Ikea will sein Kundenservice-Callcenter in Rostock schließen, obwohl dort viele telefonische Produktanfragen aus ganz Deutschland landen. Die Belegschaft erfuhr am 25. Februar von dem Schritt. Ikea nennt als Anlass langfristige Strukturentscheidungen, jedoch spielt auch der auslaufende Mietvertrag 2026 eine zentrale Rolle. Außerdem verweist das Unternehmen auf nötige, teure Investitionen zur Modernisierung des Standorts. Als Risikofaktor gilt der Wegfall eines von bundesweit drei Customer-Support-Standorten. Dadurch stehen 279 Jobs auf dem Spiel. Laut Verdi sind Kündigungen zum 30. September 2026 geplant (stern: 25.02.26).
Zeitplan bis Ende August 2026 – aber Kündigungstermin später
Ikea plant, das „Customer Support Center“ (CSC) voraussichtlich bis Ende August 2026 einzustellen, während die Kündigungen laut Verdi auf den 30. September 2026 zielen. Damit entsteht eine Lücke zwischen operativem Auslauf und arbeitsrechtlichem Enddatum, die für viele Beschäftigte entscheidend ist. Zugleich zeigt der Zeitplan, dass Ikea den Rückbau nicht kurzfristig, sondern über Monate organisiert.

Die Belegschaft wurde am 25 Februar offiziell informiert, nachdem zuvor bereits ein Bericht darüber erschienen war. Damit steht fest, dass der Prozess bereits läuft, obwohl zentrale Fragen zur Zukunft der Beschäftigten noch offen sind. Außerdem dürfte die lange Vorlaufzeit den Druck erhöhen, weil viele Betroffene früh planen müssen.
Ikea begründet den Schritt mit auslaufendem Mietvetrag und Modernisierungsbedarf
Nach Unternehmensangaben basiert die Schließung auf „langfristigen, strukturellen Erwägungen“. Dazu zählt das Auslaufen des Mietvertrags im Jahr 2026, weshalb Ikea den Standort neu bewerten musste. Außerdem sieht der Konzern umfangreiche Investitionen als erforderlich, um das Callcenter zu modernisieren. Diese Kombination aus Vertragsende und Investitionsbedarf liefert die wirtschaftliche Begründung, jedoch bleibt offen, warum Rostock im künftigen Modell keinen Platz mehr haben soll.
Ikea ordnet die Entscheidung zudem in den Wandel des Einzelhandels ein. Das Unternehmen erklärte: „Auch wenn solche Entscheidungen nie einfach sind, werden sie getroffen, um die langfristige Stärke und nachhaltige Zukunft von Ikea Deutschland im sich wandelnden Einzelhandel zu sichern.“ Damit setzt Ikea den Fokus auf Konzernstrategie, während die Folgen vor Ort konkret und sofort greifbar werden.
Verdi spricht von „Schlag ins Gesicht“ und fordert sozialen Ausgleich
Die Gewerkschaft Verdi reagiert scharf, weil sie den Schritt als sozial unverantwortlich bewertet. Sie nennt die Schließung einen „Schlag ins Gesicht“ der Kolleginnen und Kollegen. Zugleich verweist Verdi darauf, dass den Beschäftigten des Centers zum 30. September 2026 gekündigt werden soll. Damit rückt nicht nur die Standortfrage, sondern vor allem die Existenzsicherung vieler Haushalte in den Mittelpunkt.
Der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Marcus Dejosez kritisiert außerdem die Informationspolitik von Ikea. Er spricht von einer „katastrophalen Kommunikation“, während die Geschäftsführung den Standort Rostock laut ihm nicht mehr als Teil „des zukünftigen Setups“ von Ikea sieht. Valide Gründe dafür würden aber nicht genannt, weshalb Verdi nun mehr Transparenz verlangt.
Betriebsrat spät informiert – Gespräche über Sozialplan starten
Besonders brisant wirkt der Ablauf, weil der Betriebsrat nach Verdi-Angaben nur eine halbe Stunde vor der Belegschaft über die Schließung informiert worden sein soll. Das verschärft den Konflikt, da Mitbestimmung in solchen Prozessen normalerweise früh ansetzt. Gleichzeitig wächst so das Misstrauen, ob Ikea tatsächlich offen über Alternativen gesprochen hat.
Einen Tag nach der Ankündigung sollen Gespräche über einen Sozialplan beginnen, deshalb rückt nun die konkrete Ausgestaltung von Abfindungen, Transferlösungen und möglichen Qualifizierungen in den Fokus. Außerdem wird entscheidend, ob Ikea interne Wechsel anbietet oder externe Übergänge finanziert. Für die 279 Betroffenen hängt daran, wie hart der Schnitt am Ende ausfällt.
Einrichtungshaus bleibt – Callcenter geht
Das Ikea-Einrichtungshaus in Rostock bleibt laut Unternehmen bestehen und soll ein wichtiger Teil der regionalen Präsenz bleiben. Damit trennt Ikea klar zwischen stationärem Handel und Kundenservice-Struktur, während der Support künftig anders organisiert werden soll. Für Rostock bedeutet das jedoch: Der sichtbare Markt bleibt, aber ein großer Arbeitgeber im Hintergrund fällt weg.
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