Engpass bei Antibiotika – Sonderregeln sollen Deutschlands Versorgung stabil halten

Die Versorgung mit Antibiotika ist bei einzelnen Präparaten erneut kritisch, weil die Bestände bestimmter Depot-Penicilline absehbar auslaufen. Das Bundesgesundheitsministerium reagiert früh, damit Therapien nicht unterbrochen werden. Zugleich zeigt die Lage, wie schnell eine fragile Lieferkette ins Wanken gerät, wenn in Deutschland nur ein zugelassenes Produkt verfügbar ist.


Antibiotika und Versorgungsmangel: Welche Präparate betroffen sind

Das Bundesgesundheitsministerium hat für injizierbare Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin einen Versorgungsmangel festgestellt, und damit gelten befristete Sonderregeln. Dadurch wird der Import vergleichbarer Präparate erleichtert, sodass die Versorgung nach dem Abverkauf der Restbestände weiterläuft. Außerdem dürfen Packungen ohne deutsche Kennzeichnung genutzt werden, wenn die Einfuhr die Versorgungslücke schneller schließen kann.

Antibiotika knapp - Sonderregeln erlauben Import, um die Lieferkette zu stabilisieren und sollen einen Versorgungsmangel abfedern
Antibiotika knapp – Sonderregeln erlauben Import, um die Lieferkette zu stabilisieren und sollen einen Versorgungsmangel abfedern

Die Präparate werden bei Streptokokken-Infektionen zur Langzeitbehandlung eingesetzt und sie schützen vor rheumatischen Herzentzündungen. Zudem ist eine einmalige Injektion Standard in der Therapie von Syphilis, weshalb eine stabile Verfügbarkeit medizinisch relevant bleibt. Es gibt Alternativen, jedoch sind sie häufig weniger wirksam, sodass diese Depot-Penicilline bei hohem Rückfallrisiko schwer zu ersetzen sind.

Lieferkette vor dem Bruch – was ab 2026 erwartet wird

Seit dem vergangenen Sommer liegen dem Bundesgesundheitsministerium Hinweise vor, dass die Verfügbarkeit des einzigen zugelassenen Präparats ab dem ersten Quartal 2026 einbrechen könnte. Grund sind Verzögerungen bei Umstellungen in der Produktion, und solche Eingriffe können Lieferpläne verschieben. Der Zulassungsinhaber hat zwar einen Überbrückungsbestand aufgebaut, dennoch wird dieser Puffer absehbar aufgebraucht sein.

Damit die Lieferkette nicht reißt, soll der Import die Zeit überbrücken, bis die Produktion wieder stabil läuft. Diese Einfuhr kann auch Präparate umfassen, die nicht für den deutschen Markt etikettiert sind, sofern Qualität und Anwendung gesichert bleiben. So soll eine Versorgungslücke vermieden werden, bevor Arztpraxen Behandlungspläne ändern müssen.

Import-Regeln als Sicherheitsnetz für die Versorgung

Die Sonderregeln reduzieren bürokratische Hürden und dadurch lässt sich ausländische Ware schneller einsetzen. Das ist für die Versorgung entscheidend, weil Depot-Penicilline nicht beliebig austauschbar sind. Für Patienten bedeutet das mehr Planungssicherheit, weil bewährte Therapien nicht an Verpackungsfragen scheitern sollen.

Das Ministerium bewertet die Maßnahme als Ergebnis eines eng begleiteten Engpassmanagements, weil frühe Meldungen gezielte Schritte ermöglichen. Gleichzeitig bleibt das strukturelle Risiko bestehen, denn wenige Anbieter bedeuten bei Störungen schnell neue Knappheit. Deshalb richtet sich der Blick nicht nur auf Bestände, sondern auch auf belastbare Produktions- und Transportwege.


Unterschied zwischen Lieferengpass und Versorgungsmangel

Ein Lieferengpass ist nicht automatisch ein Versorgungsmangel, weil oft andere wirkstoffgleiche Mittel verfügbar sind. Als Lieferengpass gilt allgemein eine mehr als zwei Wochen lange Unterbrechung der üblichen Auslieferungsmenge, während ein Versorgungsmangel die Behandlung spürbar gefährdet. Nach amtlichen Daten gibt es derzeit rund 550 Lieferengpassmeldungen, bei insgesamt etwa 100.000 zugelassenen Arzneimitteln.

Die allgemeine Arzneimittelversorgung beschreibt das Bundesgesundheitsministerium als überwiegend stabil, und bei Kindermedikamenten habe sich die Lage weiter verbessert. Gleichzeitig sind bei mehreren Antibiotika-Wirkstoffen bereits kritische Situationen dokumentiert, darunter Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und Erythromycin. Solche Fälle bleiben selten, jedoch hat es seit 2015 laut amtlichen Angaben weniger als 20 Feststellungen eines Versorgungsmangels gegeben.

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