Die EU-Kommission reagiert auf den Krieg mit dem Iran und will das Ziel für die Befüllung der Gasspeicher vor dem kommenden Winter nur noch auf 80 statt wie üblich auf 90 Prozent festlegen. Hintergrund sind stark steigende Energiepreise seit Ende Februar, Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten sowie die faktische Sperrung der Straße von Hormus, die für den Transport von Öl und Flüssiggas entscheidend ist. Zugleich sind die Speicher nach dem Winter in vielen Ländern weitgehend geleert, in Deutschland liegen sie derzeit nur noch bei knapp 22 Prozent. Die Hauptfolge: Die Versorgung gilt aktuell noch als stabil, jedoch wird das Wiederauffüllen deutlich schwieriger und teurer (ntv: 21.03.26).
Niedrigeres Ziel soll Preisdruck mindern
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen forderte die Mitgliedstaaten in einem Brief auf, eine Senkung ihres Befüllungsziels „auf 80 Prozent so früh wie möglich in Betracht zu ziehen“. Damit will die Kommission den Markt beruhigen und zugleich verhindern, dass Versorger unter hohem Zeitdruck zu überteuerten Preisen einkaufen. Das bisherige Ziel von 90 Prozent verliert damit an Gewicht, obwohl Europa in den vergangenen Jahren stark auf möglichst volle Speicher gesetzt hatte.

Jørgensen begründete den Schritt zudem mit dem Ziel, den Marktteilnehmern „Sicherheit und Zuversicht“ zu geben. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil die Lage an den Energiemärkten seit Beginn der neuen Eskalation im Nahen Osten deutlich angespannter ist. Wenn Staaten und Unternehmen gleichzeitig große Mengen beschaffen müssen, treibt das die Preise meist zusätzlich nach oben.
Krieg im Nahen Osten treibt Öl- und Gaspreise
Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist der Ölpreis um mehr als 50 Prozent gestiegen, während die Gaspreise in der EU um mehr als 30 Prozent zugelegt haben. Der entscheidende Risikofaktor liegt dabei nicht nur in den Kämpfen selbst, sondern auch in deren Folgen für die Energieinfrastruktur. Der Iran richtet seine Vergeltungsangriffe gegen Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten, weshalb die Sorge vor weiteren Ausfällen wächst.
Besonders brisant ist zugleich die Lage an der Straße von Hormus. Die Meerenge gilt als Schlüsselroute für den weltweiten Transport von Öl und Flüssiggas, jedoch ist sie faktisch nicht mehr regulär befahrbar. Das belastet den Markt sofort, weil Händler und Importeure mit Verzögerungen, Ausfällen und höheren Transportkosten rechnen müssen.
Deutschlands Speicher bleiben vorerst ausreichend
Trotz der angespannten Lage bewertet die EU-Kommission die aktuelle Versorgungslage noch nicht als akut kritisch. Jørgensen erklärte, die Gasversorgung in der EU sei „zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch relativ abgesichert“, weil die Mitgliedstaaten einen großen Teil ihres Flüssiggases aus den USA beziehen. Diese Lieferstruktur mindert das unmittelbare Risiko, auch wenn der Weltmarktpreis davon unberührt bleibt.
In Deutschland sind die Speicher nach Angaben der Branchenvereinigung Ines derzeit zu knapp 22 Prozent gefüllt. Das reiche selbst bei extrem kalten Temperaturen aus, „um die Gasversorgung bis zum Ende der Heizperiode sicherzustellen“. Für den nächsten Winter wächst jedoch das Risiko, denn die Wiederbefüllung sei unter den aktuellen Marktbedingungen eine „außergewöhnlich große Herausforderung“.
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