Insolvenzen von Großunternehmen 2025 auf Rekordhoch – Kliniken, Auto und Bau im Fokus

Ein Unternehmen gilt in der Studie von Allianz Trade als Großunternehmen, sobald es mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz erreicht. 2025 hat Deutschland bei diesen Großinsolvenzen einen Negativrekord erreicht, denn 94 Großunternehmen rutschten in die Pleite. Besonders betroffen waren Kliniken, Auto und Bau. Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber 2024 und zugleich der höchste Stand seit Beginn der Auswertung im Jahr 2015 (handelsblatt: 05.02.26).


Deutschland treibt die globale Insolvenzwelle bei Großunternehmen mit

Auch weltweit nahm die Zahl großer Pleiten zu, denn 475 Großunternehmen meldeten Insolvenz an. Das entspricht rechnerisch einer Großinsolvenz alle 18 Stunden und Deutschland steht dabei für rund ein Fünftel der Fälle. Damit gehört die Bundesrepublik zu den Treibern der aktuellen Entwicklung, obwohl die Ursachen je nach Branche variieren.

94 Insolvenzen von Großunternehmen in Deutschland 2025 - Kliniken, Auto und Bau besonders betroffen. Lieferketten drohen Dominoeffekte
94 Insolvenzen von Großunternehmen in Deutschland 2025 – Kliniken, Auto und Bau besonders betroffen. Lieferketten drohen Dominoeffekte

„Wenn es kracht, dann oft richtig“, sagte der CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Milo Bogaerts. Außerdem betont er: „Wir sehen bereits seit vier Jahren deutlich ansteigende Großinsolvenzen, die 2025 den höchsten Stand seit 2015 erreicht haben – sowohl weltweit als auch in Deutschland.“ Diese Aussage ordnet die Rekordwerte ein, und sie zeigt zugleich die langfristige Linie hinter den Zahlen.

Kliniken, Autoindustrie und Bau: Diese Branchen trifft es besonders

Der Schwerpunkt lag im Dienstleistungssektor, denn dort zählte die Studie 14 Großinsolvenzen. Darunter befanden sich neun Kliniken und Pflegeeinrichtungen, und gerade dort wirken Kostensteigerungen schnell existenzbedrohend. Danach folgte die Automobilbranche mit zwölf Fällen, während Chemie und Metall jeweils elf Großinsolvenzen verzeichneten.

Auch das Baugewerbe fiel deutlich auf, denn es kam auf zehn große Pleiten. Zudem bleibt der Einzelhandel ein Dauerproblem, und er lag mit neun Großinsolvenzen erneut weit vorn. Diese Verteilung zeigt, wie breit der Druck im Markt inzwischen wirkt, obwohl einzelne Sektoren besonders herausragen.

Dominoeffekt in Lieferketten setzt kleinere Firmen unter Zugzwang

Für viele Betriebe endet die Gefahr nicht bei der Insolvenzmeldung eines Großkunden, sondern sie beginnt dann erst. Denn wenn ein großer Abnehmer ausfällt, geraten Lieferketten ins Rutschen, und offene Forderungen werden schnell zum Risiko. „Das Problematische an vielen Großinsolvenzen ist der mögliche Dominoeffekt auf die Lieferketten“, sagte der Leiter der Insolvenzanalyse bei Allianz Trade, Maxime Lemerle.

Besonders gefährdet sind kleinere Unternehmen, weil sie oft stark von wenigen Großabnehmern abhängen. Fällt einer dieser Kunden weg, bricht Umsatz sofort weg, und zugleich verschärfen viele Partner die Zahlungsbedingungen. Dadurch kann sich eine einzelne Großinsolvenz wie ein Schock durch ganze Zuliefernetze fortsetzen, obwohl die betroffenen Firmen selbst solide wirken.


Weltweit steigen die Schäden, doch Deutschland verzeichnet Entspannung beim Umsatz

Global nahm der wirtschaftliche Schaden zu, denn der Gesamtumsatz der insolventen Großunternehmen stieg um zwölf Prozent auf 208 Milliarden Euro. Die größten Insolvenzen gab es in den USA und in China, und beide Länder stellten 17 der 20 größten Pleiten nach Umsatz. Damit konzentrieren sich die größten Ausfälle auf wenige Märkte, obwohl die Insolvenzen weltweit zunehmen.

In Deutschland zeigt sich dagegen beim Umsatz eine Gegenbewegung, denn der Gesamtumsatz der 2025 betroffenen Großunternehmen sank deutlich. Er fiel um rund ein Drittel von knapp 18 Milliarden Euro im Rekordjahr 2024 auf etwa zwölf Milliarden Euro. Bogaerts ordnet das klar ein: „Es gab 2025 zwar deutlich mehr Großinsolvenzen in Deutschland, aber die bei den Lieferanten dadurch verursachten Schäden gingen nach dem Höchststand 2024 zurück“, sagt Bogaerts. Trotzdem bleibt der Wert hoch und er liegt seit 2015 auf dem zweithöchsten Stand, weshalb das Thema für Unternehmen und Zulieferer weiter brisant bleibt.

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