Japan plant einen harten Schnitt, denn Solarparks sollen künftig weniger Geld aus staatlichen Programmen erhalten. Gleichzeitig will Tokio Naturschutz, Einspeisetarif-Regeln, Perowskit-Förderung und Konfliktregionen wie Hokkaido neu gewichten, damit Landschaften geschützt bleiben und Projekte sicherer werden (reuters: 24.12.25).
Konflikte vor Ort beschleunigen den Kurswechsel
Auslöser sind konkrete Streitfälle, denn mehrere Solarparks lösten Widerstand in sensiblen Gebieten aus. Besonders rund um Hokkaido eskalierte die Debatte, weil dort Naturflächen und Wasserhaushalte als verletzlich gelten und Investoren dennoch großflächig planen wollten.

Regierungsstellen verweisen außerdem auf Sicherheitsaspekte, weil steile Hänge, Starkregen und Bauarbeiten Risiken erhöhen können. Deshalb wollen Ministerien Regeln so nachschärfen, dass Betreiber früher nachweisen müssen, wie sie Gelände stabilisieren und Lebensräume erhalten.
Solarparks im Visier: Förderung über Einspeisetarif soll auslaufen
Im Kern geht es um Geld, denn Japan erwägt, den Einspeisetarif für große, bodenmontierte Solarparks nicht weiterzuführen. Nach Angaben aus dem zuständigen Wirtschaftsressort soll der Schnitt ab dem Fiskaljahr greifen, das im April 2027 beginnt, und damit würden große Projekte spürbar an Attraktivität verlieren.
Bisher sichern zwei Modelle Einnahmen, weil entweder ein fester Abnahmepreis garantiert wird oder eine Prämie auf den Marktpreis kommt. Künftig will Tokio die Grenze, ab der der Förderstopp greift, noch exakt festlegen, aber die Richtung gilt bereits als gesetzt. In der Praxis ersetzt der Staat den bisherigen Fördermechanismus schrittweise, und der Fördertarif verliert für große Vorhaben seine Funktion.
Naturschutz wird zum Genehmigungsfaktor
Parallel rückt Naturschutz stärker in den Mittelpunkt, weil Umweltauflagen bisher nicht überall griffen. Der Staat prüft, nationale Umweltbewertungen auf mehr Vorhaben auszudehnen, denn unterhalb von 30 Megawatt mussten Projekte bislang keine nationale Prüfung durchlaufen.
Das Umweltressort will diese Lücke verkleinern, und damit würden auch mittelgroße Solarparks früher in ein formales Verfahren rutschen. Für Betreiber bedeutet das mehr Gutachten, aber zugleich mehr Klarheit, weil Kriterien zu Böden, Wasserwegen und Erosionsschutz verbindlicher werden sollen.
Perowskit als Industrieprojekt und Alternative zu Importen
Tokio will den Ausbau nicht stoppen, sondern ihn umlenken, und deshalb stärkt die Regierung die Förderung für Perowskit-Technologie. Perowskit bezeichnet eine Materialklasse mit spezieller Kristallstruktur, die sich als lichtabsorbierende Schicht in Solarzellen eignet, und dadurch lassen sich besonders dünne, leichte und potenziell günstiger herstellbare Module bauen. In vielen Konzepten wird das Perowskit als Dünnschicht auf Trägerfolien oder Glas aufgebracht, weshalb flexible Anwendungen möglich werden.
Diese Module gelten als nächste Entwicklungsstufe, und Japan möchte daraus ein industrielles Standbein machen, das weniger abhängig von Lieferketten aus dem Ausland ist. Auch technisch passt das Ziel, weil leichte Dünnschicht-Lösungen neue Flächen erschließen können, ohne dass dafür große Erdarbeiten nötig werden. So könnten Solaranlagen häufiger auf Gebäuden, Fassaden oder geeigneten Infrastrukturen entstehen, während sensible Landschaften entlastet werden.
Politische Linie und Folgen für die Energiewende
In Gesprächen mit Regierungsvertretern zeigt sich zudem eine klare politische Linie, denn Premierministerin Sanae Takaichi fordert Grenzen für sehr große Solarparks. Sie verweist auf den hohen Importanteil vieler Module, und sie betont den Schutz von Landschaftsbildern sowie die Akzeptanz in den Regionen.
Der Zeitpunkt ist strategisch, weil zugleich Offshore-Windprojekte mit steigenden Kosten kämpfen und Entwickler teils aussteigen. Wenn Japan Solarparks strenger reguliert und Förderwege kappt, dann könnte der Zubau kurzfristig langsamer werden, aber die Regierung setzt auf Qualität, Planungssicherheit und technologiegetriebene Lösungen.
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