Mehr als 50.000 Haushalte litten nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz unter Ausfällen bei Strom und Heizung. Der Generalbundesanwalt hat bisher keine konkreten Hinweise auf die Täter und tappt weiterhin völlig im Dunkeln. Deshalb prüft die Behörde eine Belohnung, denn nur ein belastbarer Hinweis kann die Ermittlungen gegen die Vulkangruppe auf ein neues Fundament stellen (berliner-zeitung: 23.01.26).
Belohnung als Hebel – Ermittler setzen auf Hinweise aus dem Umfeld
Der Generalbundesanwalt erwägt eine Belohnung von bis zu einer Million Euro auszusetzen. Damit soll eine Prämie entstehen, die Mitwisser zum Reden bringt und Kontakte sichtbar macht. Dabei geht es auch um Details, die kein Bekennerschreiben liefern kann.

Das BKA arbeitet eng mit dem Verfahren, um Spuren zu verdichten und Kommunikationswege zu rekonstruieren. Dennoch fehlen bislang Namen, die Tatplanung und Ausführung in Verbindung bringen könnten. Der Anschlag auf das Stromnetz zeigt somit, wie konsequent eine konspirative Sabotage Ermittlungen ausbremsen kann. Allerdings legt der Anschlag auch offen, wie wenig linksextremistische Gruppierungen unter entsprechender Beobachtung der Sicherheitsbehörden stehen, denn die Vulkangruppe ist bereits seit Jahren für mehrere Anschläge verantwortlich.
Stromanschlag im Terror-Kontext – neue Einordnung, neue Zuständigkeit
Die Politik bewertet die Anschlagsserie inzwischen als Terrorismus und dadurch verschiebt sich der Fokus auf Bundesebene. Daher führt der Generalbundesanwalt das Verfahren gemeinsam mit dem BKA. Diese Sabotage traf kritische Infrastruktur und zielte auf maximale Wirkung im Alltag.
Die Vulkangruppe reklamiert seit Jahren Taten für sich und sie nutzt Bekennerschreiben als Propaganda-Instrument. Trotzdem ersetzt ein Text keine Beweise, wenn keine Spur zu Personen führt. Der Bundesanwalt braucht deshalb Hinweise, die sich verifizieren lassen und vor Gericht tragen.
Vulkangruppe und BKA: Fahndung, die auf Menschen zielt
Eine Belohnung kann das Schweigen am Rande Beteiligter eventuell brechen, denn im erweiterten Umfeld existiert oft Wissen über Logistik und Rückzugsorte. Gleichzeitig analysiert das BKA Netzwerke, mögliche Unterstützer und Bewegungsmuster. Das Kriminalamt achtet dabei auch auf Beschaffung und Anfahrtswege, weil gerade nach einem Stromanschlag solche Ketten selten zufällig bleiben.
Der Generalbundesanwalt braucht am Ende eine geschlossene Beweiskette. Allerdings gelingt das nur, wenn Hinweise präzise sind und sich unabhängig bestätigen lassen. Die Zelle bleibt deshalb im Visier, obwohl die Ermittler bislang keinen Zugriff melden.
Historische Maßstäbe und operative Ziele
Deutschland setzte auch früher auf hohe Summen, wenn Täter schwer greifbar blieben. Dennoch entscheidet nicht die Höhe allein, sondern die Qualität der Informationen. Eine Belohnung wirkt nur dann, wenn sie verwertbare Hinweise in konkrete Ermittlungsansätze übersetzt.
Im aktuellen Fall zählt jede Angabe, die Rollen klärt und Wege nachvollziehbar macht. Zudem kann eine einzige Quelle reichen, um Strukturen offenzulegen, statt auf Zufall zu warten. Genau darauf zielt der Generalbundesanwalt, gemeinsam mit dem BKA, im Umfeld der Vulkangruppe.
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