Deutschlands Industrieaufträge sind im Januar 2026 regelrecht eingebrochen. Laut Statistischem Bundesamt fiel der Auftragseingang im Vergleich zum Vormonat um 11,1 Prozent und damit deutlich stärker als von Ökonomen erwartet. Ausschlaggebend war vor allem der Wegfall außergewöhnlich vieler Großbestellungen nach dem starken Dezember, zugleich brach die Nachfrage im Inland massiv ein. Für die Industrie ist das ein gefährlicher Jahresauftakt, weil eine fragile Erholung auf neue Belastungen durch hohe Energiepreise und den Krieg im Mittleren Osten trifft (tagesschau: 09.03.26).
Industrieaufträge brechen weit stärker ein als erwartet
Der Rückgang kam mit voller Wucht. Volkswirte hatten für Januar nur ein Minus von 4,5 Prozent erwartet. Tatsächlich fiel der Absturz mehr als doppelt so stark aus. Damit verzeichnete die deutsche Industrie den stärksten Einbruch bei den Neuaufträgen seit zwei Jahren.

Besonders auffällig ist der Kontrast zum Dezember. Damals waren die Bestellungen noch um 6,4 Prozent gestiegen. Deshalb wirkt der Januar nicht wie eine normale Korrektur, sondern wie ein harter Bruch zum Jahresbeginn. Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, sprach von einem Rückgang, der zwar erwartbar gewesen sei, im Ausmaß jedoch „ein Schock“ sei.
Sondereffekte erklären viel, aber nicht alles
Ein Teil des Einbruchs geht auf die sprunghafte Natur großer Bestellungen zurück. Im Dezember hatten ungewöhnlich viele Großaufträge die Statistik nach oben gezogen. Im Januar blieb dieser Effekt aus, weshalb die Monatszahl besonders heftig ausfiel. Ohne Großaufträge lagen die Bestellungen nur um 0,4 Prozent unter dem Niveau des Vormonats.
Auch der Dreimonatsvergleich wirkt stabiler. Über diesen Zeitraum legte der Auftragseingang um 7,4 Prozent zu. Ohne Großaufträge blieb immerhin noch ein Plus von 1,5 Prozent. Dennoch entschärft das die Warnung nur teilweise, weil die Schwäche in der Breite der Nachfrage sichtbar bleibt.
Vor allem aus dem Inland kamen deutlich weniger Impulse. Die Inlandsnachfrage sackte im Januar um 16,2 Prozent ab. Auch aus dem Ausland gingen weniger Bestellungen ein. Insgesamt sank die Nachfrage dort um 7,1 Prozent, während die Euro-Zone ein Minus von 7,3 Prozent und der Rest der Welt ebenfalls ein Minus von 7,1 Prozent verzeichnete.
Warum die Industrieaufträge für die Konjunktur so brisant sind
Die schwachen Industrieaufträge treffen einen Sektor, der für die deutsche Wirtschaft zentral bleibt. Neue Bestellungen sichern Produktion, Investitionen und Beschäftigung. Bleiben sie aus, verliert die Industrie schnell an Dynamik. Gerade deshalb wiegt der Januar schwerer als ein bloßer statistischer Ausreißer.
Einige Ökonomen verweisen zwar auf weiterhin gut gefüllte Auftragsbücher. Das spricht für eine gewisse Pufferwirkung in vielen Unternehmen. Dennoch zeigt der Jahresauftakt, wie anfällig die Lage bleibt. Sobald Großbestellungen ausbleiben und die Nachfrage gleichzeitig nachlässt, gerät jede Hoffnung auf einen stabilen Aufschwung ins Wanken.
Energiepreise und Krieg verschärfen das Risiko
Hinzu kommt ein externer Belastungsblock, der die Lage weiter zuspitzt. Das Bundeswirtschaftsministerium warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der Konflikte im Mittleren Osten. Diese Risiken spiegelten sich bislang noch nicht vollständig in den Indikatoren wider. Zugleich zogen die Preise für Rohöl und Gas deutlich an, weshalb das Risiko eines erneuten Rückschlags klar steigt.
Der Ölpreis stieg infolge des Iran-Kriegs zu Wochenbeginn erstmals seit vier Jahren wieder über 100 Dollar je Barrel. Der Gaspreis hat sich seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran in etwa verdoppelt. Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Über den weiteren Verlauf der deutschen Konjunktur entscheiden nun vor allem der Krieg im Mittleren Osten und die Energiepreise. Damit werden die Industrieaufträge in den kommenden Monaten zu einem der wichtigsten Frühsignale für die gesamte Wirtschaft.
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