Frostschäden bei Wärmepumpen nach Stromausfall – Monoblock-Anlagen können platzen

Monoblock-Wärmepumpen können bei einem mehrtägigen Blackout schwere Frostschäden erleiden, weil ihre wasserführenden Bauteile außerhalb des Gebäudes stehen. Sobald der Strom ausfällt, stoppt die Umwälzpumpe und das Heizwasser zirkuliert nicht mehr durch die Außeneinheit. Bei Minusgraden könne Leitungen und Wärmetauscher einfrieren. Dabei dehnt sich das Eis aus und sprengt Rohre oder Bauteile. Genau dieses Muster drohte im Berliner Südwesten, wo rund 50.000 Haushalte betroffen waren, und anhaltende Kälte verschärft das Risiko für Frostschäden (businessinsider: 05.01.26).


So entstehen Frostschäden in der Außeneinheit – und warum Berlin besonders betroffen sein kann

Viele Betreiber unterschätzen die Frostschäden, denn die Anlage läuft im Alltag unauffällig. Monoblock-Geräte sitzen komplett draußen, also inklusive Verdichter und Wärmetauscher. Deshalb trifft sie ein längerer Stromausfall härter als Systeme mit mehr Technik im Haus. In Gebieten wie Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde dürften Wärmepumpen zudem häufiger stehen, weil dort viele Eigentümer modernisiert haben.

Frostschäden bei Wärmepumpen nach Blackout - so vermeiden Sie Totalschaden, Propan-Risiken und hohe Reparaturkosten bei Frost
Frostschäden bei Wärmepumpen nach Blackout – so vermeiden Sie Totalschaden, Propan-Risiken und hohe Reparaturkosten bei Frost

Das Problem sitzt im Heizwasserkreis, weil Heizwasser vom Haus zur Außeneinheit fließt und wieder zurück. Solange Strom anliegt, hält die Umwälzpumpe das Wasser in Bewegung und das Wasser in den Leitungen bleibt flüssig. Fällt die Versorgung weg, steht das Wasser still und Frost greift zuerst an ungeschützten, oberirdischen Abschnitten an. Dann entstehen Frostschäden oft schlagartig, weil das Eis die Bauteile von innen sprengt.

80 Prozent Monoblock – hohe Verbreitung erhöht das Frostschäden-Risiko

Die Berliner Heizungsinnung schätzt den Anteil der Monoblock-Bauart bei Luft-Wasser-Wärmepumpen auf rund 80 Prozent und damit steigt die Zahl potenziell gefährdeter Anlagen. Das Fachportal IKZ Select warnte bereits vor trügerischer Sicherheit, obwohl viele Installationen technisch sauber wirken. Entscheidend bleibt der Schadensmechanismus. Die IKZ formuliert diesen drastisch: „Fakt ist: Friert der Wärmetauscher ein und platzt dadurch, kommt das einem Totalschaden der Wärmepumpe gleich“.

Ein solcher Totalschaden trifft Betreiber doppelt, weil neben den Kosten auch die Zeit fehlt. Hersteller-Services kommen teils erst nach Wochen und das Haus bleibt in dieser Phase ohne verlässliche Wärmequelle. Danach beginnen oft Diskussionen mit Versicherern oder Vertragspartnern. Wer Frostschäden vermeiden will, braucht deshalb eine klare technische Strategie.

Dämmung, Ventile, Entleerung: Was gegen Frostschäden hilft und wo Grenzen liegen

IKZ rät zu massiver Rohrdämmung bis hin zur „200-Prozent-Dämmung“, jedoch scheitert das oft an der Praxis. Viele Installateure vermeiden riesige Mauerdurchbrüche von 40 oder 50 Zentimetern, weil sie baulich kaum passen. Außerdem bringt Dämmung nur Zeit, denn sie „verzögert die Auskühlung der Rohrleitungen lediglich, verhindern lässt sie sich nicht.“ Bei mehreren Frosttagen kann selbst eine dicke Hülle verlieren, obwohl sie kurzfristig schützt.

Technisch robuster wirken Absperr- und Entleer-Möglichkeiten nahe der Außeneinheit, weil Betreiber dann gezielt reagieren können. Ein klassisches thermostatisches Frostventil öffnet bei niedriger Temperatur und lässt Heizwasser ab, sodass im Wärmetauscher zu wenig Wasser für zerstörerischen Druck bleibt. Das Ventil kostet allerdings Energie, weil es ungedämmt bleibt und Wärme entweichen lässt. Eine Innenvariante reduziert Verluste, doch der Betreiber muss sie manuell öffnen, sobald sich ein langer Stromausfall abzeichnet.

