Großbritannien vor Treibstoff-Rationierung – Regierung bereitet Eingriffe vor

Großbritannien steuert nach Einschätzung von Energieexperten auf eine mögliche Rationierung von Öl- und Treibstoffprodukten zu, falls die blockierte Straße von Hormus nicht bald wieder geöffnet wird. Auslöser ist der Krieg der USA gegen den Iran, der einen erheblichen Teil des weltweiten Öl- und Gasflusses stört. Nach Branchenangaben fallen dadurch derzeit rund 20 Millionen Barrel pro Tag aus. Das Vereinigte Königreich verbraucht etwa 1,4 Millionen Barrel Öl täglich, fördert jedoch nur rund die Hälfte selbst. Hält die Krise noch wenige Wochen an, könnten Minister Kraftstoffe für Krankenhäuser, Lebensmittelversorgung, Schulen, öffentlichen Verkehr und Rettungsdienste reservieren. Für Autofahrer würde das Kaufbeschränkungen an Tankstellen, eingeschränkte Öffnungszeiten und eine weitere Verschärfung der ohnehin steigenden Preise bedeuten (thetimes: 16.03.26).


Regierung müsste Treibstoff für kritische Bereiche reservieren

Der Kern der Warnung lautet klar: Wenn das Angebot knapp bleibt, wird der Staat Prioritäten setzen müssen. Nick Butler, früherer Strategiechef von BP, erwartet in diesem Fall faktisch eine Rationierung. Er sagte, die Regierung müsse die Versorgung von Lebensmitteln, Krankenhäusern, Schulen und Verkehrssystemen schützen. Für private Verbraucher bliebe dann nur ein begrenzter Rest, der ebenfalls verteilt werden müsste.

Großbritannien droht wegen der Hormus-Blockade eine Rationierung von Treibstoff. Regierung prüft Eingriffe bei Benzin, Diesel und Versorgung
Großbritannien droht wegen der Hormus-Blockade eine Rationierung von Treibstoff. Regierung prüft Eingriffe bei Benzin, Diesel und Versorgung

Butler sieht dafür ein enges Zeitfenster. Fließen Öl und Gas nicht innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder durch die Straße von Hormus, werde die Lage „ernst“. Seine Warnung zielt deshalb nicht nur auf steigende Kosten, sondern vor allem auf echte Verteilungsentscheidungen. Er hält es zudem für notwendig, die Bevölkerung früh vorzubereiten, weil sonst Hamsterkäufe die Lage zusätzlich verschärfen könnten.

Notfallpläne reichen bis zu Kaufgrenzen an Tankstellen

Die britische Regierung hat bereits konkrete Eingriffsmöglichkeiten vorbereitet. Dazu zählen Begrenzungen für die Kraftstoffmenge je Kunde sowie verkürzte Öffnungszeiten von Tankstellen. Außerdem könnten Lieferanten angewiesen werden, größere Mengen zuerst an Rettungsdienste, öffentlichen Verkehr und andere kritische Einrichtungen auszuliefern. Damit würde die Versorgung der Allgemeinheit direkt hinter den Bedarf systemrelevanter Bereiche zurücktreten.

Auch Paul de Leeuw vom Energy Transition Institute hält solche Schritte für realistisch. Er rechnet nicht mit einem völligen Ausfall der Ölversorgung, jedoch mit einer Phase strenger Priorisierung. Sein Vergleich mit den deutschen Sparmaßnahmen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zeigt die Richtung. Der Staat müsste dann nicht den Mangel verwalten, sondern gezielt entscheiden, wer zuerst beliefert wird und wer warten muss.

Großbritannien bleibt trotz anderer Lieferländer verwundbar

Zwar bezieht Großbritannien den Großteil seiner Ölimporte aus den USA und Norwegen, dennoch bleibt das Land dem Weltmarkt ausgeliefert. De Leeuw warnt, dass Tanker in Märkte umgeleitet werden könnten, die höhere Preise zahlen. Gerade in einer angespannten Lage zählt nicht nur die Herkunft des Öls, sondern auch die Zahlungsbereitschaft anderer Staaten. Deshalb kann eine globale Knappheit auch dann zur Rationierung führen, wenn die britischen Hauptlieferanten nicht direkt aus dem Golf kommen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem im Inland. Großbritannien verfügt nur noch über vier Raffinerien, während es in den 1970er Jahren noch 17 waren. Dadurch sinkt die Fähigkeit, Rohöl flexibel in Benzin, Diesel oder andere Produkte umzuwandeln. Diese schwächere Infrastruktur erhöht das Risiko, dass aus einem globalen Preisschock rasch ein nationaler Verteilungsengpass wird.


Erste Marktreaktionen zeigen, wie schnell sich die Lage zuspitzt

An einzelnen Tankstellen ist die Nachfrage bereits gestiegen, weil viele Autofahrer vor weiteren Preissprüngen noch schnell tanken wollen. Genau dieses Verhalten könnte eine spätere Rationierung beschleunigen. Butler warnt deshalb ausdrücklich vor Panikkäufen, falls die Krise drei oder vier Wochen andauert. Schon jetzt ist das Problem laut Autofahrerverbänden vor allem eine Preiskrise, jedoch könnte daraus rasch eine Versorgungskrise werden.

Brent-Öl lag zu Wochenbeginn bei rund 100 Dollar je Barrel und damit rund 50 Prozent über dem Vormonat. Der RAC erwartet deshalb weitere Aufschläge an den Zapfsäulen. Benzin könnte im Schnitt um 3 Pence auf 145 Pence je Liter steigen, Diesel sogar um 9 Pence auf 170 Pence. Während private Fahrer bereits stärker belastet werden, drohen zugleich höhere Kosten im Straßengüterverkehr. Da rund 80 Prozent der Waren im Vereinigten Königreich per Lkw transportiert werden, könnten auch Supermarktpreise weiter steigen.

Rationierung würde weit über Tankstellen hinaus wirken

Die Folgen einer Rationierung wären nicht auf Autofahrer begrenzt. Steigende Treibstoffkosten treffen zugleich Speditionen, Lieferketten und den Luftverkehr. Der Großhandelspreis für Kraftstoff ist seit dem 27. Februar um 32 Prozent gestiegen, während Kerosin seit Anfang März fast doppelt so teuer geworden ist. Damit wächst der Druck auf Fluggesellschaften, Ticketpreise anzuheben.

Air France-KLM rechnet bereits mit etwa 50 Euro höheren Economy-Tarifen auf Langstrecken, während Wizz Air sogar Risiken für den Gewinn sieht. Für Großbritannien wäre das jedoch nur ein Teil des Problems. Entscheidend bleibt die Frage, ob die Regierung aus der Preisexplosion eine kontrollierte Verteilung machen muss. Je länger die Blockade in der Straße von Hormus anhält, desto wahrscheinlicher wird genau dieses Szenario.

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