In Norwegen heizen rund 73 Prozent der Haushalte mit Strom. Genau das macht viele Gebäude bei einem Blackout verwundbar. Bei längeren Stromausfällen bricht die Wärmeversorgung schnell ein. Norwegen schreibt deshalb in der Bauvorschrift TEK17 für Neubauten einen Schornstein vor, der ausdrücklich für die spätere Montage einer stromunabhängigen Feuerstätte ausgelegt sein muss.
Schornsteinpflicht schafft Reserve, wenn der Strom weg ist
Norwegens Bauregeln verlangen bei vielen neuen Wohnhäusern eine zweite Heiz-Option. Dabei geht es nicht um zwei dauerhaft betriebene Systeme, sondern um Nachrüstbarkeit. Konkret muss das Gebäude einen Schornstein bekommen, damit später ein Ofen zur Befeuerung mit Holz angeschlossen werden kann.

Die Vorgabe wird in offiziellen Regeltexten so beschrieben: „Ein Schornstein muss errichtet werden und für die spätere Montage einer Feuerstätte vorbereitet sein.“ Damit erzwingt der Staat eine technische Alternative zum Netzstrom. Gleichzeitig bleibt die Entscheidung über die tatsächliche Nutzung beim Eigentümer.
Fernwärme und wassergeführte Lösungen zählen ebenfalls als zweite Option. Allerdings greifen dafür Ausnahmen, wenn solche Systeme bestimmte Wohnbereiche zuverlässig abdecken. Dadurch kann der Schornstein entfallen, jedoch nur unter klaren Bedingungen.
Feuerstätte statt „Clever Fix“ – Norwegen zieht Sicherheitslinien
Viele Heizformen hängen indirekt am Strom und das betrifft auch Fernwärme. Denn Pumpen, Steuerungen und Verteilung im Haus benötigen Energie. Fällt der Strom länger aus, kühlt auch ein sehr gut gedämmtes Haus schrittweise aus.
Genau hier setzt der Vorsorge-Ansatz an. Eine moderne Holzheizung läuft ohne Netzanschluss, sofern Brennholz verfügbar bleibt. Deshalb wird Holz im Text zur Preparedness als verlässlichste Reserve dargestellt.
Wer nur einen Schornstein hat, aber keinen Ofen, steht im Ernstfall trotzdem schlecht da. Provisorische Lösungen mit Gas oder brennbaren Flüssigkeiten über den Schornstein gelten laut Text als illegal und riskant. Stattdessen verlangt Norwegen geprüfte Geräte und eine Abnahme durch Fachleute.
Kein Ofenzwang, aber klare Technik-Standards
Die Baupflicht wirkt paradox, weil sie keinen Einbau eines Ofens erzwingt. Eigentümer tragen also die Mehrkosten für den Schornstein, können den Ofen aber weglassen. Dadurch bleibt die Reserve theoretisch vorhanden, jedoch fehlt sie praktisch oft.
Wenn später eine Feuerstätte installiert wird, setzt Norwegen auf moderne Technik. Alte Holzöfen sind nicht zulässig und der Markt soll auf „clean-burning“-Geräte umstellen. So verbindet die Vorschrift Vorsorge mit Emissionskontrolle.
Unterm Strich steht ein harter Kern: Norwegen will, dass Neubauten bei Stromausfall nicht ohne Ausweg bleiben. Deshalb schreibt das Baurecht eine zweite Heiz-Option vor, und das landet am Ende im Bauplan. Wer die Reserve nicht gleich nutzt, kann sie später nachrüsten, jedoch nur innerhalb der Sicherheitsregeln. (KOB)
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