Gasspeicher-Verband warnt: Befüllung für den nächsten Winter wird zum Risiko

Die Gasversorgung in Deutschland ist für den restlichen Winter gesichert. Zugleich warnt der Gasspeicher-Verband Ines, dass die Wiederbefüllung der Speicher in den kommenden Monaten zu einem ernsten Risiko für den nächsten Winter werden kann. Auslöser sind die angespannten internationalen Gasmärkte und die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran, die zwar keine unmittelbaren technischen Ausfälle in Europa verursacht, jedoch die Preise auf den globalen LNG-Märkten stark erhöht. Weil dem Markt damit die wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung fehlen und die Speicher zugleich von historisch niedrigen Füllständen aus starten, wächst die Gefahr für Haushalte, Unternehmen und die Stabilität der nächsten Winterversorgung (welt: 17.03.26).


Hohe LNG-Preise machen die Speicherbefüllung zum Risiko

Nach Einschätzung von Ines liegt die eigentliche Herausforderung nicht mehr in diesem Winter, sondern in der Vorbereitung auf die nächste Heizperiode. Die gestiegenen LNG-Preise sorgen dafür, dass Händler und Versorger derzeit kaum wirtschaftliche Gründe haben, Gas in die Speicher einzulagern. Deshalb stockt genau jener Prozess, der im Sommer für eine sichere Versorgung im Winter entscheidend ist.

Ines warnt: Hohe LNG-Preise und niedrige Speicherstände machen die Befüllung der Gasspeicher für den nächsten Winter zum Risiko
Ines warnt: Hohe LNG-Preise und niedrige Speicherstände machen die Befüllung der Gasspeicher für den nächsten Winter zum Risiko

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von Ines, beschreibt die Lage eindeutig. „Die Versorgung für den restlichen Winter ist gesichert. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt vor uns – bei der Wiederbefüllung der Speicher für den kommenden Winter“, sagte er. Außerdem kritisierte er die bestehenden Regeln deutlich: „Der Status quo ist nicht tragfähig – bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind.“ Aus Sicht des Verbands steigt damit das Risiko, dass Deutschland trotz eines ruhigen Winters mit zu geringen Reserven in die nächste kalte Jahreszeit geht.

Straße von Hormus verschärft die Lage auf dem Weltmarkt

Die Sperrung der Straße von Hormus trifft Europa nicht direkt über Leitungen oder Speichertechnik. Dennoch wirkt sich die Blockade stark auf den Weltmarkt für Flüssigerdgas aus, weil wichtige Liefermengen aus den Golfstaaten fehlen. Während Europa weiter Gas beziehen kann, verteuert sich der Einkauf jedoch deutlich und erschwert den Aufbau der Vorräte.

Besonders schwer wiegt die Rolle Katars. Das Land zählt zu den wichtigsten LNG-Produzenten weltweit und kann wegen der Blockade einen Teil seines Gases derzeit nicht wie gewohnt verschiffen. Dadurch sinkt das Angebot am Weltmarkt, während zugleich die Konkurrenz um verfügbare Mengen wächst. Für Deutschland entsteht daraus kein akuter Versorgungsbruch, jedoch ein zusätzliches Risiko für Preise, Einkauf und rechtzeitige Speicherfüllung.


Verband fordert neue Regeln für die Gasversorgung

Der Verband hält deshalb eine Weiterentwicklung des gesetzlichen und regulatorischen Rahmens für notwendig. Nach seiner Einschätzung reichen die bisherigen Mechanismen nicht aus, um die Befüllung der Speicher auch unter schwierigen Marktbedingungen sicherzustellen. Wenn hohe Preise das Einspeichern unattraktiv machen, verliert der Markt aus Sicht der Betreiber seine Schutzfunktion.

Ines ist ein Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher. Nach eigenen Angaben repräsentiert der Verband mehr als 90 Prozent der deutschen und rund ein Viertel der Gasspeicherkapazitäten in der EU. Die Warnung hat daher politisches Gewicht und betrifft nicht nur einzelne Unternehmen. Entscheidend wird nun, ob die Politik rechtzeitig gegensteuert, damit aus der angespannten Marktlage kein Problem für die nächste Winterversorgung wird.

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