In Frankfurt am Main warnt der Verband der Chemischen Industrie vor wachsenden Risiken für Lieferketten, weil der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus bereits internationale Lieferketten stören. Betroffen sind wichtige Rohstoffe wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel, die für Chemie, Düngemittel und weitere Industriezweige gebraucht werden. Zugleich trifft die Entwicklung eine Branche, die schon vor der Eskalation in der Krise steckte. Der entscheidende Risikofaktor ist deshalb nicht mehr nur der Preissprung bei Energie und Transport, sondern zunehmend die Verfügbarkeit von Vorprodukten. Für Unternehmen in Deutschland drohen damit Engpässe, unsichere Beschaffung und in den kommenden sechs bis acht Wochen spürbare Folgen, wenn jetzt ausfallende Bestellungen nicht ersetzt werden können (fr: 16.03.26).
Lieferketten reißen bei Rohstoffen und Dünger
Die Warnung der Branche fällt inzwischen konkreter aus als in früheren Einschätzungen. Der VCI verweist auf „erste Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten“. Explizit nennt der Verband Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel als besonders sensible Stoffe. Vor allem die Verfügbarkeit von Schwefel sei heikel, weil ein großer Teil des Seehandels durch die Straße von Hormus läuft. Der Rohstoff wird hauptsächlich für Düngemittel gebraucht. Deshalb steigen nicht nur die Kosten in der Industrie, sondern auch sondern auch für die Agrarmärkte und Lebensmittelketten.

Für den Mittelstand wird die Lage damit besonders schwierig. Viele Firmen können Preissteigerungen nur begrenzt auffangen, während zugleich die Planbarkeit sinkt. Der VCI beschreibt die Rückmeldungen aus den Betrieben als dramatisch und verweist darauf, dass es längst nicht mehr nur um Preise geht, sondern auch um fehlende Verfügbarkeit. Noch federn laufende Lieferungen einen Teil des Problems ab, jedoch endet dieser Puffer bald.
China setzt auf Deeskalation, Reserven und Vorsorge
China fordert offiziell fordert seit Anfang März ein Ende der Militäraktionen und sichere Handelswege durch die Straße von Hormus. Das Außenministerium betont, die Route sei für den internationalen Waren- und Energiehandel zentral und verlangt deshalb Deeskalation statt weiterer Eskalationsschritte. Eine offen bestätigte militärische Sicherung der Passage durch China gibt es bislang jedoch nicht.
Wirtschaftlich reagiert China zugleich deutlich nüchterner. Peking gab bereits Mitte März Düngemittel aus staatlichen kommerziellen Reserven frei, weil die gestörte Passage durch Hormus die globale Versorgung belastet. Zudem hat China seine Eisenerzimporte stark hochgefahren und lässt erhebliche Mengen in Lager statt direkt in die Produktion fließen. Das spricht für Vorsorge gegen mögliche Versorgungsstörungen. Peking sichert die eigene Versorgung ab, baut Puffer auf und reagiert auf drohende Engpässe, während die weltweiten Lieferketten ins Wanken kommen.
Lesen Sie auch:
- Iran-Konflikt treibt Energiepreise – Sprit, Heizen und Strom in Deutschland werden noch teurer
- Jetzt wird es teuer – leere Seicher treffen wegen Iran-Krieg auf ein schrumpfendes LNG-Angebot
- LNG-Mangel treibt Füllung der Speicher für den nächsten Winter um 11,7 Milliarden nach oben
- Ölkrise im Persischen Golf – blockierte Straße von Hormus legt Weltmärkte lahm
