In Chemnitz zieht die evangelische Gemeinde von Schlosskirche und St. Petrikirche wegen drastisch gestiegener Fernwärmekosten die Reißleine. Nach einer Vertragsumstellung durch den Energieversorger hat sich vor allem die jährliche Grundpauschale laut Gemeinde auf das Drei- bis Vierfache der bisherigen Heizkosten erhöht, weshalb der Kirchenvorstand die Heizung der zentral gelegenen Stadtkirche St. Petri stillgelegt hat. Deshalb kann die Kirche vorerst nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden. Besonders gravierend ist die Folge in der kalten Jahreszeit, weil weder Ostergottesdienste noch Konzerte mit professionellen Musikern dort stattfinden können. Die Gemeinde weicht zugleich auf die kleinere Schlosskirche aus, während auch weitere große Kirchen in Chemnitz unter derselben Preisstruktur leiden (welt: 26.03.26).
Chemnitz trifft vor allem die neue Grundpauschale
Der starke Kostenschub geht nach Angaben der Gemeinde nicht nur auf den Verbrauch zurück. Entscheidend ist vielmehr das neue Preismodell. Allein die jährliche Grundpauschale liegt jetzt demnach beim Drei- bis Vierfachen der bisherigen Heizkosten. Das belastet die Gemeinde massiv, obwohl Kirchenräume nur an wenigen Tagen im Jahr wirklich stark beheizt werden.

Genau darin liegt jedoch das wirtschaftliche Kernproblem. Kirchengemeinden heizen große Gebäude meist nur zu Gottesdiensten, Feiertagen oder besonderen Veranstaltungen. Laut Gemeinde sind das oft nur 20 bis 40 Tage pro Jahr. Eine hohe feste Grundgebühr trifft solche Nutzer deshalb besonders hart, weil selbst geringer Verbrauch die Gesamtkosten nicht mehr abfedert.
Konzerte, Gottesdienste und der Betrieb geraten ins Wanken
Mit dem Heizstopp verliert St. Petri in der kalten Jahreszeit einen großen Teil ihrer Funktion. Das betrifft nicht nur reguläre Gottesdienste, sondern außerdem Konzerte mit professionellen Musikern. Instrumente brauchen eine vertraglich gesicherte Mindesttemperatur, und diese lässt sich ohne Heizung nicht einhalten. Deshalb fallen die Ostergottesdienste in diesem Jahr in St. Petri aus.
Die Gemeinde nutzt stattdessen die kleinere Schlosskirche, doch auch dort steigt der finanzielle Druck stark. Nach ihren Angaben liegen die Heizkosten für die Schlosskirche inzwischen höher als früher die Ausgaben für beide Kirchen zusammen. Das zeigt die Dimension der Belastung sehr deutlich. Zugleich bleibt offen, ob in Chemnitz künftig auch Gottesdienste in unbeheizten Kirchenräumen stattfinden. Betroffen sind nach Angaben der Gemeinde insgesamt vier große Stadtkirchen mit Fernwärmeanschluss, weshalb das Problem weit über St. Petri hinausreicht.
Lesen Sie auch:
