Gasmangel – jetzt droht auch noch ein Lieferausfall aus den Niederlanden

In den Niederlanden sind die Gasspeicher noch niedriger gefüllt als in Deutschland. Während die Speicherstände in Deutschland Ende Januar bei ca. 34 Prozent lagen, lagen diese in den Niederlanden zuletzt deutlich unter 30 Prozent. Diese Konstellation erhöht das Risiko, dass Gasströme Richtung Deutschland ausbleiben. Ein Lieferausfall aus den Niederlanden ist damit ein plausibles Szenario. Das gilt besonders dann, wenn die tiefen Temperaturen länger anhalten und die Entnahmen auch in den Niederlanden weiter hoch bleiben (apollo-news: 29.01.26).


Warum ein Lieferausfall aus den Niederlanden für Deutschland so gefährlich wäre

Die Niederlande sind für Deutschland Lieferland und Transitknoten zugleich. Ein Teil des Gases kommt aus eigener niederländischer Förderung und ein Teil erreicht Deutschland über LNG-Ströme. Außerdem laufen dort Netze zusammen, die Mengen Richtung Deutschland weiterleiten. Wenn der Speicherpuffer schrumpft, steigt der Druck, verfügbares Gas zuerst im Inland zu nutzen. Und genau dann wird ein Lieferausfall realistischer, selbst ohne formale Ankündigung.

Gasmangel: Speicherstände in den Niederlanden noch niedriger als in Deutschland – Kälte erhöht das Risiko für drohenden Lieferausfall
Gasmangel: Speicherstände in den Niederlanden noch niedriger als in Deutschland – Kälte erhöht das Risiko für drohenden Lieferausfall

Deutschland hängt am westlichen Korridor, weil große Importmengen aus oder über die Niederlande kommen. Norwegen bleibt zwar Nummer eins, doch die Niederlande bilden ein zweites Fundament. Wenn dieses Fundament wankt, steigen die Risiken für Industrie und Wärmeversorgung. Deshalb genügt bereits ein anhaltender Kälteblock, um aus einem Risiko ein Lieferausfall-Szenario zu machen.

Niedrige Speicherstände erhöhen den Stress im System

Niedrige Füllstände bedeuten, dass weniger Reserve für Lastspitzen bleibt. Gleichzeitig zählt die Entnahmegeschwindigkeit, weil sie den Puffer in kurzer Zeit weiter abräumt. Wenn sich diese Dynamik verstärkt, verschiebt sich das Verhalten von Marktteilnehmern. Versorger sichern sich früher und die Preise ziehen schneller an. Dadurch wird ein Lieferausfall oder eine Drosselung der Liefermengen wahrscheinlicher, weil jeder Staat zuerst Stabilität im eigenen Netz sucht.

Hinzu kommt die mittelfristige Lage in den Niederlanden. Die heimische Förderung sinkt und eine Rückkehr zu früheren Mengen gilt politisch als ausgeschlossen. Damit wächst die Abhängigkeit von Importen und LNG-Anlandungen. Je niedriger der Speicherstand, desto weniger lässt sich ein Ausfall externer Zuflüsse abfedern.

Mitteleuropa wirkt stabiler, aber es ersetzt die Westachse nicht

Einige Nachbarn stehen bei den Reserven besser da. Österreich hält deutlich höhere Füllstände und kann über Haidach auch Bayern beliefern. Tschechien besitzt ebenfalls spürbare Reserven und Polen liegt noch höher. Diese Puffer stabilisieren die Region, doch sie ersetzen keine großen Westflüsse. Wenn die Niederlande als Transit- und Lieferland schwächeln, entsteht für Deutschland trotzdem ein kritischer Punkt.

Belgien liefert ebenfalls Gas Richtung Deutschland, hat aber kaum Speicherkapazitäten. Der Puffer ist dort begrenzt und deshalb zählt die laufende Versorgung umso stärker. Sobald mehrere Faktoren gleichzeitig wirken, steigt die Anfälligkeit. Dann kann ein Lieferausfall im Westen schneller spürbar werden als ein Engpass im Osten.


Welche Signale auf einen drohenden Lieferausfall hindeuten

Ein Lieferausfall zeigt sich selten zuerst in politischen Statements. Er wird meist in den täglichen Flussdaten sichtbar, weil Grenzpunkte plötzlich weniger liefern. Parallel steigen dann die Entnahmen aus deutschen Speichern, weil kurzfristig ersetzt werden muss. Wenn zusätzlich die Temperaturen tief bleiben, verstärkt sich der Effekt. Dann wird aus einer Spekulation eine Lage, die der Markt aktiv einpreist.

Die Fakten erlauben deshalb einen nüchternen Schluss. Niedrige niederländische Speicher, niedrige deutsche Speicher und anhaltende Kälte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Gasströme nicht stabil bleiben. Ein Lieferausfall ist nicht bestätigt, aber er ist als Risiko klar erkennbar. Deshalb gehört die Niederlande-Achse aktuell zu den entscheidenden Stellschrauben der Versorgung.

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