Fernwärme-Versorger wollen Wärmepumpen-Förderung in ihren Anschlussgebieten streichen

Städte und kommunale Versorger planen milliardenschwere Projekte für neue Wärmenetze und investieren dafür langfristig in Rohrtrassen, Übergabestationen und Erzeugungskapazitäten. Gleichzeitig wächst bei den Betreibern die Sorge, dass ihnen am Ende die Kunden wegbrechen. Viele Eigentümer könnten sich schon vor Fertigstellung der Leitung für eine eigene Wärmepumpe entscheiden, weil die Förderung attraktiv ist und sie sofort handeln wollen. Genau deshalb verlangt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) als Interessenvertretung vieler Stadtwerke und Netzbetreiber, die Wärmepumpen-Förderung in klar festgelegten Fernwärme-Ausbaugebieten zu streichen. Der VKU begründet das mit dem Risiko einer doppelten Förderung und mit fehlender Planungssicherheit für Investitionen in Milliardenhöhe (welt: 07.02.26).


Förder-Stopp als Hebel für verlässliche Wärmenetze

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert, die Förderung in klar definierten Ausbaugebieten zu beenden. „Eine Doppelförderung von Wärmenetzen und Wärmepumpen ist keine gute Idee“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Zudem erklärte er: „Dort, wo das Ausbaugebiet feststeht, sollte die Förderung für Wärmepumpen deshalb entfallen.“ Damit will der Verband Investitionen absichern und Planungssicherheit schaffen.

Versorger fordern Stopp der Wärmepumpen-Förderung in Fernwärmegebieten, um ihre Investitionen in neue Netze wirtschaftlich zu sichern
Versorger fordern Stopp der Wärmepumpen-Förderung in Fernwärmegebieten, um ihre Investitionen in neue Netze wirtschaftlich zu sichern

Allerdings geht es nicht nur um Fördertechnik, sondern um ein Grundproblem der Wärmewende in Städten. Kommunen weisen Gebiete für Neu- oder Ausbau aus, doch die Nutzung bleibt oft freiwillig. Genau diese Lücke treibt die Kostenrisiken für die Fernwärme-Versorger nach oben. Der Deutsche Städtetag warnt deshalb vor einem System, das Investitionen erzwingt, aber keine Abnahme garantiert.

Streit um GEG und Heizungsförderung eskaliert

Zusammen mit weiteren Verbänden verlangt der VKU Änderungen am Gebäudeenergiegesetz (GEG) und an der Heizungsförderung. Im Fokus steht die Wettbewerbsfrage zwischen Wärmenetzen und Einzelheizungen. In einem Konzeptpapier heißt es: „Die Schlechterstellung von leitungsgebundenen Netzen gegenüber gebäudebezogenen Einzelheizlösungen ist zu beseitigen“. Zu den Verfassern zählen unter anderem GdW, HDB und VKU, und sie wollen damit die Investitionslogik der Wärmenetze stärken.

Außerdem kritisieren die Verbände der Fernwärme-Versorger die starke Betonung der Gebäudeeffizienz im bisherigen Rahmen. Sie drängen auf einen Kurs, der Netze systematisch als Infrastruktur behandelt. Das betrifft auch die kommunale Wärmeplanung, weil sie Leitplanken für ganze Quartiere setzt. Dennoch bleibt ohne klare Anreize das Risiko für die betroffenen Stadtwerke, dass jeder Haushalt einzeln optimiert und das Netz leer läuft.


Milliardenpläne treffen auf Freiwilligkeit der Eigentümer

Der Städtetag bringt es mit Blick auf die Praxis auf den Punkt. „Wenn die Städte Gebiete für den Neu- oder Ausbau von Wärmenetzen ausweisen, besteht keine Verpflichtung für die Eigentümer, die Wärmeinfrastruktur zu nutzen“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt. Damit kollidieren öffentliche Ausbauziele und private Investitionsentscheidungen direkt. Zugleich steigen die Anforderungen an Versorger, die über Jahrzehnte kalkulieren müssen.

Dazu kommt ein enger Zeitplan für große Städte. Bis Ende Juni dieses Jahres müssen Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern fertige Planungen für neue Fernwärmestrukturen vorlegen. Der Deutsche Städtetag rechnet mit mehr als 43 Milliarden Euro Ausbaukosten bis 2030. Deshalb wächst der Druck, Regeln so zu setzen, dass Fernwärme-Projekte nicht an einem Förderwettlauf gegen die Wärmepumpe scheitern.

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