In Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern soll ein funktionsfähiges Kraftwerk aus der Nord-Stream-Zeit in die Ukraine gehen. Die Anlage erwärmte früher russisches Pipelinegas, doch diese Aufgabe entfiel nach dem Ende der Gaslieferungen. Auslöser ist der schwere Energiemangel der Ukraine nach russischen Angriffen. Zugleich verliert Deutschland nutzbare Infrastruktur an einem wichtigen Energiestandort. Der Risikofaktor liegt deshalb im Abbau vorhandener Reservekapazität (nordkurier: 30.04.26).
Funktionsfähiges Kraftwerk stammt aus der Nord-Stream-Infrastruktur
Die Anlage gehörte zur technischen Infrastruktur am Standort Lubmin. Sie unterstützte früher den Betrieb der Gasleitungen. Außerdem konnte sie Energie für den Standort bereitstellen.

Nach dem Aus für russisches Gas änderte sich jedoch ihr Zweck. Die frühere Nutzung entfiel vollständig. Deshalb rückt nun der Transfer in die Ukraine in den Mittelpunkt.
Ukraine braucht Energieanlagen, Lubmin verliert Substanz
Die Ukraine braucht wegen des Krieges schnell verfügbare Technik. Russische Angriffe zerstörten Kraftwerke, Leitungen und Umspannwerke. Deshalb kann ein funktionsfähiges Kraftwerk dort akute Lücken schließen.
Für Lubmin bedeutet der Abbau jedoch einen Verlust. Der Standort besitzt Hafenanschluss, Industrieflächen und Energieinfrastruktur. Zugleich gilt genau diese Kombination als strategisch wertvoll.
Streit um Versorgungssicherheit nimmt zu
Deutschland sucht neue steuerbare Kraftwerke für Dunkelflauten. Wind und Solar liefern nicht jederzeit Strom. Deshalb gewinnt jede verfügbare Reserve an Bedeutung.
Kritiker sehen den Abbau daher als falsches Signal. Ein funktionsfähiges Kraftwerk verlässt Deutschland, während neue Kapazitäten erst entstehen müssen. Außerdem steigen die Anforderungen an Netzstabilität weiter.
Entscheidung bleibt politisch heikel
Befürworter verweisen auf die Lage der Ukraine. Dort fehlt Energieinfrastruktur nach massiven Kriegsschäden. Zugleich kann Deutschland mit Technik schneller helfen als mit langen Neubauprojekten.
Offen bleiben jedoch Kosten, Zeitplan und Transportfragen. Die Demontage dürfte komplex werden. Deshalb muss die Politik erklären, warum Lubmin diese Anlage verliert.
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