In Offenbach endet 2026 ein bedeutendes Kapitel hessischer Industriegeschichte, weil Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed den regulären Geschäftsbetrieb zum 1. Juni einstellt. Das Unternehmen hatte im März ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, nachdem hohe Verluste und ein stark geschrumpfter Markt für neue Bogenoffsetmaschinen die Lage verschärft hatten. Besonders der Rückgang im wichtigen China-Geschäft traf den Standort, deshalb verlieren rund 750 Beschäftigte ihre Arbeit. Die Produktion ist Ende Mai ausgelaufen, während Restabwicklung und mögliche Verkäufe einzelner Geschäftsbereiche noch bis Jahresende dauern.
Insolvenz trifft einen traditionsreichen Industriestandort
Der Standort an der Mühlheimer Straße steht seit Jahrzehnten für Maschinenbau, Export und Facharbeit. Jetzt endet dort die Fertigung neuer Druckmaschinen. Außerdem bleiben nur noch einzelne Kräfte im Betrieb, um offene Aufträge zu betreuen und Teile des Geschäfts zu sichern.

Bild: Offenbacherjung, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigten bereits vor der Entscheidung eine dramatische Entwicklung. Für 2025 steht ein Verlust von 43,2 Millionen Euro im Raum. Zugleich bestellten Druckereien weltweit weniger neue Anlagen, weil Investitionen in klassische Drucktechnik an Bedeutung verloren.
Manroland verliert nach langer Krise die industrielle Basis
Die Krise entstand jedoch nicht über Nacht. Schon 2011 geriet die frühere Manroland AG in die Insolvenz. Danach trennten Investoren die Sparten für Rollenoffset und Bogenoffset, während der Offenbacher Bereich unter dem Namen Manroland Sheetfed weiterarbeitete.
Diese Rettung verschaffte dem Werk Zeit, aber keine dauerhafte Sicherheit. Die Belegschaft schrumpfte über Jahre. Außerdem veränderte sich der Druckmarkt schneller, als der Maschinenbauer neue Wachstumsmärkte erschließen konnte.
Von Offenbach aus auf die Weltmärkte
Die Wurzeln reichen bis 1871 zurück. Louis Faber und Adolf Schleicher gründeten damals ein Unternehmen für lithografische Schnellpressen. Kurz darauf entwickelte sich Offenbach zu einem Standort, der Drucktechnik in viele Länder lieferte.
Der Name Roland gewann ab 1911 internationale Bedeutung. Später prägten MAN Roland und danach Manroland den Markt für große Druckmaschinen. Deshalb trifft die Schließung nicht nur einen Betrieb, sondern auch ein Stück Industriegeschichte im Rhein-Main-Gebiet.
Folgen reichen über das Werk hinaus
Für die Beschäftigten beginnt nun eine schwierige Phase. Viele von ihnen verfügen über spezialisiertes Wissen im Maschinenbau. Deshalb hängt viel davon ab, ob andere Industriebetriebe diese Fachkräfte aufnehmen können.
Auch Zulieferer und Dienstleister spüren das Aus. Ein großer Maschinenbauer bindet Aufträge, Wartung, Logistik und technische Dienstleistungen. Außerdem verliert Offenbach einen sichtbaren Anker seiner industriellen Vergangenheit.
Verfasser: Blackout-News
Verwendete Quellen: Frankfurter Rundschau (10.06.26) – Gießener Allgemeine (09.06.26) – Langley Holdings (03.03.26) – PrintCAN (22.04.26)
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