und Indien. Beide Länder beziehen rund 90 Prozent ihrer entsprechenden Exporte aus dem Persischen Golf, weshalb ein Ausfall der Route unmittelbare Folgen hätte. JP-Morgan sieht deshalb vor allem in Asien ein hohes Risiko für schnelle Versorgungslücken. Wenn dieser Zustrom ausbleibt, geraten Industrie, Energieversorgung und Transport rasch unter Druck.
Diesel, Kerosin und Naphtha werden zum Problem
Im Zentrum der Sorge steht vor allem Diesel. Rund ein Drittel der Importe dieses Treibstoffs stammt aus dem Nahen Osten, weshalb eine längere Blockade gravierende Folgen hätte. Transporte könnten teurer und schwieriger werden, während zugleich die Landwirtschaft und die Wärmeversorgung belastet würden.
Doch nicht nur Diesel ist betroffen. Auch bei Kerosin und Naphtha drohen Engpässe, was den Luftverkehr und die Chemieindustrie direkt trifft. Schon jetzt fehlen weltweit Millionen Barrel auf dem Markt, weshalb die Versorgungslage spürbar angespannter wird. Hält die Krise länger an, rechnet JP-Morgan zudem mit mehr Flugausfällen und zusätzlichen Problemen in der Industrie.
Nordamerika spürt die Folgen später, Verbraucher sollen sparen
Die Studie sieht zudem auch für Nordamerika eine direkte Belastung. Dort könnten die Auswirkungen ab dem 15. April in voller Stärke sichtbar werden, wenn die meisten Lieferungen ausfallen. Das zeigt, dass die Störung an einer einzigen Schlüsselroute globale Folgen auslösen kann.
Viele Staaten haben bereits Sparmaßnahmen beschlossen, um den Verbrauch zu senken und Reserven zu strecken. Zugleich können auch Verbraucher ihren Kraftstoffbedarf senken, wenn sie einfache Regeln beachten. Dazu zählen korrekter Reifendruck, mäßige Geschwindigkeit und eine ruhige, vorausschauende Fahrweise. Laut ADAC lassen sich so bis zu 20 Prozent Kraftstoff sparen.
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