Hyundai treibt in Südkorea die Entwicklung atomgetriebener Containerschiffe voran und hat dafür mit dem American Bureau of Shipping einen entscheidenden Partner gewonnen. Auslöser für den nächsten Schritt ist das Fehlen weltweit einheitlicher Regeln für zivile Schiffe mit Nuklearantrieb, obwohl Reaktoren auf Flugzeugträgern und Atom-U-Booten seit Jahren eingesetzt werden. Im Zentrum steht ein großes Containerschiff mit rund 16.000 Standardcontainern, das einen Small Modular Reactor zur Stromerzeugung für den Antrieb nutzen soll. Der entscheidende Risikofaktor bleibt die Sicherheit eines solchen Systems im kommerziellen Seeverkehr, während zugleich verbindliche Vorschriften für Bau, Betrieb und Klassifizierung fehlen. Für Reedereien und Häfen wären die Folgen erheblich, weil lange Fahrten ohne fossile Brennstoffe möglich würden und außerdem mehr Platz für Ladung frei werden könnte (chosun: 09.03.26).
Fehlende Regeln bremsen den Nuklearantrieb aus
Atomtechnik auf See ist technisch nicht neu, jedoch war sie bisher fast nur im Militär im Einsatz. Flugzeugträger der US Navy und atomgetriebene U-Boote fahren seit Jahren mit Reaktoren. Für die zivile Containerschifffahrt existieren dagegen bis heute keine vollständig ausgearbeiteten, weltweit gültigen Regeln.

Genau deshalb setzt HD Hyundai nun auf die Zusammenarbeit mit ABS. Die Klassifikationsgesellschaft gehört zu den wichtigsten Akteuren der Branche und soll helfen, eine belastbare Grundlage für eine neue Schiffsklasse zu schaffen. Ohne klare Standards lassen sich solche Frachter weder zuverlässig zulassen noch versichern oder im globalen Handel breit einsetzen.
ABS bestätigt die technische Machbarkeit
ABS hat das Konzept des Unternehmens bereits geprüft und die technische Umsetzbarkeit bestätigt. Nach dieser Bewertung kann das Modell so ausgelegt werden, dass es internationalen Sicherheitsstandards entspricht. Das ist wichtig, weil aus einem Industrieprojekt nur dann ein marktfähiges Produkt wird, wenn die Aufsicht belastbare Maßstäbe anerkennt.
Geplant ist ein Containerschiff mit etwa 16.000 TEU Kapazität. Der Reaktor soll als Small Modular Reactor ausgeführt werden und bis zu 100 Megawatt Leistung liefern. Damit wären lange Fahrten bei hoher Geschwindigkeit möglich, während der Verbrauch fossiler Brennstoffe entfiele.
Mehr Ladung und längere Fahrten als Ziel
Für Reedereien wäre ein solches Schiff nicht nur wegen geringerer Emissionen interessant. Herkömmliche Containerschiffe brauchen viel Raum für große Maschinen und massive Treibstofftanks, während ein Schiff mit Nuklearantrieb diesen Platz teilweise anders nutzen könnte. Dadurch ließe sich die Ladekapazität steigern, was die Wirtschaftlichkeit auf langen Routen verbessern würde.
Wie groß dieser Raumgewinn am Ende tatsächlich ausfällt, ist allerdings noch offen. Genau hier beginnt die nächste Phase des Projekts, denn technische Vorteile allein reichen nicht aus. Erst wenn Sicherheit, Klassifizierung und internationale Zulassung zusammenpassen, kann Hyundai den Nuklearantrieb tatsächlich als neuen Standard in der Containerschifffahrt etablieren.
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