Frankreich macht Schluss mit den Umweltzonen in vielen Städten. Das System traf vor allem Autofahrer mit älteren Autos und damit oft Menschen mit kleinem Budget. Mobilität wurde zur Kostenfrage, obwohl viele auf das Auto angewiesen sind. Gleichzeitig wuchs der politische Druck, weil die Ungerechtigkeit den Alltag spürbar einschränkten (lemonde: 21.01.26).
20. Januar 2026: Abschaffung im Vermittlungsgremium als bestätigt
Wichtig ist die Verfahrensstufe. Am 20. Januar 2026 wurde die Abschaffung der Zonen als bestätigt im Vermittlungsgremium, der Commission mixte paritaire (CMP), in den Kompromisstext aufgenommen. Dieses Gremium aus Abgeordneten und Senatoren einigte sich auf den Text zum Gesetz zur „Vereinfachung des Wirtschaftslebens“. Zudem folgten danach die Schlussabstimmungen in den beiden Kammern, die den Kompromiss formal absicherten.

Aus Sicht vieler Parlamentarier ging es nicht mehr nur um Luftwerte. Es ging um Zugang zu Arbeit, Terminen und Versorgung. Wer ein älteres Auto fährt, lebt nicht automatisch unvernünftig. Allerdings fehlten vielerorts realistische Alternativen, vor allem außerhalb großer Metropolen, was zur sozialen Ungerechtigkeit geführt hat. Diese soziale Ungerechtigkeit wiegt nach Ansicht vieler Politiker schwerer als der ökologische Nutzen.
Umweltzonen seit 2015 – Alltagseffekt statt Theorie
Seit 2015 galten in französischen Innenstädten ZFE-Regeln. Ältere Fahrzeuge wurden in vielen Bereichen ausgeschlossen. Das traf Pendler vom Land besonders hart, weil Bahn und Bus nicht überall funktionieren. Deshalb wirkte die Maßnahme wie ein Filter, der nach Einkommen sortiert.
Handwerker spürten die Folgen ebenfalls. Materialtransporte lassen sich nicht beliebig aufschieben. Kunden erwarten Verlässlichkeit, und Baustellen liegen oft in regulierten Zonen. Außerdem kostet ein Fahrzeugwechsel schnell fünfstellige Summen, die viele Betriebe nicht frei haben.
Politischer Druck: RN setzt Thema auf die Tagesordnung
Der Rassemblement National machte die Abschaffung zum strategischen Ziel. Am 28. Mai brachten RN-Abgeordnete einen Abschaffungsartikel in ein Reformpaket ein. Dieses Paket trug den Titel „Vereinfachung des Wirtschaftslebens“ und lief im Parlament als größeres Vorhaben. Dadurch bekam das Thema mehr Reichweite und mehr Abstimmungsdynamik.
Am 17. Juni bestätigte eine Mehrheit das Gesamtpaket. Damit stand das Ende der ZFE politisch praktisch fest. Dennoch blieb die CMP am 20. Januar der entscheidende Punkt, weil sie den Kompromiss endgültig glättete. Erst danach ließ sich der Kurswechsel als parlamentarisch abgesichert darstellen.
Interview-Stimmen: „punitiven Ökologie“ und „Erleichterung“ als Kernbotschaften
Marine Le Pen beschrieb die ZFE als „punitiven Ökologie“. Sie meint damit eine Umweltpolitik, die über Verbote und Sanktionen steuert. Gleichzeitig sprach sie von einer großen Erleichterung für Millionen Autofahrer. Ihre Botschaft zielte klar auf Alltag und Geldbeutel, nicht auf Debatten im Expertenmodus.
Der Abgeordnete Pierre Meurin wertete das Ergebnis als weiteren Erfolg der RN-Fraktion. Damit verband er einen politischen Anspruch: Regeln sollen sich am realen Leben messen lassen. Währenddessen rückten andere Lager von einer harten Verteidigung der ZFE ab, weil der Widerstand dauerhaft blieb. So gewann der soziale Aspekt am Ende die Mehrheit.
Was der Schritt praktisch bedeutet – und warum Deutschland hinschaut
Für viele Fahrer bedeutet das Aus weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit. Wege zur Arbeit, zum Arzt oder zu Kunden werden wieder einfacher. Gleichzeitig nimmt der Druck ab, kurzfristig ein neues Auto kaufen zu müssen. Das verändert den Alltag sofort, weil Mobilität wieder verlässlicher wird.
Deutschland verfolgt diese Entwicklung aufmerksam. Auch hier gibt es Regeln, die Fahrzeuge aus bestimmten Bereichen fernhalten. Frankreich zeigt jedoch, wie schnell Akzeptanz kippt, wenn eine Maßnahme als ungerecht gilt. Schließlich stellt sich die Frage, ob Politik Mobilität als Grundbedürfnis behandelt oder als Steuerungshebel gegen bestimmte Gruppen.
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