Beim Batteriehersteller Varta werden am Standort Nördlingen 150 Stellen gestrichen. Betroffen ist die Tochtergesellschaft Micro Production, deren Mitarbeiter die Nachricht bereits vor Weihnachten erhielten. in den vergangenen Wochen folgten, jetzt die Kündigungen. Auslöser ist eine deutlich Schwäche bei den Absatzzahlen und verschobene Kundenprognosen. Dadurch sinken Umsatz und Produktionsvolumen in einem Werk, das vor allem kleine Lithium-Ionen-Zellen für Wearables herstellt. Die laufende Sanierung gewinnt damit weiter an Härte, während für die Beschäftigten ein weiterer Einschnitt in einer ohnehin angespannten Lage sichtbar wird (schwaebische: 27.03.26).
Absatzschwäche trifft das Kerngeschäft
Varta begründet den Schritt mit einer spürbaren Eintrübung des Marktes. Hintergrund seien „deutlich geringere Absatzmengen sowie verschobene Kundenprognosen, die zu einem Rückgang bei Umsatz- und Produktionsvolumen geführt haben“, erklärte ein Sprecher. Deshalb richtet der Konzern seine Personalstruktur neu aus, während sich die Nachfrage in wichtigen Segmenten abschwächt. Der Stellenabbau ist damit keine Einzelmaßnahme, sondern eine direkte Reaktion auf ein belastetes Geschäftsumfeld.

In Nördlingen entstehen vor allem kleine Lithium-Ionen-Zellen für Geräte, die direkt am Körper getragen werden. Dazu zählen Fitnessuhren, Ohrhörer oder Brillen mit Display. Gerade dieses Geschäftsfeld galt lange als wichtiger Baustein im Konzern, jedoch verliert es nun an Dynamik. Für den Standort ist das besonders heikel, weil sinkende Bestellungen dort unmittelbar auf die Produktion durchschlagen.
Sanierung bleibt trotz neuer Mittel ein Kraftakt
Die jetzigen Kürzungen stehen zudem in einem größeren Zusammenhang. Varta geriet bereits 2022 in eine schwere Krise und musste ein tiefgreifendes Restrukturierungsverfahren einleiten. Am Ende folgten der Rückzug von der Börse und der Verlust der Beteiligungen für viele Kleinaktionäre. Der frühere Börsenstar wurde damit zum Sanierungsfall. Der neue Stellenabbau zeigt, dass die Sanierung weiterhin operative Opfer verlangt.
Frisches Kapital kam später von Porsche und vom österreichischen Unternehmer Michael Tojner, der seit Jahren Mehrheitseigentümer ist. Diese Mittel bildeten eine zentrale Voraussetzung, damit auch die Banken zugesagte Kredite bereitstellten. Dennoch ist der Umbau nicht abgeschlossen, sondern laut Plan bis Ende 2027 angelegt. Varta will in dieser Zeit vor allem bei Mikrobatterien und Energiespeichersystemen wieder profitabel werden. Ob das gelingt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob der Absatz wieder anzieht.
Sozialplan soll Folgen abfedern
Nach Angaben des Unternehmens erfolgt die Maßnahme in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat. Außerdem sollen ein Freiwilligenprogramm und ein Sozialplan die Folgen für die Betroffenen begrenzen. Varta erklärte dazu: „Unser Ziel ist es, für alle betroffenen Mitarbeitenden faire und sozialverträgliche Lösungen zu finden.“ Der Satz markiert den offiziellen Anspruch, zugleich ändert er nichts an der wirtschaftlichen Schwere des Einschnitts.
Nach eigenen Angaben beschäftigt Varta derzeit rund 4.200 Mitarbeiter. Vor diesem Hintergrund wirken 150 gestrichene Stellen im Gesamtkonzern begrenzt, für Nördlingen sind sie jedoch ein klares Warnsignal. Der Standort bleibt wichtig, während der Konzern seine Kapazitäten zugleich konsequent an die schwächere Nachfrage anpasst. Genau darin liegt die eigentliche Brisanz: Varta spart nicht mehr vorsorglich, sondern reagiert mitten in der laufenden Krise auf anhaltende Marktschwäche.
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