Falsche Eichen gepflanzt – Ausgleichswald für A14 soll wieder abgeholzt werden

Ein großflächiger Mischwald bei Gardelegen steht vor dem Aus – und das nur sechs Jahre nach seiner Pflanzung. Der Grund: Die dort gesetzten Eichen stammen nicht aus den gesetzlich vorgegebenen Herkunftszonen. Obwohl die jungen Bäume gesund wirken und gut gewachsen sind, droht nun ihre Rodung. Diese Ausgleichsfläche, angelegt wegen des Ausbaus der A14, war eigentlich ein Symbol für ökologische Verantwortung. Doch nun entwickeln sich daraus ein bürokratisches Dilemma, wachsender Bürgerprotest, steigende Kosten und massive Kritik an der Forstpolitik (mdr:17.11.25).


Herkunft der Eichen sorgt für rechtliche Probleme

Auf den ersten Blick wirkt das Waldstück zwischen Seethen und Hottendorf unauffällig. Hinter einem hohen Wildschutzzaun wächst ein junger Bestand aus Eichen, Hainbuchen, Birken und Ahorn. Die Pflanzung gilt als gut gelungen. Dennoch steht fest: Die Bäume stammen nicht aus den für Sachsen-Anhalt vorgeschriebenen Zonen. Diese Vorschriften sollen die Anpassungsfähigkeit an Schädlinge und Trockenperioden sichern.

Streit um falsch gepflanzte Eichen in Sachsen-Anhalt - ein gesunder Ausgleichswald könnte trotz guter Entwicklung komplett gerodet werden
Streit um falsch gepflanzte Eichen in Sachsen-Anhalt – ein gesunder Ausgleichswald könnte trotz guter Entwicklung komplett gerodet werden

Forstminister Sven Schulze verweist auf Risiken, die bei ungeeigneter Herkunft entstehen können. Schlechteres Wachstum oder eine höhere Sterblichkeit seien möglich, vor allem bei sensiblen Arten wie Stieleiche oder Traubeneiche. Dennoch lässt Schulze prüfen, ob der Bestand trotz Regelverstoß erhalten bleiben kann.

Eichen-Rodung trotz gesunder Entwicklung?

Im betroffenen Mischwald zeigen sich kaum Probleme. Die Eichen haben ihre Wurzeln tief in den trockenen Altmarkboden geschlagen. Auch andere Arten wie die Rotbuche, ein naher Verwandter der Eiche, entwickeln sich positiv. Die Fläche erfüllt bisher ihre Funktion als naturnaher Ausgleichsraum für das Infrastrukturprojekt.

Laut Forstbehörden entspricht die Pflanzung jedoch nicht den gesetzlichen Anforderungen – ein klassischer Fall von falsch geliefertem Saatgut. Die Schuldfrage richtet sich daher gegen das beauftragte Unternehmen. Dieses muss im Zweifelsfall nicht nur für den Schaden aufkommen, sondern auch Ersatzflächen bereitstellen.

Bürgerprotest gegen geplante Rodung

Im nahegelegenen Seethen regt sich heftiger Bürgerprotest. Ortsbürgermeister Gerald Adler kritisiert, dass ein sichtbar erfolgreicher Bestand ohne Not vernichtet werden soll. Man fordere stattdessen eine Nachbesserung durch standortgerechte Ergänzungspflanzungen, nicht durch Kettensägen. Auch Jens Neumann, Angestellter in der Autozulieferindustrie, plädiert für eine fachlich fundierte Neubewertung der Situation. Die örtliche Bevölkerung versteht nicht, warum ein junger Wald trotz guter Entwicklung geopfert werden muss.

Christian Glatz, ein Bäckermeister aus der Region, spricht von einer absurden Entscheidung. Vielmehr solle man den bereits gewachsenen Bestand erhalten und daraus lernen. Die Kritik betrifft nicht nur die geplante Rodung, sondern auch die dahinterstehende Forstpolitik, die in den Augen vieler zu starr und wenig praxisnah wirkt.


Rodung könnte enorme Kosten verursachen

Die wirtschaftliche Dimension lässt sich nicht ignorieren: Die ursprüngliche Aufforstung verschlang mindestens 500.000 Euro. Bei einem Hektarpreis von bis zu 30.000 Euro könnte eine Neupflanzung samt Pflege und Zaun bis zu 750.000 Euro kosten. Für diese Summe müssten nicht nur neue Eichen, sondern auch andere Baumarten wie Buchen oder Erlen beschafft werden. Finanziell verantwortlich ist der Pflanzgutlieferant, doch auch die öffentliche Hand stünde unter Druck.

Kritiker wie Versicherungskaufmann Michael Busse halten diese Art der Mittelverwendung für wenig zielführend. In Zeiten knapper Haushalte solle man funktionierende Natur nicht durch Bürokratie gefährden.

Entscheidung in Kürze erwartet

Noch im November plant die Autobahn GmbH einen Vor-Ort-Termin, bei dem die Sachlage geklärt werden soll. Dabei stehen sowohl die Herkunft der Eichen als auch Alternativen zur Rodung auf der Agenda. Es geht nicht nur um Gesetzestreue, sondern auch um Vernunft, Naturschutz und finanzielle Verantwortung.

Ob der Wald eine Zukunft hat, entscheidet sich bald. Klar ist: Der Fall steht exemplarisch für Konflikte zwischen Forstpolitik, Infrastrukturprojekten, Bürgerprotest und ökologischem Anspruch.

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen