EU-Klimabeirat fordert: Landwirtschaft soll für ihre Emissionen zahlen

In Brüssel drängt der Klimabeirat der EU auf einen tiefen Umbau von Landwirtschaft und Ernährung, weil der Sektor seine Klimawirkung nach Ansicht der Experten bisher nicht schnell genug senkt. Auslöser ist ein neuer Bericht des unabhängigen Gremiums unter Vorsitz des deutschen Klimaökonomen Ottmar Edenhofer, der deutlich macht, dass die europäischen Klimaziele ohne stärkere Eingriffe kaum erreichbar sind. Besonders kritisch sind Methan aus der Tierhaltung sowie Lachgas aus Düngemitteln. Zugleich leidet die Landwirtschaft selbst unter Dürren, Überschwemmungen und neuen Schädlingen. Der Beirat empfiehlt deshalb eine Bepreisung von Emissionen nach dem Verursacherprinzip, einen Abbau klimaschädlicher Agrarsubventionen und eine stärker pflanzenbasierte Ernährung. Zugleich soll der Umbau sozial abgefedert werden, damit Landwirte Unterstützung erhalten und einkommensschwache Haushalte nicht zusätzlich unter höheren Preisen bei Lebensmitteln leiden (fr: 14.03.26).


Agrarsystem rückt wegen hoher Emissionen in den Fokus

Die Lebensmittelproduktion zählt in Europa zu den großen Emissionsquellen. Landwirtschaft, Verarbeitung, Transport und Konsum verursachen zusammen rund ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU. Besonders stark fallen Emissionen aus der Tierhaltung ins Gewicht, während Düngemittel zusätzlich erhebliche Mengen Lachgas freisetzen. Deshalb setzt der Bericht genau dort an, wo der größte Hebel liegt.

EU-Klimabeirat fordert Emissionspreis für die Landwirtschaft. Ohne Reformen seien die europäischen Klimaziele kaum erreichbar
EU-Klimabeirat fordert Emissionspreis für die Landwirtschaft. Ohne Reformen seien die europäischen Klimaziele kaum erreichbar

Der Beirat verlangt, dass die Landwirtschaft künftig stärker für ihre Klimafolgen zahlt. Einnahmen aus einer solchen Abgabe könnten jedoch teilweise an Betriebe zurückfließen, etwa für klimafreundliche Technik, besseren Bodenschutz oder Maßnahmen zur Kohlenstoffspeicherung in Böden und Wäldern. Außerdem empfehlen die Experten, die Gemeinsame Agrarpolitik der EU stärker an Umwelt- und Klimaleistungen auszurichten und klimaschädliche Förderungen zurückzufahren. Damit würde sich die bisherige Logik der Agrarpolitik deutlich verschieben.

Weniger rotes Fleisch soll Emissionen in der Landwirtschaft spürbar senken

Nicht nur die Produktion, sondern auch der Konsum steht im Mittelpunkt der Vorschläge. Der Klimabeirat hält eine klimafreundlichere Ernährung für einen wichtigen Hebel, weil vor allem rotes Fleisch und Milchprodukte hohe Emissionen verursachen. Pflanzliche Lebensmittel schneiden deutlich besser ab, während Rinderhaltung wegen Methan und Futtermittelanbau besonders belastend wirkt. Deshalb empfehlen die Fachleute eine geringere Nachfrage nach tierischen Produkten und einen stärker pflanzenbasierten Speiseplan.

Studien stützen diesen Kurs. Eine Untersuchung im Fachjournal Nature Food kam zu dem Ergebnis, dass der Abbau steuerlicher Vorteile für Fleischprodukte in der EU die ernährungsbedingten Emissionen deutlich senken könnte. Demnach ließen sich rund 30 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr einsparen, was etwa fünf Prozent der Emissionen des europäischen Ernährungssystems entspräche. Zugleich zeigt diese Zahl, dass schon Änderungen bei Preisen und Konsumverhalten messbare Wirkung hätten.


Politischer Widerstand dürfte die Reformen bremsen

Der Beirat betont allerdings, dass ein solcher Umbau nur mit sozialer Absicherung tragfähig wäre. Landwirte brauchen nach Ansicht der Experten finanzielle Hilfe, Beratung und Investitionsprogramme, damit sie ihre Produktion umstellen können. Außerdem darf Klimaschutz aus Sicht des Gremiums nicht dazu führen, dass Lebensmittel für ärmere Haushalte spürbar teurer werden. Deshalb verbindet der Bericht schärfere Vorgaben mit Ausgleichsmechanismen.

Politisch wird der Weg dennoch schwierig. Die Agrarpolitik gehört zu den konfliktträchtigsten Feldern der EU, während Emissionsabgaben und Eingriffe in Ernährungsgewohnheiten regelmäßig auf harten Widerstand von Bauernverbänden stoßen. Edenhofer machte deshalb klar, dass die bisherigen Fortschritte nicht reichen. „Der Sektor muss in den kommenden Jahren deutlich mehr tun – um zur Klimaneutralität beizutragen und zugleich die Lebensgrundlagen der Landwirte zu sichern, ländliche Regionen zu stärken und Europas Lebensmittelversorgung in einem sich weiter wandelnden Klima zu gewährleisten“, sagte er. Die anstehenden Reformen der EU-Agrarpolitik und die Debatte über Klimaziele nach 2030 könnten deshalb zu einer Richtungsentscheidung für Europas Ernährungssystem werden.

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