In Brüssel sorgt der elektrische Dienstwagen-Fuhrpark der EU-Kommission für Ärger, weil die verfügbaren E-Autos die rund 440 Kilometer lange Strecke von Brüssel zum EU-Parlament nach Straßburg nicht ohne Ladepause schaffen. Die Fahrzeuge gehören zum 2022 gestarteten grünen Flottenumbau der Behörde, doch die regelmäßigen Dienstfahrten zwischen den beiden EU-Standorten belasten Reichweite, Terminplanung und vertrauliche Arbeitsabläufe. Besonders der Ladestopp in Luxemburg verlängert die Reise, während einige EU-Kommissare den Zug wegen sensibler Telefonate nur eingeschränkt nutzen wollen (politico: 27.05.26).
EU-Kommissare erleben Reichweitenproblem auf Dienstfahrt
Die EU-Kommission will ihren eigenen Fuhrpark bis 2027 vollständig emissionsfrei machen. Deshalb fahren bereits viele Spitzenbeamte und Kommissare mit elektrischen Dienstwagen. Der Fall zeigt jedoch, dass politische Klimaziele im Behördenalltag an Reichweite, Ladezeit und Streckenprofil scheitern können.

Die Flotte umfasst nach Angaben aus Brüssel 128 Fahrzeuge. Rund 80 Prozent davon fahren bereits elektrisch. Außerdem sollen die Dienstwagen zeigen, dass die Kommission ihre eigene Verkehrspolitik auch im eigenen Betrieb umsetzt.
Ladestopp in Luxemburg verlängert die Reise
Die Autofahrt von Brüssel nach Straßburg dauert normalerweise etwa fünf Stunden. Die verfügbaren E-Autos schaffen die Strecke jedoch nicht zuverlässig ohne Zwischenstopp. Deshalb legen Fahrer häufig in Luxemburg eine Ladepause ein.
Dieser Halt dauert meist 20 bis 30 Minuten. Für EU-Kommissare mit engem Terminplan führt das zu spürbaren Verzögerungen. Außerdem kann besonders langsames Fahren die Reise weiter verlängern, weil Fahrer dadurch Energie sparen wollen.
Chauffierte E-Autos werden zum politischen Problem
Die Kritik trifft ausgerechnet den chauffierten Dienstwagenverkehr der EU-Spitze. Mehrere Kommissare nutzen Elektrofahrzeuge mit Fahrer, während die EU strengere Klimavorgaben für den Verkehrssektor vorantreibt. Dadurch bekommt der Vorgang politische Brisanz.
Im Umfeld einzelner Kommissare wächst der Ärger über die Zusatzzeit auf der Strecke. Ein Mitarbeiter eines Kommissars sagte zu langsamerem Fahren: „Aber das funktioniert nicht wirklich“. Zugleich geht es nicht um einen kompletten Ausfall der Mobilität, sondern um Verzögerungen im Dienstbetrieb.
Zugfahrt passt nicht zu vertraulichen Gesprächen
Die Bahn wäre auf der Strecke von Brüssel nach Straßburg eine naheliegende Alternative. Viele Kommissare führen unterwegs jedoch vertrauliche Telefonate. Deshalb gilt der Zug aus Sicht einiger Kabinette nicht als gleichwertiger Ersatz für das Dienstauto.
Auf der Straße bleibt der Reichweitenkonflikt bestehen. Wer mit dem E-Auto fährt, muss Ladepunkt, Fahrzeit und Termine genauer abstimmen. Außerdem verschärft der regelmäßige Wechsel zwischen Brüssel und Straßburg die organisatorische Belastung.
Von der Leyen fährt wegen Sicherheitsauflagen anders
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen trifft das Problem offenbar nicht in gleicher Form. Ihr Dienstwagen muss aus Sicherheitsgründen gepanzert sein. Ein geeignetes gepanzertes Elektroauto steht derzeit jedoch nicht bereit.
Deshalb nutzt von der Leyen weiterhin ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Diese Ausnahme liefert Kritikern der EU-Klimapolitik zusätzlichen Stoff. Zugleich verweist die Kommission auf Sicherheitsvorgaben, die bei der Präsidentin schwerer wiegen als der Flottenstandard.
Fall zeigt Schwachstelle der EU-Verkehrspolitik
Der Vorgang widerlegt Elektromobilität nicht grundsätzlich. Er zeigt jedoch ein praktisches Problem auf langen Dienststrecken. Reichweite, Ladeleistung und verfügbare Infrastruktur entscheiden im Alltag über die Reisezeit.
Für die EU-Kommission entsteht dadurch ein unangenehmer Widerspruch. Sie will den Umstieg auf emissionsfreie Mobilität beschleunigen, erlebt jedoch selbst Einschränkungen auf einer zentralen politischen Pendelstrecke. Genau dieser Punkt macht den Streit um die Dienstwagen der EU-Kommissare für die europäische Verkehrspolitik relevant.
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