Skandinavischer Frostschutzkreislauf – weniger Frostschäden, aber spürbarer Effizienzverlust

In Skandinavien lösen viele Systeme das Risiko anders, weil dort Winter lange und kalt ausfallen. Betreiber nutzen häufig einen zusätzlichen Außenkreislauf mit Frostschutzmittel, während das normale Heizungswasser im Haus bleibt. Dadurch sinkt die Gefahr von Frostschäden am wasserführenden Teil, weil draußen kein reines Heizungswasser mehr steht. Das System arbeitet stabiler, aber es kostet Effizienz.

IKZ nennt dafür eine konkrete Größe, denn ein Wasser/Glykol-Gemisch mit etwa 25 Prozent Glykol senkt die Effizienz um rund 15 Prozent. Trotzdem akzeptieren viele Betreiber den Nachteil, weil sie Ausfälle im Frost vermeiden wollen. In Schweden fällt die Rechnung leichter, weil der Strompreis dort regelmäßig unter 25 Cent pro Kilowattstunde liegt. Deutschland diskutiert dagegen stärker über Kosten, obwohl Resilienz bei Stromausfällen an Bedeutung gewinnt.


R290-Propan – wenn Frostschäden den Wärmetauscher sprengen, entsteht im Extremfall Explosionsgefahr

Besonders kritisch wird das Thema, wenn Monoblock-Wärmepumpen mit R290 (Propan) arbeiten, denn Propan brennt. Der Ingenieur Hans-Peter Höcker beschreibt den technischen Ablauf so: „Wenn der Wärmetauscher im Außengerät platzt, dann kommt Kältemittel ins Wasser und in den Heizkreislauf und könnte im Keller austreten“, und weiter: „Da wäre dann natürlich Explosionsgefahr.“ Er ergänzt zugleich: Er wolle „niemandem Angst machen, sondern nur rein technisch-physikalisch erklären, was da passieren kann.“

Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) untersuchte Ende 2020 eine Explosion an einem unbewohnten Haus. Der Bericht beschreibt eine Kette aus Frost, Leckage und Gasfreisetzung. Dort heißt es: „Zunächst fror das Wasser aus dem Sekundärkreislauf ein — obwohl die Heizung laut ausgelesenem Betriebsprotokoll im ‚Heizbetrieb‘ war“, und das Eis drückte Verbindungen auseinander. Nach dem Auftauen entwich Gas in den Heizkreis und trat im Gebäude aus, bevor es sich entzündete. IFS-Gutachter Matthias Klager schreibt als Fazit, „sammelte sich das Propangas dort und wurde zum Beispiel durch einen Zünd- bzw. Schaltfunken zur Verpuffung gebracht“.

Checkliste nach dem Stromausfall – so erkennen Betreiber Frostschäden und handeln sicher

Klager empfiehlt Betreibern von R290-Wärmepumpen, vorhandene Druckanzeigen am Außengerät zu prüfen, denn ein geringer Druck kann auf ausgetretenes Propan hindeuten. Im Zweifel sollten Fachbetriebe die Anlage prüfen, und bei Anzeichen für Gasaustritt müssen Betreiber die Feuerwehr rufen. Felix Förster von der Deutschen Sanierungsberatung erwartet zwar keine Schadenswelle, dennoch rät er zur Vorsicht vor dem Neustart. Betreiber sollten Eisreste in der Außeneinheit vorsichtig entfernen, gegebenenfalls mit einem Föhn und zugleich auf ungewöhnliche Geräusche achten.

Auch Hersteller betonen Schutzkonzepte, jedoch bleibt der technische Grundsatz bestehen, dass Frostschäden Bauteile zerstören können. Stiebel Eltron sagt: „Ein Plattenwärmeaustauscher muss nicht zwingend zerstört werden bei einmaligem Einfrieren“, ergänzt aber: „Die Möglichkeit ist jedoch gegeben.“ Das Unternehmen erklärt außerdem: „Grundsätzlich sind unsere Propan-Wärmepumpen aufgrund unseres Sicherheitskonzepts in allen Zuständen zu 100 Prozent sicher“, und bei Stromausfall schließe ein Absperrventil automatisch. Zudem erkenne die Wärmepumpe Kältemittelverlust und starte nach Rückkehr des Stroms nicht selbsttätig, wodurch Betreiber Risiken besser kontrollieren können.

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