Japan bringt wegen Energienotstand alte Kohlekraftwerke wieder ans Netz

Japan will ab April für ein Jahr ältere Kohlekraftwerke wieder mit voller Leistung fahren. Die Regierung reagiert damit auf die Folgen des Kriegs im Nahen Osten, nachdem Angriffe der USA und Israels auf Iran Ende Februar den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus massiv gestört haben. Über diese Route läuft ein Großteil der japanischen Ölversorgung, zudem stammt ein Teil der LNG-Importe aus der Region. Tokio sieht deshalb ein hohes Risiko für Engpässe bei Strom und Brennstoffen. Das Wirtschaftsministerium will den Plan seinem Beirat vorlegen. Premierministerin Sanae Takaichi hat die Maßnahme zur Stabilisierung der Energieversorgung ankündigt. Für Industrie und Verbraucher geht es zugleich um Versorgungssicherheit, Preisrisiken und die Gefahr eines echten Energienotstands (asia.nikkei: 26.03.26).


Warum Tokio im Energienotstand wieder auf Kohle setzt

Der Schritt markiert eine deutliche Abkehr vom bisherigen Kurs. Ältere und weniger effiziente Kraftwerke durften bislang nur eingeschränkt laufen, weil Japan den CO2-Ausstoß senken wollte. Diese Begrenzung soll nun vorübergehend entfallen. Die Regierung setzt damit auf mehr verfügbare Leistung, weil sich die Lage auf den Energiemärkten rasch verschärft hat.

Japan reaktiviert alte Kohlekraftwerke - bei Energienotstand ist der Regierung die Versorgungssicherheit wichtiger als die Klimaziele
Japan reaktiviert alte Kohlekraftwerke – bei Energienotstand ist der Regierung die Versorgungssicherheit wichtiger als die Klimaziele

Japans Stromsystem bleibt stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Rund 30 Prozent der Stromerzeugung stammen aus LNG, weitere 30 Prozent aus Kohle und knapp 10 Prozent aus Öl. Damit liefern thermische Kraftwerke insgesamt etwa 70 Prozent des Stroms. Zugleich kommen 90 Prozent des Rohöls und etwa 10 Prozent des LNG aus dem Nahen Osten. Kohle gilt in Tokio deshalb als weniger verwundbar, weil sie vor allem aus Australien, Indonesien und Kanada kommt.

Frühere Klimaziele rücken in den Hintergrund

Noch im vergangenen Jahr hatte Japan ineffiziente Kohlekraftwerke ausbremsen wollen. Die Regierung setzte damals das Ziel, deren Auslastung grundsätzlich auf 50 Prozent zu begrenzen. Betreiber sollten alte Anlagen ersetzen, stilllegen oder ganz abschalten. Diese Linie wird nun befristet aufgeweicht, weil beim aktuell drohenden Energienotstand die Versorgungssicherheit Vorrang erhält.

Der Effekt könnte beträchtlich sein. Wenn ältere Blöcke genauso stark laufen wie moderne Anlagen, könnten sie genug Strom erzeugen, um jährlich rund 530.000 Tonnen LNG zu ersetzen. Das entspricht etwa 13 Prozent der vier Millionen Tonnen LNG, die Japan über die Straße von Hormus importiert. Parallel hat die Regierung bereits begonnen, nationale Ölreserven freizugeben. Damit will sie den Markt beruhigen und das Risiko weiterer Preissprünge begrenzen.


Asien treibt Nachfrage und Preise weiter nach oben

Japan ist mit diesem Kurswechsel nicht allein. Auch die Philippinen haben einen nationalen Energienotstand ausgerufen und den Betrieb von Kohlekraftwerken ausgeweitet. Ähnliche Schritte laufen zudem in Thailand, Südkorea und Bangladesch. Dadurch steigt der Druck auf den Brennstoffmarkt in der gesamten Region.

Die Preisreaktion ist bereits sichtbar. Der wöchentliche Spotpreis für hochwertige Kohle aus dem australischen Hafen Newcastle stieg bereits auf 135 Dollar je Tonne. Das sind 16 Prozent mehr als vor dem Angriff auf Iran, zugleich ist es der höchste Stand seit Dezember 2024. Der australische Rohstoffanalyst Mark Gresswell sagte, das knappe Angebot auf dem Seeweg stütze die Preise direkt, sobald Kraftwerksbetreiber von Gas auf Kohle umschwenken. Hält die Unruhe am LNG-Markt an, dürften die Kosten für Stromerzeuger deshalb weiter steigen.

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