Wissenschaftler von Fraunhofer Austria haben im Forschungsprojekt „iLESS“ einen Prototypen entwickelt, der die Wirtschaftlichkeit privater Batteriespeicher für Photovoltaik-Anlagen berechnet. Im Kern geht es um die Frage, welche Speichergröße sich unter realen Bedingungen rechnet. Die Auswertung von Testhaushalten zeigt jedoch ein klares Risiko. Viele private Speicher fallen zu groß aus und amortisieren sich erst sehr spät. In einem typischen Haushalt mit üblichen Geräten und Wärmepumpe braucht selbst ein 5-kWh-Speicher rund acht Jahre bis zur Kostendeckung. Eine häufig empfohlene 10-kWh-Batterie arbeitet laut Studie meist nicht wirtschaftlich. Das schmälert den Nutzen für Betreiber, weil Batterien nur eine begrenzte Lebensdauer haben und Fehlentscheidungen teuer werden können (ingenieur: 27.03.26).
Rechner soll Fehlkäufe bei Batteriespeichern vermeiden
Für viele Besitzer einer PV-Anlage ist die Speicherfrage zentral, weil ein Akku den Eigenverbrauch erhöhen kann. Dennoch fehlt oft ein frei zugängliches Werkzeug, das eine belastbare Auswahl ermöglicht. Genau hier setzt das Team von Fraunhofer Austria an, denn bisher scheiterte die Entscheidung oft nicht an fehlenden Daten, sondern an der Auswertung.

„Wir haben in unserer Recherche zu erneuerbaren Energien festgestellt, dass es keine frei verfügbaren Rechner gibt, die es Privatpersonen ermöglichen, den für sie optimalen Batteriespeicher auszuwählen“, sagt Marco Hudelist vom Fraunhofer Austria Innovationszentrum Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Deshalb entwickelte das Team ein prototypisches Planspiel, das als Machbarkeitsnachweis dient. Ziel war nicht nur eine technische Demonstration, sondern zugleich mehr Transparenz für private Betreiber.
Testhaushalte zeigen klare Grenzen großer Speicher
Die Ergebnisse aus den Beispielhaushalten fallen ernüchternd aus. Ein Speicher mit 5 kWh erreicht seine Amortisation erst nach acht Jahren, obwohl diese Größe schon deutlich kleiner ist als viele Marktangebote. Eine 10-kWh-Batterie erwies sich im untersuchten typischen Haushalt dagegen als überdimensioniert und wirtschaftlich unattraktiv.
Gerade dieser Punkt ist brisant, weil Anbieter oft größere Speicher empfehlen. Die Simulation macht jedoch sichtbar, ob ein Akku im Alltag überhaupt regelmäßig voll geladen wird. „Man sieht in der Simulation genau, ob eine Batterie mit einer bestimmten Größe in dieser Konfiguration überhaupt jemals voll werden würde, wann Strom ins Netz gespeist und wann Batteriestrom verbraucht werden würde“, erläutert Claudia Maußner, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Fraunhofer Austria.
Smartmeter-Daten reichen oft für eine belastbare Bewertung
Die Grundlage für solche Berechnungen ist überschaubar, und deshalb könnte ein solcher Rechner vielen Haushalten helfen. Benötigt werden unter anderem der Wirkungsgrad von PV-Anlage und Batterie, der Preis des Speichers pro Kilowattstunde, die Installationskosten, der Strompreis für Netzbezug sowie die Vergütung für eingespeisten Strom. Zusätzlich braucht das Programm ein Lastprofil, das Verbrauch und Erzeugung im zeitlichen Verlauf abbildet, und genau diese Daten liefern moderne Smartmeter.
Aus diesen Angaben lässt sich simulieren, wie sich der Ladezustand des Speichers im Tages- und Jahresverlauf verändert. Am Ende entsteht eine Übersicht, die verschiedene Batteriegrößen direkt ihrer Amortisationszeit gegenüberstellt. Das ist für Betreiber wichtig, weil eine Batterie mit rund zehn Jahren Lebensdauer wirtschaftlich nur begrenzten Spielraum lässt und späte Rückzahlungen das Investitionsrisiko erhöhen.
Wirtschaftlichkeit ist nicht alles, doch Transparenz bleibt entscheidend
Fraunhofer betont zugleich, dass die Entscheidung nicht nur vom Geld abhängen muss. Wer mehr Unabhängigkeit vom Stromnetz anstrebt, kann sich bewusst für einen größeren Speicher entscheiden, auch wenn sich dieser finanziell nicht rechnet. „Die Entscheidung muss aber nicht allein auf der Amortisationszeit beruhen. Natürlich kann man sich im Sinne der Autarkie ganz bewusst für eine größere Batterie entscheiden, auch wenn diese sich wirtschaftlich nicht rechnet.“
Noch ist das Programm keine fertige Marktlösung, sondern ein Prototyp aus einem Forschungsprojekt. Vor der Nutzung ist derzeit noch manuelle Datenaufbereitung nötig, weshalb private Anwender das Tool nicht sofort einsetzen können. Das Team sucht deshalb Partner für die Weiterentwicklung, während der öffentliche Sektor, Hersteller von Batterien und PV-Anlagen sowie andere Akteure die Idee zu einer produktiven Software ausbauen könnten.
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