Heidelberg lässt 1,2 Millionen Euro teuren Wasserstoff-Müllwagen auf Diesel umrüsten

Heidelberg beendet ein kostspieliges Wasserstoffprojekt und lässt einen nahezu 1,2 Millionen Euro teuren Wasserstoff-Müllwagen auf Diesel umrüsten. Der Bund hatte die Anschaffung mit rund 744.000 Euro aus Steuermitteln gefördert. Doch das Fahrzeug fiel zuletzt an mehr als 80 Prozent der Betriebstage aus. Deshalb beschloss der Haupt- und Finanzausschuss am 30. September 2026 einen zusätzlichen Kostenrahmen von 240.000 Euro für den Umbau. Damit steigen die Gesamtausgaben für das Fahrzeug auf voraussichtlich 1,44 Millionen Euro. Gleichzeitig verliert die ursprünglich geförderte Antriebstechnik ihren praktischen Nutzen, während ein alter Reservewagen weiterhin die Müllentsorgung absichern muss.

744.000 Euro Bundesförderung für einen Wasserstoff-Müllwagen, der kaum einsatzfähig war. Heidelberg zahlt weitere 240.000 Euro für Diesel
744.000 Euro Bundesförderung für einen Wasserstoff-Müllwagen, der kaum einsatzfähig war. Heidelberg zahlt weitere 240.000 Euro für Diesel
Bild: KI-generiert

744.000 Euro Steuergeld für einen Antrieb, der wieder ausgebaut wird

Die finanzielle Bilanz des Projekts fällt ernüchternd aus. Heidelberg zahlte für das 2022 angeschaffte Spezialfahrzeug insgesamt 1.199.981 Euro. Davon übernahm der Bund exakt 744.241,50 Euro. Die Stadt trug damit zunächst rund 456.000 Euro selbst. Nun kommen weitere 240.000 Euro für den Wechsel zum Dieselantrieb hinzu. Damit erreichen die kommunalen Ausgaben rechnerisch fast 696.000 Euro, während der Bund bereits mehr als eine Dreiviertelmillion Euro investiert hat.

Besonders schwer wiegt dabei der Verlust des eigentlichen Förderzwecks. Der Bundeszuschuss sollte eine klimafreundliche Alternative zum konventionellen Diesel ermöglichen. Doch ausgerechnet die geförderte Antriebstechnik muss nun weichen, weil sie keinen zuverlässigen Betrieb gewährleistet. Die 744.000 Euro sind damit nicht automatisch ein vollständig abgeschriebener Vermögensverlust. Schließlich bleibt der Müllwagenaufbau erhalten. Der mit öffentlichen Mitteln finanzierte Technologiewechsel ist jedoch gescheitert.


Wasserstoff-Müllwagen fiel zuletzt an 84 Prozent der Betriebstage aus

Wie unwirtschaftlich das Fahrzeug im täglichen Betrieb geworden ist, zeigen die Aufzeichnungen der Stadtverwaltung. Im Jahr 2025 kam der Müllwagen lediglich an 41 von 220 erfassten Betriebstagen zum Einsatz. An 114 Tagen befand er sich in der Werkstatt. Weitere 65 Tage blieb er aus anderen Gründen außer Betrieb. Damit lag die gesamte Standzeit bei über 81 Prozent.

Im Jahr 2026 verschlechterte sich die Bilanz nochmals. Bis zum 7. August verzeichnete die Stadt lediglich 23 Einsatztage bei insgesamt 148 Betriebstagen. Die Ausfallquote erreichte damit rund 84 Prozent. Bereits seit der Zulassung im November 2022 häuften sich technische Probleme. Über den Zeitraum von 2023 bis August 2026 lag der Anteil der Standzeiten bei etwa 64 Prozent. Deshalb musste regelmäßig ein älteres Reservefahrzeug die vorgesehenen Aufgaben übernehmen.

