Jetzt wird es teuer – leere Seicher treffen wegen Iran-Krieg auf ein schrumpfendes LNG-Angebot

Die Erdgasreserven in den deutschen Gasspeichern sind auf 20,8 Prozent geschrumpft und fallen damit deutlich niedriger aus als in vergleichbaren Vorjahren. Gleichzeitig verschärft der Iran-Krieg die Lage auf dem Weltmarkt, weil wichtige LNG-Lieferketten aus dem Nahen Osten gestört sind. Besonders brisant ist die Situation in Katar, einem der größten Gasexporteure der Welt. Nach Angriffen im Zuge des Konflikts stoppte der staatliche Energiekonzern die Gasproduktion und vereinbarte Lieferverträge aufgrund höherer Gewalt aus. Während Deutschland seine Speicher bis zum Winter wieder auffüllen muss, treffen diese Einkäufe nun auf ein deutlich knapperes Angebot. Für Verbraucher wächst damit das Risiko, dass die Heizkosten im kommenden Winter stark steigen (focus: 07.03.26).


Niedrige Füllständer der Gasspeicher treffen auf ein unsicheres Angebot

Die aktuell niedrigen Speicherstände sind allein noch kein unmittelbarer Versorgungsnotstand. Wegen der milden Temperaturen liegt der tägliche Gasverbrauch derzeit nur bei rund drei Terawattstunden. Gleichzeitig erreichen weiterhin große Importmengen Deutschland, vor allem über Pipelines aus Norwegen und den Niederlanden sowie über LNG-Lieferungen aus den USA.

Iran-Krieg, leere Gasspeicher und weniger LNG für Europa: Warum deutschen Haushalten spürbar höhere Gaspreise drohen
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Trotzdem bleibt die Lage angespannt. Sinkt der Füllstand eines Speichers unter etwa 20 bis 25 Prozent, fällt die technische Entnahmerate deutlich ab. Das Gas lässt sich dann wesentlich langsamer fördern, weil der Druck im Speicher sinkt. Kommt in einer solchen Situation eine längere Kältephase hinzu, kann der Bedarf deutlich schneller steigen als die verfügbaren Liefermengen.

Iran-Krieg bringt den LNG-Markt durcheinander

Der Iran-Krieg trifft den Gasmarkt aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Zum einen wurde die zentrale LNG-Industrie in Katar durch Drohnenangriffe getroffen. In der Folge stoppte der staatliche Energiekonzern QatarEnergy Anfang März die Produktion von Flüssiggas und erklärte für zahlreiche Lieferverträge. Experten gehen davon aus, dass ein Neustart der Anlagen mehrere Wochen dauern könnte.

Zum anderen stört der Konflikt den Schiffsverkehr rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Tanker vermeiden zunehmend die Passage oder ändern kurzfristig ihre Routen. Dadurch geraten Lieferketten ins Wanken und Händler müssen neue Käufer oder alternative Lieferwege suchen.

Die Folgen sind bereits sichtbar. Erste LNG-Tanker, die ursprünglich für europäische Häfen vorgesehen waren, haben ihre Route geändert und steuern nun asiatische Märkte an. Hintergrund ist der intensivere Wettbewerb um verfügbare Ladungen, weil Asien traditionell größere Mengen LNG importiert und auch bereit ist weit höhere Preise zu zahlen.


Milliardenkosten für die Wiederbefüllung der Gasspeicher

Deutschland muss seine Speicher dennoch bis zum Herbst wieder deutlich auffüllen. Nach den aktuellen gesetzlichen Vorgaben sollen sie bis Anfang November rund 70 Prozent erreichen. Vom heutigen Niveau aus entspricht das einem Nachkauf von etwa 125 Terawattstunden Erdgas.

Schon beim aktuellen Preisniveau würde das Investitionen von mehreren Milliarden Euro erfordern. Steigt der Börsenpreis weiter, erhöhen sich diese Kosten entsprechend. Versorger sichern zwar einen Teil ihrer Lieferungen über Terminmärkte ab, doch langfristig schlagen hohe Einkaufspreise meist auf die Tarife durch.

Für Haushalte entscheidet jetzt der Verlauf des Iran-Kriegs

Ob deutsche Haushalte tatsächlich deutlich mehr zahlen müssen, hängt nun stark vom weiteren Verlauf des Iran-Kriegs ab. Beruhigt sich die Lage rasch, könnten sich die Preise wieder stabilisieren. Dann würden viele Versorger ihre bestehenden Lieferverträge zu günstigeren Konditionen erfüllen können.

Zieht sich der Konflikt jedoch über Monate hin, droht ein anderes Szenario. Dann treffen ungewöhnlich niedrige Speicherstände auf ein weltweit knapperes Angebot und damit auf einen Markt, in dem LNG-Ladungen verstärkt nach Asien umgeleitet werden. Genau diese Kombination hat bereits in früheren Krisen zu sprunghaft steigenden Gaspreisen geführt – mit spürbaren Folgen für Millionen Haushalte in Europa.

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