Frostschäden aus dem Jahr 2024 sind der Auslöser, warum das neue Kreis-Parkhaus in Wetzlar wieder verschwinden soll. Der Neubau am Karl-Kellner-Ring steht seit zwei Jahren leer, obwohl er dringend gebraucht wird. Jetzt plant der Lahn-Dill-Kreis den Abriss und einen kompletten Neubau am selben Standort. Bevor das erste Auto einfahren konnte, endet das Projekt im Totalschaden (hessenschau: 13.02.26).
Frost 2024 – Meterlange Risse, Bauteile geplatzt
Der Schaden kam mit dem Frost im Jahr 2024 und er traf den Rohbau ins Mark. In den Parkhausebenen platzten Hohldielen auf, zudem entstanden Brüche über 16 bis 18 Meter Länge. Der Kreis macht dafür vor allem einen Fehler des Bauunternehmens verantwortlich. Es habe wohl nicht genügend Entwässerungsbohrungen gesetzt, erklärt Sabine Amelung-Hildebrand, Justiziarin der Kreisverwaltung.

Gleichzeitig stehen weitere Beteiligte im Raum, weil das Problem nicht nur nach einem Einzelversagen aussieht. Auch der Architekt und ein Material-Lieferant könnten mitverantwortlich sein. Das müsste am Ende ein Gericht bewerten, doch ein Prozess würde Jahre dauern.
Neubau statt Prozess: Firma soll zahlen und wieder aufbauen
Der Kreis will diese Zeit nicht verlieren und er will keine teure Dauerbaustelle sichern müssen. Deshalb greift er einen Vorschlag des Unternehmens auf: Rückbau und Neubau, bezahlt durch die Baufirma. Der Rohbau soll bis auf den Keller verschwinden, anschließend soll ein „Systemparkhaus“ entstehen.
Geplant ist ein Stahlgerüst mit spezialangefertigten Betonplatten sowie einer Holzfassade. Die Stahlstützen könnten dort stehen, wo heute die Betonstützen sitzen, sodass die Statik neu gedacht wird, aber die Grundlogik bleibt. Am Ende soll es mindestens genauso viele Stellplätze geben wie im bisherigen Neubau. Auch die Zufahrt soll gleich bleiben, während der Landkreis Elektronik und Schrankenanlage übernimmt.
Gremien und Baurecht: Noch ist nichts endgültig
Trotz der harten Ansage ist die Sache noch nicht unterschrieben. Die Einigung muss detailliert ausgearbeitet werden, und danach müssen die Kreisgremien zustimmen. Zusätzlich braucht es Gespräche mit der Stadt, weil das Baurecht klären muss, ob ein neuer Bauantrag erforderlich wird. Ohne diese Schritte bleibt der Abriss nur ein Plan, auch wenn der politische Druck steigt.
9,5 Millionen Euro für ein Parkhaus, das zweimal entsteht
Finanziell wird das Projekt zum Lehrstück, weil am Ende ein Parkhaus zweimal gebaut wird. Der Kreis kalkuliert derzeit mit rund 9,5 Millionen Euro. Das sind etwa drei Millionen Euro mehr als in den ersten Planungen, liegt aber noch unter dem im Haushalt vorgehaltenen Budget von 10,2 Millionen Euro. Für die Öffentlichkeit bleibt dennoch der Eindruck: Erst gebaut, dann zerstört, dann neu.
Der Bedarf ist klar, denn 300 Stellplätze sind eine verpflichtende Bauauflage nach dem Ausbau der Kreisverwaltung. Bis dahin mietet der Kreis Ersatzparkmöglichkeiten an und nutzt alternative Flächen in der Umgebung. Das hält den Betrieb am Laufen, doch es verlängert das Provisorium. In Wetzlar zeigt sich damit ein teures Muster: Wenn Baufehler und Wetter zusammenkommen, wird aus dringend benötigtem Parkraum ein Abrissauftrag.
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