Weitere 240.000 Euro statt eines wirtschaftlichen Neuanfangs

Nach einer technischen Prüfung sieht Heidelberg keine realistische Möglichkeit mehr, den Wasserstoffantrieb dauerhaft zuverlässig zu betreiben. Deshalb will die Verwaltung ein konventionelles Dieselfahrgestell anschaffen und den bisherigen Sammelaufbau weiterverwenden. Die Kosten dafür betragen voraussichtlich 240.000 Euro brutto. Ein vollständig neuer Müllwagen würde dagegen etwa 426.200 Euro kosten. Durch die Weiterverwendung des Aufbaus vermeidet die Stadt somit zusätzliche Ausgaben von rund 186.000 Euro gegenüber einem Neukauf.

Allerdings verlängert sich damit die finanzielle Belastung eines bereits außergewöhnlich teuren Fahrzeugs. Für Anschaffung und geplanten Umbau stehen insgesamt knapp 1,44 Millionen Euro zu Buche. Hinzu kommen nicht bezifferte Reparatur- und Betriebskosten sowie der Einsatz des Reservefahrzeugs. Das bisherige Wasserstoff-Fahrgestell soll künftig lediglich als Ersatzteillager dienen. Außerdem rechnet die Stadt mit etwa einem Jahr bis zur Fertigstellung des Umbaus.

Bund gab fast 96 Millionen Euro für Wasserstoff-Müllfahrzeuge aus

Der Heidelberger Fall ist auch deshalb bemerkenswert, weil bundesweit erhebliche Fördermittel in alternative Kommunalfahrzeuge geflossen sind. Laut Bundesregierung unterstützte der Bund Wasserstoff-Müll- und Reinigungsfahrzeuge seit 2020 mit rund 95,85 Millionen Euro. Für batterieelektrische Fahrzeuge kamen weitere 43,59 Millionen Euro hinzu. Insgesamt flossen damit fast 140 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln in entsprechende Anschaffungen.

Auch die bundesweite Begleitforschung dokumentiert erhebliche Ausfallzeiten bei einem Teil der Fahrzeuge. Von 217 erfassten Fahrzeugen meldeten 45 eine Ausfallquote zwischen 20 und 50 Prozent. Weitere zwölf Fahrzeuge lagen sogar darüber. Damit erreichten 57 der untersuchten Fahrzeuge eine Ausfallquote von mindestens 20 Prozent. Allerdings umfasst die Statistik sowohl Batterie- als auch Wasserstofffahrzeuge. Sie erlaubt deshalb keine belastbare Aussage darüber, welcher Antrieb häufiger Probleme verursacht.


Fördergeld ausgegeben – wirtschaftliches Risiko bleibt bei der öffentlichen Hand

Die Bundesregierung erklärte auf eine parlamentarische Anfrage, dass ihr die ungewöhnlich hohen Ausfallzeiten des Heidelberger Fahrzeugs nicht bekannt waren. Dabei hatte sie dessen Anschaffung mit mehr als 744.000 Euro unterstützt. Außerdem betrug die Zweckbindungsfrist der Förderung lediglich zwei Jahre. Eine solche Frist bestimmt, wie lange das Fahrzeug entsprechend dem Förderzweck genutzt werden muss. Ob eine Rückforderung von Fördergeldern geprüft wurde, geht aus den verfügbaren Angaben nicht hervor.

Für Heidelberg bleibt damit ein teures kommunales Experiment mit ernüchterndem Ergebnis. Die öffentliche Hand finanzierte zunächst die Anschaffung einer neuen Antriebstechnologie und muss nun zusätzlich für deren Ersatz bezahlen. Ein Dieselantrieb soll künftig die Zuverlässigkeit herstellen, die der geförderte Wasserstoffantrieb nicht bieten konnte. Der Fall verdeutlicht damit die finanziellen Folgen, wenn staatliche Förderung den praktischen Nachweis von Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht ausreichend absichert. Denn die technischen Versprechen haben sich in Heidelberg nicht erfüllt, während die Ausgaben bei Stadt und Bund verbleiben.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Cleanthinking (01.11.26) – Bild (02.11.26) – TendiGo (03.11.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen