In Senegal steht ein EU-finanziertes Verkehrsprojekt vor einer heiklen Entscheidung. Für Dakar sollen 380 erdgasbetriebene Busse, 14 Linien, zwei Depots, rund 700 Haltestellen, 13 Terminals, ein Ticketsystem und Straßenarbeiten entstehen. Die Finanzierung liegt bei rund 320 Millionen Euro. Doch der chinesische Staatskonzern CRRC gilt laut Berichten als Favorit. Die EU-Kommission kann eine Vergabe an China nicht verhindern, solange die Ausschreibung formal korrekt läuft. Damit könnten europäische Gelder chinesische Busse bezahlen. Betroffen sind europäische Hersteller, während China seinen Einfluss in Afrika weiter ausbauen könnte (euractiv: 29.04.26).
Senegal-Projekt zeigt Schwäche der EU-Vergabe
Das Vorhaben gehört zur Global-Gateway-Strategie der EU. Brüssel will damit Infrastruktur in Afrika fördern. Zugleich soll Dakar einen saubereren und zuverlässigeren Nahverkehr erhalten.

Die Finanzierung tragen mehrere europäische Institutionen. Dazu zählen die EU-Kommission, die Europäische Investitionsbank, die KfW und die französische AFD. Deshalb fließen Kredite und Zuschüsse in ein Projekt, das politisch weit über Dakar hinausreicht.
China-Konzern könnte vom EU-Geld profitieren
Im Mittelpunkt steht CRRC. Der chinesische Staatskonzern zählt zu den größten Verkehrstechnik-Anbietern weltweit. Laut Berichten soll sein Angebot deutlich günstiger sein als das europäischer Konkurrenten.
Für Anbieter aus Europa wäre ein Zuschlag an CRRC ein schwerer Rückschlag. Sie müssten gegen ein staatsnahes Unternehmen antreten, während europäische Institutionen die Finanzierung sichern. Deshalb sehen Kritiker einen gefährlichen Widerspruch in der EU-Förderpolitik.
EU kann Vergabe an China nicht stoppen
Die EU-Kommission räumt ein, dass sie den Zuschlag nicht einfach blockieren kann. Entscheidend sind die Vergaberegeln. Wenn ein Anbieter die Kriterien erfüllt, lässt sich seine Herkunft nicht als Ausschlussgrund nutzen.
Genau deshalb wird Senegal zum Symbolfall. Europa zahlt ein strategisches Infrastrukturprojekt, könnte aber am Ende chinesische Busse finanzieren. Für Brüssel ist das ein politisches Problem mit Signalwirkung.
Afrika-Strategie gerät in Schieflage
China baut seinen Einfluss in Afrika seit Jahren über Infrastrukturprojekte aus. Busse, Bahnen und Energieanlagen schaffen dauerhafte Bindungen. Wartung, Ersatzteile und Technik sichern Folgegeschäfte.
Für Senegal kann das Projekt dennoch kurzfristig Vorteile bringen. Neue Busse könnten den Verkehr in Dakar entlasten. Zugleich wächst jedoch das Risiko, dass europäisches Geld chinesische Lieferketten stärkt.
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