E-Auto-Prämie ohne Wirkung – Autohändler sehen keine Käufe und fürchten Absturz der Restwerte

Autohändler registrieren durch die neue E-Auto-Prämie bisher keine spürbare Belebung, und viele Käufer zögern weiter, denn sie erwarten klare Regeln und einen verlässlichen Start. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Förderung den Gebrauchtwagenmarkt über noch weiter fallende Restwerte hart trifft (wiwo: 09.02.26).


Händlerumfrage zeigt Kaufzurückhaltung trotz Förderung

Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) stützt seine Kritik auf eine Mitgliederumfrage, und das Ergebnis fällt deutlich aus. Mehr als 80 Prozent der Autohändler melden keine oder nur minimale Nachfrageimpulse. Deshalb fordert der Verband in einem Schreiben an Bundesumweltminister Carsten Schneider eine schnellere Umsetzung und Nachbesserungen.

Autohändler melden keine Nachfrage durch die E-Auto-Prämie. Unklare Regeln, hohe Kosten und fallende Restwerte bremsen Käufe
Autohändler melden keine Nachfrage durch die E-Auto-Prämie. Unklare Regeln, hohe Kosten und fallende Restwerte bremsen Käufe

Onlineportale melden zwar mehr Anfragen, jedoch bleibt der entscheidende Schritt oft aus. Kunden klicken sich durch Angebote, aber sie unterschreiben nicht. Dieser Bruch zwischen Interesse und Abschluss trifft Händler besonders, weil Lagerkosten und Finanzierung weiterlaufen.

Unklare Bedingungen und spätes Portal bremsen die Kaufentscheidung

Viele Käufer warten, weil die Fördervoraussetzungen zu wenig greifbar wirken. Autohändler nennen vor allem Fragen zum Haushaltseinkommen und zur Anspruchsprüfung, während die Zwischenfinanzierung zusätzliche Hürden setzt. Burkhard Weller sagt: „Wir sehen weiter große Zurückhaltung bei potenziellen Käufern.“

Auch der Zeitplan belastet den Markt, denn das Förderportal soll erst im Mai öffnen. Damit verschiebt sich jede Wirkung nach hinten, zumal Lieferzeiten bei Neuwagen ohnehin Monate kosten. Händler verlieren in dieser Phase Abschlüsse, weil Kunden lieber abwarten als ein Risiko einzugehen.

Hohe Anschaffungskosten und teure Werkstattrechnungen drücken die Budgets

Die Zahlen aus dem DAT-Report 2026 erklären den Gegenwind, denn Neuwagenkäufer zahlten 2025 im Schnitt 44.560 Euro. Reine Elektroautos lagen mit 47.160 Euro nochmals höher, während Gebrauchtwagen im Schnitt 18.310 Euro kosteten. Viele Halter fahren deshalb länger, und das stabilisiert zwar den Bestand, aber es bremst den Neuwagenmarkt.

Zudem steigen Wartung und Reparaturen spürbar, weil Werkstattstunden teurer werden und Ersatzteile mehr kosten. Gleichzeitig wächst die technische Komplexität, wodurch Diagnosen länger dauern. Laut DAT lag eine durchschnittliche Reparatur 2025 bei rund 604 Euro, also etwa 30 Prozent über 2020.

Förderung für junge Gebrauchte soll den Durchbruch bringen

Der VAD will deshalb nicht nur Neuwagen fördern, sondern auch junge gebrauchte Elektroautos. Der Verband verweist darauf, dass Privatkunden häufig Gebrauchtwagen wählen, während teure Neuwagen viele Haushalte ausschließen. Außerdem bleibt Ladestrom für Verbraucher schwer kalkulierbar, weil Tarife und Rahmenbedingungen stark variieren.

Weller bringt es so auf den Punkt: „Nur wenn auch junge Gebrauchte gefördert werden, kann Elektromobilität schnell für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich werden.“ Damit verbindet der Verband ein klares Ziel, nämlich mehr reale Käufe statt nur mehr Interesse. Ohne diesen Hebel droht die E-Auto-Prämie an der Preisgrenze zu scheitern.


Insolvenzen steigen, Margen sinken, Restwerte wackeln

Bei den Autohändlern schrumpfen die Margen, während Hersteller hohe Zielvorgaben setzen. Viele Betriebe verzichten auf Teile der Marge, damit Bonuszahlungen nicht wegbrechen. Laut Auswertungen zur Branche verdreifachten sich 2025 die Insolvenzen unter großen Autohändlern, und es gab demnach 32 Fälle bei größeren Häusern.

Die E-Auto-Prämie verschärft zudem die Angst vor einem Restwert-Schock, weil geförderte Neuwagen Preise nach unten ziehen können. Claus Trilling warnt: „Die Prämie wird die Restwerte komplett in den Keller schieben. Das wird ein Blutbad für uns.“ Damit geraten ausgerechnet jene Erträge unter Druck, die viele Händler über das Gebrauchtwagengeschäft stabilisieren.

Kritik am Instrument: Kurzfristiger Schub, langfristige Baustellen

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer kritisiert die Förderung grundsätzlich, und er erwartet Mitnahmeeffekte. Kurzfristig kann die Prämie Absätze stützen, doch strukturelle Probleme löst sie nicht. Genau hier setzt die Händlerkritik an, denn ohne klare Regeln, früheren Start und einen Gebrauchtwagen-Baustein bleibt die Wirkung begrenzt.

Am Ende entscheidet der Kunde über den Erfolg, und der Kunde rechnet aktuell härter als die Politik plant. Deshalb droht die E-Auto-Prämie im Handel zu verpuffen, obwohl sie den Umstieg beschleunigen soll. Für viele Betriebe zählt jetzt Planungssicherheit, sonst wächst der Druck weiter.

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